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Bad Oldesloe : Die Familie mit den Wasserbüffeln

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Der Oldesloer „Petr-Clan“ ist stolzer Besitzer einer großen Herde. Dank Rauhfutter und Weideschlachtung hat das Fleisch eine besondere Qualität.

shz.de von
erstellt am 28.Okt.2015 | 18:30 Uhr

Majestätisch und edel ist ihre Ausstrahlung, stoisch und freundlich das Gemüt. Und sie strotzen nur so vor Kraft. Ihre imposanten Hörner haben eine große Reichweite und nehmen es ohne weiteres auch mit Baumstämmen auf. Es sieht wirklich urig aus, wenn die kleine Herde schwarzer Wasserbüffel durch die Wökenitzniederung zwischen Bad Oldesloe und Poggensee streift.

Die zotteligen Tiere, die hier das Gras und anderen Bewuchs kurz halten, sind der ganze Stolz von Familie Petr, die mit der Haltung der Tiere absolutes Neuland betrat. Seit zwei Jahren beweidet die kleine Herde von Wasserbüffeln die vernässte Fläche, ein so genanntes Flora- und Fauna-Habitat, das der Stadt und dem Naturschutzbund (Nabu) gehört.
Der Oldesloer Jan-Lukas Petr (22) ist Landwirt, studiert zurzeit Agrarwissenschaften und wollte mal etwas ganz Neues ausprobieren. Da kam ihm die Idee mit den Wasserbüffeln, von der er auch schließlich seinen Vater Alfons überzeugte.

Inzwischen ist die ganze Familie Petr vom „Wasserbüffel-Virus“ infiziert und die Herde wächst beständig. „Rund um Oldesloe gibt es viele vernässte Flächen, die eher monoton und mit viel Schilf bewachsen sind – ideal für die Haltung der Büffel, die dort die Biomasse rausholen“, erzählt Alfons Petr. Diese Kombination von Land- und Fleischwirtschaft sei zudem recht kostengünstig.

„Der Wasserbüffel ist eine eigene Gattung und hat ein ganz besonderes Fleisch“, so der Wirtschaftsingenieur. Der Wasserbüffel (Bubalus arnee) gehört zu den Asiatischen Büffeln und wird auch in Deutschland inzwischen als Landschaftspfleger und Fleischlieferant immer beliebter. Die ersten Tiere besorgten sich Alfons und Jan-Lukas Petr vor drei Jahren von einem Züchter in Niedersachsen. Im vergangenen Jahr wuchs die stattliche Herde um 20 Kälber auf nunmehr 60 Tiere. „Wir machen keinen Mozarella, denn die Milch steht den Kälbern zu“, betont Alfons Petr.

Der größte Teil der Herde steht in der Leezener Au im Kreis Segeberg, eine kleine Jungbullenherde weidet bei Nütschau. In der Wökenitzniederung werden nur Muttertiere gehalten. „Unsere Büffel sind sehr umgänglich. Sie haben auch alle einen Namen, werden jeden Tag besucht und gekrault. Wenn sie gestreichelt werden, bekommen sie manchmal weiche Knie, legen sich hin und strecken alle Viere von sich. Wir gucken, ob es ihnen gut geht. Trotz extensiver Haltung sollen die Tiere nicht scheu werden, sie sind recht neugierig und wachsam“, erklärt der Hobbylandwirt.

Was die Tiere auszeichnet ist, dass sie fast alles fressen, sogar Binsen, Brennesseln und Disteln, also echtes Rauhfutter. Nur Ampfer mögen sie nicht so gerne. Im Winter wird Heu zugefüttert, ein kleiner Holzunterstand schützt vor Kälte. Auch mit der Nässe in den Wiesen kommen die Tiere problemlos klar, denn sie haben größere Hufe als europäische Rinder. Bei einem Gewicht von bis zu 1000 Kilogramm sinken sie aber auch mal ein.

Manchmal stehen sie bis zum Bauch im Wasser oder Matsch. Sie legen sich gerne Suhlen an und jedes Tier hat seine besonderen Futtervorlieben. „Die Tiere haben immer enormen Hunger. Da ist der Flächenbedarf natürlich recht groß“, sagt Alfons Petr, der seine Büffel im Gelände oft erst mal suchen muss, denn wenn sie im hohen Gras liegen, sind nur ihre Hornspitzen zu sehen. Das Heu für die Winterfütterung mäht die Familie Petr selbst, Kraftfutter ist tabu. Das kommt auch dem Fleisch geschmacklich zugute.

Einmal im Monat wird ein Bulle geschlachtet, wenn er etwa drei Jahre alt ist. Die Schlachtung geschieht direkt vor Ort auf der Weide. Zunächst wird das Tier von einem Jäger mit einem Schuss betäubt, dann an Ort und Stelle entblutet, bevor es zum Metzger transportiert wird. „Es ist ein gutes Gefühl zu sehen, dass die Tiere nicht leiden müssen“, sagt Alfons Petr. „Wir geben ihnen viel Zeit zu wachsen. Erst im Alter von neun Monaten kommen sie weg von der Mutter und bilden eine eigene Herde. Wir betreiben einen hohen Aufwand mit den Tieren. Es ist sehr viel Arbeit, um letztlich eine gute Fleischqualität zu bekommen.“

Das fettarme Fleisch hat einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren und schmeckt sehr intensiv. Es hängt drei Wochen lang ab und geht dann in die Direktvermarktung und in die Gastronomie. „Mit der Vermarktung stehen wir noch am Anfang, zurzeit fahren wir mehrgleisig“, so Alfons Petr. Das Fleisch habe mit 30 Euro pro Kilogramm allerdings seinen Preis, das müsse vom Verbraucher erst mal akzeptiert werden. Dafür habe er aber auch was ganz Besonderes auf dem Teller.

 

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