Blindgänger in Oldesloe : „Die Bombe spricht mit mir“

Unschädlich gemacht: Kampfmittel-Räumer Heinz Kollath hat die Fünf-Zentner-Bombe entschärft.
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Unschädlich gemacht: Kampfmittel-Räumer Heinz Kollath hat die Fünf-Zentner-Bombe entschärft.

Kampfmittelräumer Heinz Kollath entschärft den Weltkriegs-Blindgänger in Bad Oldesloe. Dafür mussten 2500 Menschen aus einem 500-Meter-Gefahrenbereich evakuiert werden. Das verlief reibungslos.

Andreas Olbertz. von
20. Juni 2014, 06:00 Uhr

Ein lauter Böllerschuss, eine grüne Leuchtrakete – die Bombe ist entschärft. Um 17.04 Uhr ist der Spuk vorbei. Alles ist gut gegangen, alle dürfen wieder in ihre Häuser und Wohnungen zurück, die Straßensperren werden aufgehoben. In den Stoltenrieden kehrt das Leben zurück.

Seit Dienstag herrscht Gewissheit. Was vorher nur einer kleiner Punkt auf einem Luftbild war, entpuppt sich bei Kontrolle vor Ort als fünf Zentner schwerer amerikanischer Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Organisations-Maschinerie läuft am Mittwoch an. „Wir hätten auch Mittwoch schon entschärfen können“, sagt Polizeisprecher Holger Meier: „Aber da musste ja in Kiel ein Blindgänger entschärft werden.

In einem Gefahrenbereich von rund 500 Metern müssen etwa 1100 Haushalte evakuiert werden. Auch das Forsthaus mit seinen 160 Bewohnern muss geräumt werden. Um 11.30 Uhr beginnt der Umzug ins Notquartier. Pflegedienstleiter Khalin Almadi: „Es läuft alles ganz entspannt. Wir hatten ja Zeit, das vorzubereiten.“ Entgegen der ursprünglichen Planung hatte sich Heim-Chef Alfred Anders entschieden, die Bewohner in anderen Gebäuden des Forsthauses unterzubringen. So konnten sie in kleiner Runde mit ihren gewohnten Betreuern zusammen bleiben: Spielen, basteln, Kaffee und Kuchen oder ein kleines Grillfest in der Behindertenwerkstatt. „Gestern geplant, heute umgesetzt, die Mitarbeiter sind exzellent davor“, stellt Anders beim Blick in die Runde zufrieden fest.

Vom Parkplatz am ehemaligen Max Bahr aus wird der Rettungs-Fuhrpark koordiniert. René Sichau und Jonas Achterberg schicken die Wagen zu den Einsätzen.

In der Kurparkschule ist ein Notquartier für all jene eingerichtet, die anderswo keinen Unterschlupf finden. In der Sporthalle haben die Mitglieder der Einheit „Soziale Versorgung und Betreuung“ des ASB zahlreiche Bänke aufgestellt. Kaffee, Kaltgetränke und Obst stehen bereit. Selbst für Kinderbetreuung ist gesorgt. Es kommen aber nur 35 Betroffene. „Wenn es länger dauern sollte, können wir auch noch für Abendbrot sorgen, Liegen aufstellen und Frühstück machen“, versichert Joachim Bartels. Doch so weit kommt es glücklicherweise nicht. Am späten Nachmittag dürfen alle zurück. Die Freiwilligen der Schnell-Einsatz-Gruppe müssen all jene, die sie morgens evakuiert hatten, zurück bringen.

Knapp 45 Minuten dauert die Entschärfung. Kampfmittelräumer Heinz Kollath hat die Bombe unschädlich gemacht. „Ich habe sie schön sauber gemacht und ein bisschen eingesprüht. Die Bombe spricht mit mir. Dann weiß ich wie ich vorzugehen habe“, erklärt er nach dem Einsatz. Von einer einfachen Aufgabe will er in dem Fall nicht sprechen: „Sie war komplikationslos. Man darf nie den Respekt verlieren.“

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