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Stormarner Tageblatt

24. Oktober 2017 | 00:57 Uhr

Die Musical-Elite in Ahrensburg

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Es ist das „Who is Who“ der deutschen Musicalszene, das am 3. November für eine Deutschlandpremiere nach Stormarn kommt

shz.de von
erstellt am 09.Sep.2014 | 14:01 Uhr

New York, Los Angeles, Dublin und Ahrensburg – diese Reihenfolge liest sich auf den ersten Blick erstaunlich und doch ist sie korrekt. Am 3. November wird die Stormarner Schlossstadt eine echte Deutschlandpremiere erleben. Angestoßen wurde das Projekt „24 Stunden Musical“ vom Ahrensburger Musicaldarsteller und Inhaber der Firma „Musical Creations Entertainment“, Hauke Wendt.

Gemeinsam mit seiner Frau Jacuqi Dunnley-Wendt, ebenfalls Musicaldarstellerin, hatte er Ende 2013 die Idee. „Wir wollten unseren Teil zu den 700-Jahr-Feierlichkeiten beitragen“, erklärt er. Als Profis aus der Szene kennen sie die amerikanischen „24 Stunden Musicals“, die seit nunmehr sieben Jahren am Broadway jährlich konzipiert und aufgeführt werden. „Warum nicht bei uns in Ahrensburg?“, fragten sich die beiden Musiker. Sie rannten bei Bürgermeister Michael Sarach offene Türen ein. Er sagte direkt als Schirmherr der Veranstaltung zu. „Das würde ich nicht tun, wenn ich glauben würde, dass wir uns damit alle kräftig blamieren“, zeigt sich Sarach überzeugt. „In diesem Fall merkte ich sofort, dass Hauke Wendt weiß, was er tut. Er bringt Einsatzwillen, Engagement aber auch sehr viel Kompetenz mit“, betont Sarach.

Doch was genau ist das Projekt eigentlich? Das Konzept klingt einfach und ist doch in seiner Umsetzung komplex: Innerhalb von 24 Stunden werden zwischen dem 2. und 3. November in Ahrensburg vier Musicals geschrieben, komponiert, eingeübt und schließlich im Alfred-Rust-Saal aufgeführt. So ein ambitioniertes Projekt lässt sich natürlich nur umsetzen, wenn Vollprofis mitmachen, die aber auch Spaß an der Sache haben. Dem Ehepaar Wendt gelang es das Who is Who der deutschen Musicalszene nach Ahrensburg zu locken.Und so soll der Ablauf funktionieren: Im ersten Schritt stellen sich am Sonntagabend Kreativteams zusammen, die die Nacht über die Stücke schreiben und komponieren. Die beteiligten Autoren sind Titus Hoffmann (Autor „Heiße Zeiten“, „Mann-o-Mann“), Nina Schneider (Autorin „Show Dogs“, „Newsical“), Kevin Schröder (Autor „Die Tagebücher von Adam&Eva“) und Heiko Wohlgemuth (Autor „Heiße Ecke“, „Swinging St. Pauli“, „Der Schuh des Manitu“).

Sie treffen auf die Komponisten Thomas Borchert (Titelrollen in „Das Phantom der Oper“, „Dracula“, „Buddy“), Lukas Höfling (Musikalischer Leiter „König der Löwen“, Co-Komponist „Don Camillo&Peppone“), Martin Lingau (Komponist „Das Wunder von Bern“, „Heiße Ecke“), Adrian Werum (Komponist „Hollywood Diva“, Orchestrierer von „Tanz der Vampire“). In Zweierteams arbeiten sie an den Skripten und Klavierauszügen, die am Morgen kopiert und übergeben werden.

„Es soll einen Ahrensburgbezug geben und wir bauen ein paar Hürden ein, denn niemand soll sich vorbereiten können. Ein Produktionsbudget gibt es quasi nicht“, erklärt Hauke Wendt. Wenn die Kreativ-Teams ein paar Stunden im Park-Hotel schlafen dürfen, schlägt die Stunde der Ausführenden, die sich in vier Ahrensburger Tanzstudios treffen.

