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Stormarner Tageblatt

21. November 2017 | 05:26 Uhr

Bad Oldesloe : Die Kümmerer der Diakonie

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Ein achtköpfiges Team aus Pädagogen sowie Sprach- und Kulturmittlern übernimmt die Flüchtlingssozialarbeit im Nordteil des Kreises Stormarn.

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erstellt am 12.Mai.2016 | 06:00 Uhr

„Wenn man die Geschichten hört, die Hintergründe ... das ist keine einfache Arbeit, da nimmt man abends ordentlich was mit nach Hause“, sagt Udo Reichle-Röber. Er ist einer der Sozialpädagogen im neuen Team der Diakonie, das sich um die Betreuung von Flüchtlingen kümmert.

Die Ämter Nordstormarn, Bad Oldesloe-Land sowie die Gemeinden Reinfeld, Bad Oldesloe und Ammersbek haben die Diakonie mit der Flüchtlingsarbeit beauftragt. Eine achtköpfige Gruppe aus Pädagogen und Sprach- und Kulturmittlern ist dafür jetzt zuständig. Im Südbereich des Kreises wurde die Awo mit der Flüchtlings-Sozialarbeit beauftragt.

Die Aufgaben beginnen mit dem Empfang der Flüchtlinge quasi am Bahnhof beziehungsweise der Kreisverwaltung. Die Diakonie-Mitarbeiter müssen ihre „Klienten“ dann in die jeweilige Gemeinde bringen, die für die Unterkunft zuständig ist. Erste Frage: „Wo müssen wir direkt eingreifen?“, schildert Sozialpädagogin Jennifer Risch-Kühn: „Ist ein Arztbesuch nötig oder müssen Möbel nachbestellt werden?“ Es geht aber auch darum, Ängste zu nehmen und falsche Erwatungen zu korrigieren. Viele Gesrpäche sind dafür notwendig. Es geht aber auch um ganz praktische Sachen wie Schul- und Kindergartenplätze für die Kinder oder Sprachkurse für die Eltern. Grade Kindergartenplätze sind im Norden des Kreises ein Problem“, sagt Udo Reichle-Röber: „Nicht nur für Flüchtlinge, sondern für alle.“

Zentrale Anlaufstelle für die Betroffenen ist der ehemalige Laden in der Hagenstraße 31. Viel wird aber auch direkt vor Ort erledigt. „Mein Auto ist mein Büro“, sagt Udo Reichle-Röber, der um die mangelnde Mobilität seiner Klienten im Reinfelder Bereich weiß.

Der größte Teil der Flüchtlinge kommt aus Syrien. 348 Betreuungskontakte hat die Diakonie dafür im ersten Quartal des Jahres dokumentiert. Das sind 117 Menschen beziehungsweise Familien. 80 kommen aus Afghanistan, 75 aus dem Irak und 24 aus dem Iran. Entsprechend vielfältig ist auch das Sprachangebot der Sprach- und Kulturmittler– Arabisch, Kurdisch, Farsi, Dari, Patschu ... So können sie als Übersetzer bei Arzt- oder Behördenbesuchen übersetzen oder sich als Muttersprachler auch in die Mentalität ihrer Klienten gut hereinversetzen.

Ein halbes bis anderthalb Jahre dauert es, bis Flüchtlinge „ankommen“, sich heimisch fühlen. „Richtiges Ankommen ist erst möglich, wenn sie wissen, dass die Familie in Sicherheit ist oder kommen kann“, erklärt Teamleiterin Kirstin Schwarz-Klatt. Ein Großteil der Flüchtlinge werde definitiv in Deutschland bleiben – ob es aber unbedingt Stormarn sein wird, sei sehr unterschiedlich. Junge Männer ziehe es eher in Metropolen.

Zurzeit beobachtet die Diakonie steigende Zahlen bei den freiwilligen Rückkehrern. Das habe zum Teil damit zu tun, dass sie erkennen mussten, keine Chance auf eine Aufenthaltsgenehmigung zu haben, da sie aus vermeintlich sicheren Herkunftsländern stammen. Es habe aber auch mit falschen Erwartungen und familiären Tragödien in der Heimat zu tun.

Aktuell kommen nur sehr wenig neue Flüchtlinge an. Ist die Flüchtlings-Sozialarbeit also nur eine kurzfristige Einrichtung? „Deshalb haben wir nur befristete Verträge“, bringt es Reichle-Röber auf eine simple Formel. Doch Chefin Schwarz-Klatt sieht es anders: „Weltweit sind 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Die werden sich einen Weg suchen. Bloß weil jetzt eine Route dicht ist, ist das Problem doch nicht gelöst.“

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