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Kreis Stormarn : Die Hochburg für die Einbrecher

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

1281 Wohnungseinbrüche und -versuche: In Stormarn war allein die Steigerung größer als die Fallzahl in anderen Kreisen

„Die objektive
Sicherheit ist gut, auch wenn das nicht dem subjektiven Empfinden entspricht.“ So fasst Stormarns Kripo-Chef Hans-Jürgen Köhnke, die Zahlen der Kriminalstatistik 2015 zusammen. Dass Gefühl und Rechenwerk nicht zusammenpassen, liegt an einer einzigen Zahl: 1281 Wohnungseinbrüche und -versuche gab es im vergangenen Jahr in Stormarn, 408 oder 46,7 Prozent mehr als 2014.

Zum Vergleich: In den Kreisen Steinburg und Dithmarschen waren es unter 300 Einbrüche. In Stormarn war schon die Steigerung höher als die Gesamtzahl der Fälle in der Hälfte aller schleswig-holsteinischen Kreise. Besonders betroffen war Ahrensburg. 312 mal, statistisch also fast täglich, gab es einen Einbruch. Das entspricht einer Steigerung um 56 Prozent. In Reinbek, wo es 2014 einen starken Rückgang gegeben hatte, schoss die Zahl von 60 auf 139 nach oben – 132 Prozent. Im Nachbarort Wentorf waren es sogar 244 Prozent. Allerdings ist die Gesamtzahl mit 57 noch überschaubar. In Barsbüttel wurden 58 (7,5 Prozent), in Bargteheide 53 (23 Prozent) Fälle gezählt. Bad Oldesloe war mit einer Beinahe-Verdopplung auf 106 Einbrüche deutlich stärker betroffen.

„Es gibt immer wieder Serien, meist längs der Autobahnen“, sagt Holger Meincke von der Polizeidirektion. Und natürlich gingen die Täter dorthin, „wo etwas zu holen ist.“ Das ist die Metropolregion, und deshalb sind auch die Kreise Pinneberg und Segeberg sowie das zur Direktion gehörende Herzogtum Lauenburg stark betroffen, allerdings nicht so stark wie Stormarn

Es seien vor allem Tätergruppen aus dem Balkan und Osteuropa, „die hier einfliegen, eine Serie hinlegen und wieder verschwinden“, sagt Köhnke. Drei von vier ermittelten Tatverdächtigen bei Wohnungseinbrüchen (73,5 Prozent) waren Ausländer. Die Zahl für das Land Schleswig-Holstein ist mit 33,8 Prozent nicht mal halb so hoch.

Entsprechend gering ist auch die Aufklärungsquote bei Wohnungseinbrüchen: 6,2 Prozent. Dass sie besser als 2014 (fünf Prozent) ist, liegt an der Sonderermittlungsgruppe, die sich nur mit Einbrechern befasst und in 79 Fällen Verdächtige ermittelte, 35 mehr als 2014. „Gegen die Vielzahl der Fälle wir kommen aber nicht an“, so Köhnke.

14 Beamte arbeiten direkt in der Sondergruppe, die für Prävention und Streifenfahrten aufgewandten Stunden entsprechen noch mal 13 Stellen. „Insgesamt ist es ein Erfolg“ urteilt Meincke, „bei dem Anstieg wäre die Quote normalerweise in den Keller gegangen.“ Deshalb werde man 2016 weitermachen, „wir wollen uns aber noch zielgerichteter organisieren“, so der Polizeidirektor.

Für so genannte komplexe Ermittlungsverfahren, was vorher Serien- und Bandenkriminalität hieß, wurden landesweit 27 Stellen „umgesteuert“. Die PD Ratzeburg bekommt vier zusätzliche Stellen, die neue Ermittlungsgruppe wird sieben Köpfe stark sein und sich vor allem um Einbruchskriminalität kümmern.

28 zusätzliche Stellen wurden zudem für die Spurensicherung bewilligt. Bislang soll jede Direktion vier Leute bekommen, was bereits die Polizeigewerkschaft Stormarn-Lauenburg kritisiert hatte. „Wir sind deutlich stärker betroffen als andere“ sagt auch Meincke. Allein die Steigerung der Fallzahlen war in Stormarn größer als die Gesamtzahl der Wohnungseinbrüche in sieben der 13 Kreise. Fast die Hälfte aller Einbrüche in Schleswig-Holstein (43,6 Prozent) wurden in den Hamburg-Randkreisen Pinneberg, Segeberg, Stormarn und Herzogtum Lauenburg registriert, wobei allen 15 Prozent auf Stormarn zurückgehen.

Trotzdem der aktuell hohen Zahlen, es war schon mal schlimmer. In den Jahren von 1992 bis 1994 waren es zwischen 1400 und 1600 Einbrüche im Kreis. Auch damals waren es herumreisende Banden. „Ich will die Sorgen in der Bevölkerung nicht relativieren“, sagt Meincke, „aber die Statistik gibt mir auch die Hoffnung, dass sie Zahlen auch wieder niedriger werden.“

In anderen Kriminalitätsbereichen ist das gelungen. Autodiebstahl ging um fast ein Drittel auf 125 Fälle zurück. Stormarn war mit dem „Fluchtwegen“ A  20 und vor allem A  24 ein Schwerpunktgebiet für Kfz-Diebstahl. „Die besondere Konzeption und das Wissen, das sich die Autobahn-Polizei angeeignet hat, haben ihre Wirkung entfaltet“, sagt Meincke – was aber nicht heiße, dass es nächstes Jahr nicht wieder in die andere Richtung gehen könnte.

Auch bei Körperverletzungen, sexuellem Missbrauch oder Rauschgiftdelikten gab es 2015 leichte Rückgänge, leichte Steigerungen gab es bei Raub und Überfall. Bei den schweren Straftaten sind die Aufklärungsquoten hoch, bis zu 100 Prozent bei Mord und Totschlag.

Statistisch schlägt aber der einfache und schwere Diebstahl zu Buche, der in Stormarn mehr als die Hälfte aller Straftaten (52,6 Prozent) ausmacht. Schleswig-Holstein weit liegt der Anteil nur bei 43,1 Prozent. Ladendiebstahl ist zudem ein Bereich, in dem besonders häufig, in jedem dritten von 674 Fällen, nicht-deutsche Täter ermittelt wurden. Köhnke: „In der Regel fallen die Flüchtlinge nicht auf, und wenn, dann mit kleinen Delikten.“

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