zur Navigation springen

Bargteheide : Die Anklage lautet: heimtückischer Mord

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Prozessauftakt: Sven S. (35) muss sich für die tödlichen Schüsse auf seine Ex-Freundin verantworten.

Prozessbeginn im Schwurgericht Lübeck: Auf der Anklagebank sitzt Sven S.: Kahlgeschorener Kopf, Drei-Tage-Bart, Turnschuhe und Sweatshirt – ein eher unauffälliger, klein gewachsener Mann, der in Handschellen vorgeführt wird und sich anschließend ruhig im Gerichtssaal umschaut. Er will sich erst am zweiten Prozesstag zu seiner Tat äußern.

Dem mehrfach wegen häuslicher Gewalt und anderer Delikte vorbestraften 35-Jährigen wird vorgeworfen, seine ehemalige Freundin Svea T. heimtückisch ermordet zu haben.

Die Tat, die am 12. August letzten Jahres in der Wohnung des Angeklagten in einem Mehrfamilienhaus an der Alten Landstraße in Bargteheide geschah, hatte für großes öffentliches Aufsehen und starke Anteilnahme gesorgt. Das Opfer arbeitete im Restaurant des Erdbeerhofs Glantz in Delingsdorf, war nicht nur bei den Gästen sehr beliebt, begeisterte sich für den Reitsport und besaß ein eigenes Pferd gleich nebenan. Warum Sven S. seine Freundin mit drei Schüssen niederstreckte, dann selbst den Notruf wählte und anschließend flüchtete, und woher er die Waffe hatte, für die er keinen Besitzschein besaß, sind Fragen, die das Gericht jetzt klären muss.

Nach den tödlichen Schüssen hatte sich Sven S. in einem Lieferwagen auf einem Campingplatz im acht Kilometer entfernten Ammersbek versteckt, wo ihn das SEK 22 Stunden später im Schlaf überraschte und festnahm. Seitdem sitzt der 35-Jährige in Untersuchungshaft.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, aus niederen Beweggründen und heimtückisch gehandelt zu haben – beides Merkmale für einen Mord. Er soll seine Ex-Freundin unter Vorspielung, dass er sich im Italienurlaub befände, gebeten haben, Lebensmittel in seine Wohnung zu bringen. Arglos habe Svea T. mit einem Zweitschlüssel aufgeschlossen und wurde dort von Sven S. überrascht.

Warum sich das Opfer, das sich bereits ein halbes Jahr vorher wegen häuslicher Gewalt von ihrem Freund trennte und sogar einen richterlichen Beschluss erwirkte, trotzdem überreden ließ, ihm behilflich zu sein, muss das Gericht ebenfalls im Laufe der Verhandlung klären. Hatte Svea T. Angst vor ihm und seinen unkontrollierten Reaktionen und traute sich deshalb nicht, den Kontakt endgültig abzubrechen? Hatte sie die Befürchtung, dass auch ihre Eltern bedroht werden könnten?

Der ehemalige Gerüstbauer und Bodybuilder zeigte sich von der einstweiligen Verfügung gegen ihn nicht beeindruckt. Hunderte WhatsApp-Nachrichten haben Sachverständige ausgewertet, um Licht in das Dunkel der Beziehung zu bringen. Der Angeklagte jedenfalls sei nicht bereit gewesen, die Trennung nach vier Jahren Beziehung zu akzeptieren, habe der jungen Frau immer wieder nachgestellt.

Staatsanwalt Niels-Broder Greve sprach am ersten Verhandlungstag, der nach 15 Minuten schon beendet war, von „selbstsüchtigen Motiven“. Die Eltern des Opfers treten im Prozess als Nebenkläger auf. Es sind elf Verhandlungstage mit der Anhörung von 41 Zeugen anberaumt. Der zweite Prozesstag wurde vom Vorsitzenden Richter Christian Singelmann für den 3. März um 13 Uhr festgesetzt.

zur Startseite

von
erstellt am 11.Feb.2017 | 08:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen