Bargteheide-Land : Die Historie eines Amtes

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Das Amt Bargteheide-Land besteht am 1. April 60 Jahre. Der Geburtstag wird zwar nicht offiziell gefeiert – ist für uns aber Anlass zu einem historischen Überblick.

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31. März 2017, 06:00 Uhr


Zur Vorgeschichte
Von Mai 1888 bis Juli 1948 gehörten die das heutige Amt Bargteheide-Land bildenden Gemeinden – noch ohne Todendorf, aber einschließlich der Gemeinde Bargteheide – einerseits dem Amtsbezirk Bargteheide (Bargteheide, Delingsdorf, Fischbek, Hammoor, Klein Hansdorf, Timmerhorn und Tremsbüttel-Vorwerk), andererseits dem Amtsbezirk Jersbek (Jersbek, Bargfeld-Stegen, Elmenhorst und Nienwohld) an. Erster Amtsvorsteher des Bezirks Bargteheide war Ernst Wuth, der von 1881-1908 auch das Amt des ersten Bargteheider Feuerwehr-Hauptmanns (Wehrführer) ausübte.

Am 1. August 1948 wurden diese elf Gemeinden zum neuen „Amt Bargteheide“ zusammengelegt. Bargteheides Bürgermeister Julius Gerken (1946-1957) wurde zum ehrenamtlichen „Amtmann“ (heute: Amtsvorsteher) gewählt, Jersbeks Bürgermeister Albert Nissen zu seinem Stellvertreter. Beide blieben bis zur Ämter-Umbildung 1957 auf ihren Posten. Mit rund 13  500 Einwohnern war das Amt Bargteheide einer der größten Verwaltungsbezirke in Schleswig-Holstein. Allein Bargteheide hatte mit 6700 Einwohnern seine Einwohnerzahl gegenüber der Vorkriegszeit mehr als verdoppelt.

Sieben Jahre später, am 6. Dezember 1955, beschloss die Bargteheider Gemeindevertretung, aus dem Amt Bargteheide auszutreten und eine amtsfreie Gemeinde unter Leitung eines hauptamtlichen Bürgermeisters zu bilden. Dieser Beschluss erging in der Erkenntnis, dass im Hinblick auf die erheblichen Zukunftsaufgaben für die weitere Ortsentwicklung eine leistungsfähige eigene Verwaltung unter hauptamtlicher Leitung notwendig sei.


1. April 1957
„Ausamtung“ der Gemeinde Bargteheide und Gründung des Amtes Bargteheide-Land: Mit Wirkung vom 1. April des Jahres 1957 wurde dieses Vorhaben umgesetzt.
Bevölkerungskurve
Auch das neu geschaffene „Amt Bargteheide-Land“ befand sich eigenständig schnell auf einem erfolgreichen Weg. Zum Start am 1. April 1957 umfasste diese „Körperschaft des öffentlichen Rechts“ knapp 5800 Einwohner in den verbliebenen zehn Gemeinden. Als Todendorf mit seinen damals 890 Einwohnern (Bürgermeister 1970-1982: Karl-Günter Wasilewski) am 1. April 1974 nach Auflösung des damaligen Amtes Mollhagen als 11. Gemeinde hinzukam, überholte das Amt Bargteheide-Land mit 8700 Einwohnern erstmals einwohnermäßig die junge Stadt Bargteheide, die ihrerseits inzwischen auf 8100 Einwohner angewachsen war.

Zum Jahresbeginn 1978 verringerte sich die Zahl der amtsangehörigen Gemeinden im Zuge der freiwilligen Gemeinde-Neuordnung auf acht (mit seinerzeit 9500 Einwohnern): Fischbek (500 Einw.) wurde Ortsteil von Elmenhorst (1260 Einw.); Klein Hansdorf (250 Einw.) und Timmerhorn (370 Einw.) wurden Ortsteile von Jersbek (700 Einw.). Aktuell weist das Amt insgesamt 14  720 Einwohner auf, wobei insbesondere die Gemeinden Delingsdorf, Elmenhorst und Tremsbüttel infolge mehrerer großer Neubaugebiete seit etlichen Jahren die größten Zuwachsraten zu verzeichnen haben.

Leitende Personen
Als erster Amtsvorsteher des Amtes Bargteheide-Land amtierte der Jersbeker Bürgermeister Albert Nissen von 1957 bis April 1972. Ihm folgten die Bürgermeister von Bargfeld-Stegen (August-Christian Guericke), Jersbek (Dietrich Möller), wiederum Bargfeld-Stegen (Heinz Gerckens) und Hammoor (Helmut Drenkhahn) nach. Sechster Amtsvorsteher ist seit August 2013 Jersbeks Bürgermeister Herbert Sczech (67), der als langjähriger Büroleitender Beamter (Dipl.-Verwaltungswirt und Oberverwaltungsrat) der Bargteheider Stadtverwaltung Ende September altersbedingt aus seinem Hauptberuf ausscheiden wird. Große Kontinuität mit bisher lediglich drei Männern und einer Frau auch auf dem Posten des leitenden Verwaltungsbeamten: Oberamtsrat Hinrich Suhn hatte dieses Amt ein Vierteljahrhundert inne, gefolgt von OAR Burkhard Gilewski und Oberamtsrätin Gudrun Wramp. Seit Januar 2009 leitet Oberverwaltungsrat Bernd Gundlach (48) die derzeit 57-köpfige Amtsverwaltung.
Verwaltungssitz
Die Verwaltung des neu geschaffenen Amtes Bargteheide-Land wurde 1957 zunächst für etwa ein Jahr im „Alten Gemeindehaus“ (seit 1974 Restaurant „Utspann“) in der Hamburger Straße 1 untergebracht. Zeitgleich bezog die Bargteheider Gemeindeverwaltung das neu erworbene Rathaus in der Rathausstraße. 1958 wurde ein großes Wohngebäude in der Baumschulenstraße 22 gekauft, das aber trotz zwischenzeitlicher Erweiterung bald zu klein wurde. Anfang 1969 fasste der Amtsausschuss den „mutigen und zukunftsweisenden Beschluss“ zum Neubau am westlichen Ortsrand von Bargteheide in der Straße Eckhorst 34 direkt neben der seit 1966 bestehenden Dörfergemeinschaftsschule des Schulverbandes Bargteheide-Land (jetzige „Johannes-Gutenberg-Schule“).
Beton-Zweckbau
Anfang Dezember 1971 bezogen die 17 Mitarbeiter der Amtsverwaltung ihr neues, großzügig konzipiertes Domizil. Der etwas eigenwillige Zweckbau mit dem charakteristischen kreisrunden Beton-Sitzungssaal und dem halbrunden Treppenhaus wurde bei der offiziellen Eröffnungsfeier am 24. März 1972 von mehreren Rednern – unter ihnen auch Landrat Dr. Wennemar Haarmann und Bargteheides neuer Bürgermeister Erich Reinke – in höchsten Tönen gelobt als „so weitsichtig, zweckmäßig und hochmodern, dass die Mitarbeiter mancher anderer Dienststellen in Stormarn vor Neid erblassen könnten“.

Die Zahl der Verwaltungs-Mitarbeiter wuchs kontinuierlich: Im April 1982 waren es 31 Bedienstete, aktuell sind es 57 (44 Mitarbeiter in der Kernverwaltung, 13 beim Bauhof). 2000/2001 erfolgte ein großer Erweiterungs-Anbau, der Mitte September 2001 in Betrieb genommen wurde. 2014 wurde der Altbau von 1971 energetisch saniert. Von der Eckhorst aus wird auch die Verwaltungsarbeit für die beiden kommunalen Kitas in Delingsdorf und Tremsbüttel sowie für drei selbständige Körperschaften mit deren eigenen Gremien erledigt: Schulverband Bargteheide-Land (für die „Johannes-Gutenberg-Grundschule“ in Bargteheide und die Grundschule „Alte Alster“ in Bargfeld-Stegen) – mit 16 Beschäftigten und der 19-köpfigen Schulverbandsversammlung unter Leitung des Bargfelder Bürgermeisters Andreas Gerckens – sowie die beiden Wasser- und Bodenverbände Grootbek und Ammersbek-Hunnau.


Aktuelle Vorhaben
Neben vielen Projekten in allen acht Amtsgemeinden befasst sich das Amt Bargteheide-Land derzeit schwerpunktmäßig mit der „Aufrüstung“ des modernen Bauhof-Fuhrparks, mit dem Neubau einer Wohnungsanlage mit 14 Wohneinheiten in Bargfeld-Stegen für Obdachlose und Flüchtlinge und mit der eigenen Trinkwasserversorgung in sechs Amtsgemeinden, hier für einige abgelegene Siedlungsteile in Tremsbüttel. Auch die Unterstützung bei der Breitbandverkabelung gehört dazu. Diese wird im Amtsbereich 2018 mit Nienwohld abgeschlossen. Den vorletzten Abschnitt bilden in diesem Jahr Delingsdorf sowie die Jersbeker Ortsteile Klein Hansdorf und Timmerhorn. Derzeit werden neben Amtsverwaltung und Gutenberg-Schule Container für die Erweiterung des Kita-Hortbetriebs aufgestellt, die bisher von einer Delingsdorfer Kita genutzt worden waren.

Neben den von der Amtsverwaltung betreuten Vorhaben im Wohnungs- und Straßenbau wie auch beim Bau kommunaler Einrichtungen gehört ebenso die vor dem Abschluss stehende komplette Runderneuerung des Fahrzeugparks in allen zehn Amtswehren zum Aufgabenspektrum.


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