Ahrensburger Kirchenstreit : Die Krise dauert an

Wohin leiten sie die Ahrensburger Gemeinde: Pastroin Angelika Weißmann und Probst Hans Jürgen Buhl führten den Auszug des neuen Beauftragtengremiums aus der Schlosskirche an.
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Wohin leiten sie die Ahrensburger Gemeinde: Pastroin Angelika Weißmann und Probst Hans Jürgen Buhl führten den Auszug des neuen Beauftragtengremiums aus der Schlosskirche an.

Ein umstrittenes Beauftragtengremium soll die Kirchengemeinde befrieden.

shz.de von
25. Januar 2015, 16:29 Uhr

Die Ahrensburger Kirchengemeinde kommt einfach nicht zur Ruhe. Eine Krise reiht sich an die nächste und das Krisenmanagement scheint immer wieder zu versagen. Nachdem der Kirchengemeinderat zurückgetreten war, wurde er jetzt von Propst Hans-Jürgen Buhl entpflichtet und gleichzeitig das von ihm und dem Kirchenkreisrat ausgewählte Beauftragtengremium eingesetzt. Der von manchen befürchtete laute Protest in und vor der Kirche blieb aus, aber es waren kleine Gesten, die deutlich machten, dass die Kirchengemeinde weit von Harmonie entfernt ist.

Nur mit einem Handschlag und knappen Dankesworten wurden die elf erschienenen ehemaligen Gemeinderatsmitglieder in den Bankreihen stehend „entpflichtet“. Zwölf – die Pastoren ausgenommen – weitere ehemalige Mitglieder waren gar nicht erst in die Schlosskirche gekommen. Ein Affront gegenüber Buhl, doch der spielte den stillen Protest runter: „Manche können dann an so einem festgelegten Termin leider nicht dabei sein.“ In der Bankreihe murmelte ein Mitglied „die hatten nur keine Lust auf eine Verabschiedung per feuchtem Händedruck, nachdem sie teilweise fast 20 Jahre dabei waren“

Und so sehr mit den ausgewählten Liedern versucht wurde, Aufbruchsstimmung und Zusammenhalt zu stärken, wenn in fast jedem Lied von Morgenlicht und dem „eins sein“ im Glauben gesungen wurde, war eine Anspannung im Kirchenschiff spürbar. Pastorin Angelika Weißmann blieb bei dem für sie typischen moderaten, freundlichen Ton. Buhl hingegen machte auch in seiner Predigt klar, dass man Kritik und Diskussionen in der protestantischen Kirche zwar akzeptieren müsse, aber immer wieder merkte er an, dass sich auch jeder über seine Position klar sein müsse. „Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist“, zitierte er aus dem Römerbrief des Paulus mit Blick auf die Ahrensburger Gemeinde. Zentrale Aussage am Ende: „Ein jeder und eine jede an seinem oder ihrem Platz“ – darauf basierte schon die Ständegesellschaft des Mittelalters.

Dass das neue Beauftragtengremium nicht demokratisch gewählt, sondern vom Propst eingesetzt wurde, hatte im Vorwege bereits für viel Kritik gesorgt. Immer wieder scheint es so, als würde Buhl in den zahlreichen Krisen zu autoritär vorgehen.

Als er die Mitglieder des Gremiums mit den Worten „von Gott erwählt und beauftragt“ in ihr Amt einführte, spottete ein Gemeindemitglied hörbar. „Ach, der war das?“ Doch solche Kritik wurde von den Sitznachbarn oder der Küsterin in den wenigen Momenten ihres Auftauchens gleich unterbunden.

Dem neuen Gremium, das die Gemeinde nun „befrieden“ soll, bevor reguläre Wahlen angedacht sind, gehören mit Norman Christiansen, Dagmar Henning-Greve, Andrea Obernolte-Greinke, Christian Werner und Ruth Wölber pikanterweise fünf ehemalige und somit zurückgetretene, ehemalige Kirchenvorstandsmitglieder ran. Hinzu kommen Pastorin Ursula Wegmann, Klaus Nikolai, Remmer Koch, Pressesprecher des Kirchenkreises, Dr. Martin Ernst und Jürgen Preine, die alle auch in wichtigen Funktionen im Kreisrat aktiv sind. Zu ihren Vorsitzenden wählte das Gremium bereits Wegmann und Nikolai. 

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