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Stormarner Tageblatt

24. September 2017 | 10:53 Uhr

Ahrensburg : Die leicht getrübte Osterfreude

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Der erste Gottesdienst in der St. Johanneskirche nach fast einem Jahr Schließung markiert noch nicht das Ende der Debatten in der Kirchengemeinde Ahrensburg.

von
erstellt am 22.Apr.2014 | 05:00 Uhr

Die österliche Sonne schien, die Massen strömten in Richtung Rudolf-Kinau-Straße: Es war alles vorbereitet für eine feierliche Wiedereröffnung der St. Johannes Kirche – hätte es da nicht die neuen Unstimmigkeiten zwischen dem Förderverein und dem Kirchengemeinderat gegeben und wäre Probst Hans-Jürgen Buhl nicht selbst vor Ort gewesen – es hätte ein besinnlicher Vormittag sein können.

Der Förderkreis hatte sich bemüht „Zeichen des Friedens“ zu setzen, wie es der Vorsitzende Hans Peter Hansen ausdrückte. Im Kirchenschiff waren Blumen verteilt worden. Auch Pastor Hans-Martin Bruns war bemüht, die Besonderheit des Moments hervorzuheben. „Es war so ein unglaublich schönes Gefühl, die Kirche heute aufschließen zu können, in den leeren Raum zu treten und zu wissen, dass er nun wieder mit Leben gefüllt werden wird“, sagte Bruns.

Nach 20 Minuten konnte man den Eindruck gewinnen, dass es es nie einen Streit um die Johanneskirche gegeben habe. Die mehr als 400 Besucher wirkten fast schon versöhnt mit ihrer Kirche. Nur wenn man genauer hinsah, bemerkte man Anspannung in den Gesichtern. Was würde Probst Hans-Jürgen Buhl, sagen?

Mit einem Anspiel verdeutlichte er in seiner Predigt die Situation Maria Magdalenas vor dem Grab Jesus, als sie sich zwei Mal wendet, um ihn entdecken zu können. Es sollte ein Gleichnis für die Situation in der Gemeinde sein: „Auch wir als Kirche wenden uns manchmal und sehen dann eine neue Lösung, eine andere Perspektive.“ Zum Schluss wandte er sich direkt an die Gemeinde. „Ich bedanke mich bei allen Beteiligten, die mit viel Herzblut gemeinsam diese Kirche erhalten haben“, sagte er. Dass der Probst Förderverein und Kirchengemeinderat auf eine Stufe stellte, passte vielen nicht. „Welches gemeinsame Herzblut denn?“, zischte eine Besucherin, manche lachten hämisch. Es erklang aber auch großer Beifall von einer Vielzahl der Besucher.

Kompromisse seien halt notwendig, sagte Buhl weiter: „Ob das heute nun ein zartes Pflänzchen oder eine wackelige Angelegenheit ist, wird sich zeigen.“

Für noch mehr Applaus und noch mehr Empörung sorgte er mit der Aussage, dass sich die Vertreter der Kirchengemeinde zusammengesetzt hätten, um Lösungen für den Streit um die sonntäglichen Andachten zu finden. „Natürlich dürfen in Zukunft die Laienandachten in der Kirche durchgeführt werden“, sagte er, woraufhin begeisterter Applaus auch vom Förderverein aufbrandete. Doch dann die Einschränkung: „Das gilt von Montag bis Sonnabend. An Sonntagen dürfen das in unserer Kirche nur ordentlich ausgebildete Pastoren.“

„So eine Veralberung“, rief ein Mitglied des Fördervereins, „Haben Sie die Verträge nicht gelesen?“, ein anderer. Vereinzelt gab es auch Buhrufe. „Jetzt wurde so viel geklatscht, da meinen einige wohl nun mal buhen zu müssen“, reagierte Buhl selbstbewusst. Dass ein Riss durch die Gemeinde geht, zeigte sich vor der Tür. Viele schüttelten Buhl die Hand und bedankten sich für den „schönen Gottesdienst“, andere machten einen großen Bogen um den Probst.

„Wir haben heute nichts anderes von diesem Probst erwartet“, sagte Hansen, der „christliches Sendungsbewusstsein“ bei Probst Buhl vermisste: „Er steht nicht hinter den Dingen, sondern handelt professionell eine Geschäftsordnung ab.“ Außerdem sei viel von Gemeinde gesprochen worden. „Aber es gibt ja gar keine mehr. Wir werden sie erst wieder mit den Leuten vor Ort aufbauen und mit Leben füllen“, so Hansen

Der Förderverein hätte sich auch gerne an der Ausgestaltung des Gottesdienst beteiligt. „Die Ahrensburger Kirchengemeinde hat an Beteiligung der Gläubigen aber kein ehrliches Interesse“, sagte der Vorsitzende. Man lassen sich nicht einfach vor vollendete Tatsachen stellen. Hansen: „Warum kommt der Probst nicht mal direkt zu uns und spricht das mit uns ab?“ Als Mediator soll jetzt der ehemalige Bargteheider Bürgermeister Werner Mitsch zwischen Kirche und Verein vermitteln. „Ein guter Mann, dem wir absolut vertrauen“, sagt Hansen.


 

 

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