Die Kirche ohne Orgel

<dick>Bei Pastor Erhard Graf </dick>sind die  alten Orgelpfeifen gegen eine Spende erhältlich.  Foto: fsh
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Bei Pastor Erhard Graf sind die alten Orgelpfeifen gegen eine Spende erhältlich. Foto: fsh

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30. Juli 2010, 06:37 Uhr

Hamberge | Die Bausünden der 60er Jahre haben ihre Spuren an der Orgel in der Hamberger Kirche hinterlassen. Genau wie in der Klein Wesenberger Kirche wurde offenbar gepfuscht. "Nach dem damaligen Motto modern, schnell und billig baute man 1959 eine Orgel in Hamberge ein", bedauert der für die beiden Gemeinden zuständige Pastor, Erhard Graf.

Nach einem verheerenden Brand wurden der Dachstuhl und der Kirchturm Opfer der Flammen. Beim Löschen wurde die alte Orgel zerstört. Klang, Qualität und Material der schnell montierten neuen Orgel waren minderwertig, ist der engagierte Pastor überzeugt. Sonst hätte die Orgel länger gehalten, so Graf. Noch nicht einmal 40 Jahre ertönte die Königin der Instrumente, dann fiel sie in den 90er Jahren einem extremen Holzwurmbefall zum Opfer. Nun stehen die Hamberger ohne Orgel da. Das wunderschöne Bauwerk aus dem 13. Jahrhundert ohne sein Meisterstück - unvorstellbar für die Kirchengemeinde.

Die kirchliche Bauaufsicht genehmigte die sofortige Restaurierung der Kirche, um eine weitere Holzwurm-attacke zu verhindern. Denn die Kirche beherbergt Schätze aus dem Lübecker Dom darunter den Taufengel und alte Kronleuchter. Altar und Engel wurden dann auch restauriert. Die Orgel musste laut Vorschrift zwar eingebaut werden. Doch von den vielen Ideen des Kirchenvorstands wurde keine umgesetzt. Man wünschte sich eine große Orgel, doch das Geld reichte leider nicht. Ein ewiges Hin- und Her, dem erst durch den Vertrag mit der Orgelbaufirma Quasthammer aus Bordesholm im Jahre 2008 ein Ende gesetzt wurde. Man entschied sich für das Basismodell. Dafür sind 100 000 Euro eingeplant.

Eigentlich sollte die Orgel bereits im Sommer 2010 fertig sein, doch das Konjunkturpaket II machte den Hambergern einen Strich durch die Rechnung. "Die haustechnische Anlage muss laut gesetzlichen Auflagen im Zuge de Orgeleinbaus auf den aktuellen Stand gebracht werden", erklärt der Pastor. Das heißt: zuerst die veraltetet Heizungsanlage und Elektrik auf Vordermann bringen. Erst dann kann die Orgel eingebaut werden.

Ein weiteres Hindernis stellte sich den Planern in den Weg. Wegen völliger Auslastung fand sich keine von der Landeskirche empfohlene Fachfirma für die Sanierungsarbeiten. Inzwischen wurde die Empfehlung gelockert, so dass Pastor Erhard Graf zuversichtlich ist, dass im September mit den Ausschreibungen der Arbeiten begonnen werden kann. Die genauen Kosten stehen also noch nicht fest. Die Bauarbeiten sollen dann im Frühjahr 2011 beginnen. "Mein Wunsch ist es, dass die neue Orgel im Sommer 2011 erklingen kann", so Graf.

Für den Bau der Orgel wurde ein Festpreis vereinbart. Der Rest muss jedoch auch finanziert werden. "Wir hoffen sehr auf die Mithilfe der Hamberger und Klein Wesenberger", ruft Pastor Graf zu Spenden auf. Viele hätten schon gespendet. 4000 Euro sind im vergangenen Jahr zusammengekommen. Jede Spende für die Orgel ist willkommen. Die alten Orgelpfeifen aus Blech können gegen eine Spende erworben werden. Sie eignen sich zur Gartendekoration.

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