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Bad Oldesloe : „ … die brauchen unsere Hilfe“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Oldesloer Stadtverwaltung informierte über die erwarteten Flüchtlingszahlen und geplante Unterbringungsmöglichkeiten. Dafür gab es reichlich Zuspruch von den Zuhörern. Viele boten sofort Hilfe an.

Hinterher war vielen die Erleichterung anzumerken. Alles gut gelaufen. Flüchtlinge – das Thema kann schnell nach hinten los gehen und in fremdenfeindliche Pöbeleien ausarten. Wie es bei der Informationsveranstaltung der Stadt in der Festhalle werden würde, konnte keiner voraussehen. Die Stormarner Juso hatten vor der Schule einen Stand mit einer kleinen Pinnwand aufgestellt, auf der Wünsche von und für Flüchtlinge befestigt werden konnten. Torben Hermann vom Kreisvorstand berichtete, dass viele Passanten eher achselzuckend bis ablehnend vorbei gegangen seien. Das ließ Befürchtungen aufkommen.

Doch in der Festhalle war davon dann nichts zu spüren. Die Sitzreihen füllten sich restlos, etliche Besucher verfolgten die Redebeiträge im stehen oder setzten sich kurzerhand auf den Boden. Bürgermeister Tassilo von Bary eröffnete die Veranstaltung mit einer emotional-persönlichen Rede. Bereits in den 90er Jahren seien viele Flüchtlinge in seinen Heimatort Travenbrück gekommen. Das Hotel wurde seinerzeit zur Unterkunft umgebaut. „Es gab auch damals viele Ängste und Befürchtungen“, erinnerte von Bary: „Nichts ist passiert, es hat wunderbar geklappt.“ Eine seiner Töchter sei kürzlich angesprochen worden. „‚Du bist doch die Lütte von Bary. Deine Mutter hat uns damals immer Pampers gebracht. Das hat uns sehr geholfen.‘ Mit solchen Gesten schaffen wir Integration!“, machte er deutlich. Da brandete zum ersten Mal Applaus auf.

Der Bürgermeister rechnete vor, dass auch Oldesloe Zuwanderung brauche. Nur 1,2 Prozent der Bevölkerung seien Asylbewerber. „Bad Oldesloe hat nach dem Krieg ganz andere Dinge bewältigt. Da hat sich die Bevölkerungszahl mal eben verdoppelt“, führte er aus: „Die wollen nicht unser Geld abzocken, die brauchen unsere Hilfe.“

Thomas Sobczak ist in der Verwaltung für Leistungen und Wohnraum für Flüchtlinge zuständig. Er erläuterte den Alltag. In Oldesloe habe es schon immer Asylbewerber gegeben. Doch seit Ende Juni habe sich die Situation dramatisch verändert. Vergangenes Jahr kamen 200  000 Flüchtlinge nach Deutschland. Aktuell werde von 800  000 ausgegangen. 3,3 Prozent kommen nach Schleswig-Holstein (27  000). Davon entfallen 8,4 Prozent auf Stormarn. Von diesen 2271 Flüchtlingen, muss die Stadt Bad Oldesloe 10,4 Prozent aufnehmen – 237. Ende Juni kamen die ersten zwölf. „Das wiederholt sich Woche für Woche“, legte der Fachbereichsleiter dar. Mal sind es fünf, mal zehn. Bislang hat die Stadt 81 Flüchtlinge untergebracht – in angemieteten Wohnungen, städtischen Immobilien oder auch einzelnen Hotelzimmern. Thomas Sobczak: „Wir verfolgen nach wie vor erfolgreich das Konzept der dezentralen Unterbringen. Aber jetzt müssen wir uns auf ein anderes Gleis begeben.“ Mindestens 156 Flüchtlinge werden für dieses Jahr noch erwartet. Ganz aktuell sei die Ankündigung gekommen, dass ab Mitte September mit täglichen Zuweisungen gerechnet werden müsse.

Bauamtschef Thilo Scheuber erklärte, wie die Stadt damit umgehen wolle: „Wir haben schlicht nicht mehr die Möglichkeit, Wohnungen anzumieten.“ Als kurzfristige Lösung sei deshalb die Sporthalle der Schule am Kurpark. Maximal 29 Menschen könnten dort untergebracht werden, 15 sind es zurzeit. Dort gebe es eine Küche, Lagermöglichkeiten und Aufenthaltsräume.

Mittelfristig soll das ehemalige Schwesternwohnheim hergerichtet werden. Vorbehaltlich der Zustimmung durch den Kreistag werde es für fünf Jahre von Asklepios gemietet. 80 bis 100 Flüchtlinge könnten dort Platz finden. Bürgermeister von Bary hofft, die ersten noch in diesem Jahr dort unterbringen zu können. Als langfristige Planung will die Stadt Flächen für Wohnbebauung ausweisen. Die Weichen werde der Bauausschuss im Oktober stellen.

Von den Zuhörer kamen viel Zuspruch und Anregungen – Unterstützung von Deutschkursen, Praktika bei Handwerkern oder Sprachpatenschaften.

Cornelia Steiner warf die Frage auf: „Wann hat es angefangen, dass wir Angst vor Neuem haben? Ich hoffe, dass Stammtischgequatsche im Keim erstickt wird.“ Dem widersprach Mohsen Vedadi, Dolmetscher und seit 30 Jahren Migrant: „Angst ist etwas Natürliches und berechtigt. Die dürfen wir nicht ersticken. Wir müssen aufklären.“

 

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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 28.Aug.2015 | 06:00 Uhr

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