Regie führen dann Matthias Davids (Regie „Crazy for you“, „Chess“), Jacqui Dunnley-Wendt (Regie, Choreographie „Hairspray Jr.“, „Disneys Camp Rock“), Stefan Huber (Regie „Grease“, „Kiss me Kate“) und Geriet Schieske (Regie, Autor, Schauspieler für Bülent Ceylan, „Hausmeister Krause“, „RTL Samstag Nacht“). Sie arbeiten zusammen: mit den musikalischen Leitern Bob Edwards (Musikalischer Leiter „Phantom der Oper“, „Tarzan“), Holger Kolodzjej (Musikalischer Leiter „Aida“, „Mamma Mia“), Patricia Martin (Professorin der Folkwang Universität der Künste, Dirigentin bei „Cats“) und Jon Mortimer (Komponist von „The Triumph of Death“, Dirigent bei „Mamma Mia“). Auch hier werden wieder Zweierpärchen gebildet, die dann ein kleines Ensemble an ihre Seite gestellt bekommen. Die Darsteller sind allesamt Stars der deutschen Musicalszene: Lisa Antoni, Silke Braas, Charlotte Heinke, Marja Hennicke, Diana Mercoli-Böge, Jennifer Siemann, Wietske van Tongeren, David Arnsperger, Andreas Bieber, Enrico de Pieri, Matthias Edenborn, Andre Haedicke, Martin Pasching, Drew Sarich, Lucius Wolter und Nicky Wuchinger sind die Erstbesetzungen in Blockbustern wie „Tarzan“, „Phantom der Oper“, „Rocky“, „Aida“, „Heiße Ecke“, „Hinter’m Horizont“ und vielen mehr.

„Das erklärt auch, warum die Veranstaltung an einem Montag stattfindet. Denn am Sonntag spielen die meisten noch ihre Vorführungen, bevor sie zu uns kommen“, so Wendt „Als ich den Rockydarsteller Drew Sarich anrief, antwortete er erst ,Seid ihr verrückt?’ und ich dachte schon, er wolle nicht mitmachen und dann kam sofort ,Da bin ich natürlich dabei’“, berichtet der Organisator. „Wir mussten dann irgendwann gar nicht mehr fragen, denn die Darsteller haben sich bei uns gemeldet“, ergänzt seine Frau.

Bei einer solchen Anhäufung von echten Stars, ist natürlich die Frage, ob sie nicht Angst vor einer Blamage haben. Ist nicht die Gefahr da, dass das Musical in 24 Stunden vielleicht doch noch nicht ausgereift ist ?„Der Kick ist natürlich dabei. Die Crews machen mit, weil sie die Herausforderung suchen“, erklärt Wendt. In den „normalen“ Musicalproduktionen sei viel vorgegeben und kaum der Raum, die eigene Rolle anders zu entwickeln, eigene Ideen mit einzubringen. Außerdem habe das Projekt in Ahrensburg auch ein wenig den Reiz eines Klassentreffens. Dass sich dabei allerdings – wie halt in einer Schule auch – vielleicht nicht alle ganz grün sind, sei möglich. „Wir haben nun nicht darauf geschaut, wer mit wem kann oder nicht. Aber klar, sowas kommt vor“, lacht Wendt. Aber wenn man nicht in der Lage sei, sich für dieses Projekt 24 Stunden am Riemen zu reißen, dann „bekommt derjenige im Leben und in unserem Beruf ja noch ganz andere Probleme“. Alle seien Profis, die mit solchen Situationen umzugehen wissen. „Es gibt aber keine wirklich gute Produktion in der in der Vorbereitung nicht mal die Fetzen fliegen. Das kann auch hier passieren. Der Adrenalinspiegel ist hoch. Da muss dann nicht unbedingt Publikum dabei sein“, erklärt der Organisator, warum die Proben hinter verschlossenen Türen stattfinden. Vor allem angesichts dessen, dass zum Einüben der kompletten vier Musicals jeweils nur eine Stunde im Alfred-Rust-Saal zur Verfügung steht. Eine Stunde für die Arbeit auf der Bühne mit der Band – das ist verdammt eng. Eines steht ganz sicher fest: Die vier Werke wird es in dieser Kombination nur ein einziges Mal auf der Welt geben und das ist am 3. November um 20 Uhr im Alfred-Rust-Saal.

„Ich mache keinen Hehl daraus, dass wir den Anspruch haben, das kulturelle Zentrum Stormarns zu werden“, so Bürgermeister Sarach selbstbewusst. Auch im Bezug darauf, dass man neue Theatersäle oder eine Konzerthalle in Ahrensburg entstehen lassen könnte, dürfte eine solche Veranstaltung der entscheidende „wichtige Anstoß sein“, so Sarach. Und so sieht er die Strahlwirkung des Events weit über den einen Abend hinaus. „Viele haben gefragt, warum wir das nicht in Hamburg machen. Große Theater fragen an, aber darum geht es nicht. Wir wollen das hier in Ahrensburg machen“, so Hauke Wendt entschlossen.

Mit dem Park-Hotel als Unterbringungsort und Gastgeber der kostenlosen Aftershowparty und dem Sound- and Lightservice als Techniksupport habe man in der Stadt professionelle Partner gefunden. Alle Einnahmen sollen gespendet werden. „Für einen guten Zweck vor Ort, der noch benannt wird. Die Künstler verzichten auf Gagen“, so Wendt. Karten für 26 bis 44 Euro gibt es ab sofort unter www.24-stunden-musicals.de

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