Grossensee : Die Biene und der Raps

Diskussion vor Rapsfeld: (v. li.) Professor Dr. Edmund Maser, Anke Last, Werner Schwarz, Imkermeister Geert Staemmler und Klaus-Dieter Blanck.
1 von 2
Diskussion vor Rapsfeld: (v. li.) Professor Dr. Edmund Maser, Anke Last, Werner Schwarz, Imkermeister Geert Staemmler und Klaus-Dieter Blanck.

Hochkarätige Diskussionsrunde zwischen Bauern und Imkern am Rande eines Rapsfeldes. Mehr gegenseitiges Verständnis ist dringend nötig.

Andreas Olbertz. von
15. Mai 2015, 11:59 Uhr

Was wünschen sich Bauern von Imkern? Und was wünschen sich Imker von Bauern? Zwei Fragen, auf die es in der einfachen Variante eine Antwort gibt: gegenseitiges Verständnis. Ganz so einfach ist es denn doch nicht. Auf Initiative des Bauernverbands Schleswig-Holstein setzten sich Landwirte und Imker zusammen – nicht an einen Tisch, sondern am Rande eines blühenden Rapsfeldes bei Großensee. Überschrieben war das Treffen, an dem auch Schleswig-Holsteins Bauernpräsident Werner Schwarz und Anke Last, Vorsitzende des Imkerverbands für Schleswig-Holstein und Hamburg, teilnahmen mit: „Biene auf Rapsblüte – Ein perfektes Miteinander der Natur.“

Dass es Unstimmigkeiten zwischen Imkern und Landwirten und eine gewisse Unruhe unter den Verbrauchern beim Thema Honig gibt, liegt am Jakobskreuzkraut. Das Kraut ist giftig für Vieh, taucht aber auch im Honig auf. Die enorme Verbreitung geht vor allem von Naturschutz-, Straßenbegleit- und Ausgleichsflächen aus.

„Ein Lebensmittel wie Honig mit besten Imagewerten wird plötzlich mit Gift in Verbindung gebracht“, sagte Klaus-Dieter Blanck, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Ostholstein-Lübeck, „diese Diskussion hat die Imker natürlich getroffen“.

Durch Herbizide werden Unkräuter zurückgedrängt, es gibt kaum noch blühende Wildkräuter auf den Feldern. Eine für Imker eher nachteilige Tatsache, für den Verbraucher von Vorteil. Unkrautsamen im Erntegut können im schlimmsten Fall giftig sein. Allerdings entsteht für die Bienen nach der Rapsblüte eine Lücke im Blütenangebot. Zweiter Punkt: Durch falschen Einsatz von Insektiziden kommt es zu schweren Bienenschäden. Daher gibt es für das Spritzen in blühenden Beständen inzwischen strikte Regeln. Beispiel: Sind Bienenstöcke auf dem Feld verteilt, sollten diese Bereiche ausgespart werden.

Zurück zum Jakobskreuzkraut. „Akute Vergiftungsfälle sind nur in Einzelfällen bekannt“, sagte Professor Dr. Edmund Maser vom Institut für Toxikologie an der Kieler Christian-Albrechts-Universität, verwies aber auch darauf, dass es keine gesetzliche Grenzmengen für PA in Futter- oder Lebensmitteln gebe. Um Bienen nicht zu gefährden und Landwirten die Arbeit zu erleichtern, schlägt Klaus-Dieter Blanck vor, ökologische Ausgleichsflächen für Bienenweide zu nutzen. Allerdings: Diese Flächen dürfen nur bis zum 1. April bestellt werden, für die Ansaat von attraktiven Bienenweiden viel zu früh.

Ein Schritt für ein gutes Miteinander wären nicht nur regelmäßige gegenseitige Informationen, „Landwirte könnten sich zum Beispiel bei Imkertreffen informieren“, schlägt Blanck vor, „vielleicht bewegen Sommer-Trachtloch und Jakobskreuzkraut hier etwas Positives.“

In Schleswig-Holstein wird mehr als die Hälfte des Honigs über die Rapsblüte gewonnen, der auf rund 100  000 Hektar angebaut wird. Rund 3000 Imker mit 21  000 Völkern gibt es im Land, ein Volk hat 30  000 bis 50  000 Bienen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen