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Stormarner Tageblatt

18. Dezember 2017 | 15:57 Uhr

Die Bekenntnisse eines Läufers

vom

Pilgertour über 1095 Kilometer in 21 Tagen von Klein Wesenberg bei Lübeck nach Wittenberg über Worms und Eisenach

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erstellt am 22.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Klein Wesenberg | Der Autor Klaus-Rainer Martin, Jahrgang 1938, ist seit vier Jahrzehnten passionierter Leistungswanderer und Langstreckenläufer (Marathon, 100 Kilometer und mehr). Dabei stand er noch nie auf einem Siegertreppchen, sondern war immer nur mit viel, viel Begeisterung dabei.

In seinem Buch "Expeditionen an die Grenzen des Ichs" (Er- und Bekenntnisse eines mittelmäßigen Langstreckenläufers) beschreibt er, wie er als knapp 40-Jähriger zu dieser Extremsportart kam und was sich bei großen Veranstaltungen so im hin teren Mittelfeld abspielt.

Dabei schildert er seine Erlebnisse bei Läufen, die nicht mehr stattfinden, wie etwa den 100-km-Lauf von Liberec im Isergebirge in der ehemaligen Tschechoslowakei, den 100-km-Lauf von Unna in Westfalen, die 100 Kilometer lange "Bahndamm-Latsche" durch Mecklenburg und Brandenburg oder den Bremer Marathonlauf.

Der passionierte Läufer teilt seine Eindrücke mit von legendären Läufen wie den 100-km-Lauf von Biel in der Schweiz, die Marathonläufe in Berlin und Hamburg oder den 76 Kilometer langen Rennsteiglauf im Thüringer Wald, der zu DDR-Zeiten für "das kapitalistische Ausland" und damit auch für bundesdeutsche Läufer ohne Spitzenzeiten oder Beziehungen unerreichbar war. Er beschreibt Läufe, die erst nach dem Fall von Mauer und Stacheldraht wieder möglich wurden, wie den seit 1990 am ersten Advent stattfindenden Lauf auf schleswig-holsteinischem und mecklenburgischem Gebiet rund um den Ratzeburger See oder den IIsenburger Brockenlauf.

Sein Tagebuch, das er während des Deutschlandlaufes 1987 über 1 055 Kilometer in 20 Tagen von Timmendorfer Strand an der Ostsee bis nach Mittenwald in den Alpen führte, vermittelt Einblicke in eine außergewöhnliche Laufveranstaltung.

Schließlich schildert der Autor, wie er stets versuchte, seine beruflichen Verpflichtungen als Sozial- und Heilpädagoge mit seinem Hobby in Einklang zu bringen, wie es ihm zum Beispiel gelungen ist, einen jugendlichen Autisten so zu trainieren, dass sie gemeinsam einen Marathonlauf bestritten.

In einem zweiten Tagebuch schildert Martin die ungewöhnliche Pilgertour über 1095 Kilometer in 21 Tagen von Klein Wesenberg bei Lübeck nach Wittenberg über Worms und Eisenach.

Am Ende gibt der Autor Einblicke in die notwendig gewordene Umstellung aufs Walken nach einem erblich bedingten Herzinfarkt. Und er schildert seine Eindrücke vom Alb-Donau-Walking-Marathon, den er am 3. Oktober 2012 mitgegangen ist.

Alles in allem will das Buch weder eine Trainingslehre noch eine Ernährungsfibel für den Langstreckenlauf sein. Vielmehr werden Erlebnisse geschildert, die Mut machen sollen, seinen Beinen etwas zuzutrauen, ohne gleich nach einer Siegestrophäe zu schielen, sondern nur, um sich damit ein wenig mehr an Lebensqualität zu erlaufen.

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