Die Jugend, der Ernst des Lebens und die Leichtigkeit des Seins

Cool und beim Projekt voll bei der Sache:  Stormarner Kids mit  den Berlinern Nick (l.) und Patrick (r. v.) an der Spree.  Fotos: st/vst
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Cool und beim Projekt voll bei der Sache: Stormarner Kids mit den Berlinern Nick (l.) und Patrick (r. v.) an der Spree. Fotos: st/vst

Projekt Pubertät: Bargteheider Heilpraktikerin schuf mit Zwölf- bis 18-Jährigen eine Filmcollage über das Erwachsenwerden

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28. Mai 2011, 10:58 Uhr

Bargteheide | Nicht Fisch, nicht Fleisch - nicht mehr Kind, aber auch nicht Erwachsener und mitten zwischen den Stühlen: Junge Menschen in der Pubertät haben es schwer. Sie werden von Ihresgleichen gemobbt, von Erwachsenen häufig nicht für voll genommen, dafür mit guten Ratschlägen vollgestopft und fühlen sich schlichtweg missverstanden, von der Welt mitunter im Stich gelassen. Was tun? Die Kröten schlucken? Sich dem Schicksal ergeben? "Nein, sagten sich neun junge Stormarner und packten ein außergewöhnliches Projekt an, dass Helga Lütjens, Heilpraktikerin aus Bargteheide, und Johanna Grabowski, Soziologin bei der Treberhilfe in Berlin, initiiert haben.

Aber der Reihe nach: Alles begann mit einer Anfrage. Helga Lütjens wurde vor einem Jahr gebeten, auf einem Kongress einen Vortrag über Pubertät zu halten. Sie winkte dankend ab, "weil mir sofort klar wurde, dass es vermessen ist, 50 Jahre nach dem Ereignis etwas Wahrhaftiges aussagen zu können". Stattdessen reifte in der ehemaligen Lehrerin und Musikschul-Gründerin die Idee, Betroffene - also Jugendliche selbst - zu Wort kommen zu lassen, "die in der heutigen Zeit mit allen Gegebenheiten viel näher am Thema sind".

Sie suchte und fand - auch unter ihren Patienten - junge Stormarner, die bereit waren, ihr Innerstes nach außen zu kehren und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, um für mehr Verständnis bei Erwachsenen zu werben - per Buch und Film. W.U.T. heißt das Projekt Pubertät. "Oh, wie schrecklich!" Mitnichten. Es geht nicht um Wut - vielmehr um Mut, um W. wie Wünsche, U. wie Utopien und T. wie Träume. Es geht um die Sichtweisen von Jugendlichen, ihre Empfindungen, Beweggründe, um die Wahrheit, ohne Kompromisse. "Es gibt weder richtig noch falsch. Alles ist. Wenn wir das akzeptieren, können wir anfangen, miteinander zu reden. Und wir möchten kein ,ja, aber hören und keinen Text über den Ernst des Lebens", heißt es im Vorwort der Zwölf- bis 18-Jährigen. "Was die Zukunft bestimmt, sind unsere Talente. Die sollten wahrgenommen, gefördert und ernst genommen werden."

Ernst genommen wurden die neun Stormarner und die zwei "Street-Runner" aus Berlin, Nick (der Rapper, 18) und Patrick (der Dancer, 19), die Johanna Grabowski mit ins Projekt holte, von der ersten Sekunde an. Die beiden Initiatorinnen traten bewusst in den Hintergrund und ließen die die Jungen und Mädchen machen. Und die spielten mit Begeisterung die Hauptrollen, machten mit der Leichtigkeit des Seins bis auf die Organisation, Planung, Koordination und das Sponsoring alles alleine: dichteten, texten, führten Interviews, drehten Sequenzen, fuhren ein Wochenende nach Berlin und schufen nach sechsmonatiger Arbeit ein authentisches und sehenswertes Zeugnis von Jugendlichen, für Jugendliche - und Erwachsene.

"Aus 72 Stunden gutem Material wurden am Ende 30 Minuten", betont Helga Lütjens und freut sich bereits auf die Vorpremiere. Zu sehen ist der coole Film am 6. Juni ab 18 Uhr in der Hamburger Severin Clinic im Hanseviertel, Große Bleichen 30 (bitte anmelden siehe unten!), und im Rahmen der Stormarner Kindertage am 23. September ab 19 Uhr in der Alten Schule Reinfeld. Eintritt jeweils frei. Schirmherr ist der Kinderschutzbund. Passend zur Film-CD gibt es das umfassende Begleitheft, in dem alle Akteure und Verantwortlichen aufgeführt sind.

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