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Stormarner Tageblatt

18. November 2017 | 03:32 Uhr

Bad Oldesloe : Die braune Vergangenheit

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

SPD-Stadtführungen zu markanten Punkten von Bad Oldesloes Nazi-Zeit

„Zu Hitlers Machtergreifung läuteten die Glocken vom Kirchturm“, berichtete Dr. Klaus Klingner bei einer Zeitreise in Oldesloes braune Jahre. Zum Sieg über Polen sogar eine ganze Woche, ergänzte Jürgen Schneider. Später war die Kirche dann Hilfslazarett – als der Krieg nach Deutschland kam. Einer der knapp 30 interessierten Gäste wusste, dass der Posten vor dem „Braunen Haus“ mit „Heil Hitler“ zu begrüßen war.

Die SPD hatte zu einer historischen Stadtführung eingeladen: Bad Oldesloe und seine Nazi-Vergangenheit. Start war vor dem Bürgerhaus, damals noch „Braunes Haus“. Klingner schilderte, wie die Stadt trotz ihrer Finanznot mit 36  000 Reichsmark das Haus für die Kreisleitung der NSDAP einrichtete. Für 10  000 RM bekam auch die Hitlerjugend ein Haus. Der Bürgermeister blieb im Amt und trat – wie ein Bürger ergänzte – in die Partei ein. Dazu kamen weitere Kosten, unter anderem für die Unterbringung von Oldesloer Sozialdemokraten im KZ Kuhlen.

Vor dem Blauen Haus wurde die Führung mit der Erinnerung an Oldesloes große Zeit fortgesetzt, als die Hude im 16. Jahrhundert Umschlagsplatz für den Handel zwischen den Hansestädten Lübeck und Hamburg war. 1933 richtete die SA im Hause ein wildes Gefängnis für Kommunisten aus der Region ein. Sie wurden dort gefoltert und Richard Minkwitz aus Reinfeld sogar ermordet. Eine Gedenktafel erinnert daran.

Mit Blick auf Kirche und Stadtschule waren der Bombenkrieg und die Oldesloer Opfer das Thema. Dazu wussten viele Teilnehmer eigene Erinnerungen einzubringen. Erstaunlich, dass schon bald nach der Machtergreifung mit Luftschutzübungen begonnen wurde. Jürgen Schneider zeigte Fotos aus den dreißiger und vierziger Jahren und hatte Augenzeugenberichte mitgebracht. Daraus wurde von Maria Herrmann vorgetragen. Lars Cornehl las aus einem Kriegstagebuch.

Die Führung endete mit regen Diskussionen. Es wurden Fragen aufgeworfen, was Geschichte lehrt, aber auch über die Rolle der Stadt, die sehr schnell dabei war, die neuen Machthaber zu hofieren. Für Walter Albrecht mündete das in der der Frage, ob man aus der Geschichte gelernt habe.

Auf Anregung von Paul Kulms hat die SPD im jüngsten Sozialausschuss den Antrag gestellt, angesichts einer Stadtgeschichte, die bis weit ins Mittelalter reicht, auch den dunklen Teil der Vergangenheit aufzuzeigen und umfassend zu dokumentieren. Die Verwaltung soll Vorschläge unterbreiten, wie das geschehen könnte und wie Bürger, Einrichtungen und Institutionen daran beteiligt werden könnten.

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