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Stormarner Tageblatt

20. August 2017 | 08:31 Uhr

Bad Oldesloe : Die Angst vor Storch & Co.

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Beim Kreisbauerntag ging es um Gesetze, Verordnungen und was die Politik noch alles vorhat.

„Schöne neue Welt!? Von welcher Landwirtschaft träumt Politik?“ – auf diese Frage hätten die Landwirte auf dem Kreisbauerntag gerne Antworten gehört. Auf dem Podium hatten es die Oppositionsparteien schon naturgemäß leichter, klare Antworten zu geben: Sie mussten sich nicht am Regierungshandeln der letzten Jahre messen lassen. Zudem sind CDU und FDP den Bauern grundsätzlich näher, und die Vertreter von SPD, Grünen und SSW wollten es sich nicht unnötig mit möglichen Wählern verderben. Wobei das für Bernd Voß (Grüne) nur bedingt galt.

Obwohl der Diplom-Ingenieur für Landbau selbstständiger Landwirt mit einem Milchviehbetrieb in Nortorf bei Wilster ist, lagen er und die Stormarner Bauern weit auseinander. „Sie haben sich am deutlichsten positioniert – die Grünen werden ohnehin nicht von Bauern gewählt“, so Werner Schwarz. Der Landesvorsitzende des Bauernverbands sollte die Talk-Runde zusammenfassen, und Voß’ Aussagen zur Vogelgrippe trieben ihn besonders um. Der Sprecher der Grünen Bundes- und Landesarbeitsgemeinschaften hatte nebulös formuliert, dass man bei den Ergebnissen und den staatlichen Forschungsinstituten ganz hinschauen müsse. „Heißt das, dass die Politik die selbst geschaffenen Einrichtungen nicht mehr anerkennt“, fragte Schwarz.

Auch beim Thema Glyphosat war Voß zunächst unverbindlich geblieben. Erst auf Nachfrage von Moderator Sönke Hauschild vom Landesbauernverband sagte er: „An das Thema müssen wir ran. Ich rechne mit einer massiven Einschränkung.“

Kirsten Eickhoff-Weber hatte es in dem Punkt etwas einfacher, steht doch ein Verbot von Glyphosat im SPD-Programm. Weniger klar war die Position der agrarpolitischen Sprecherin beim Jakobskreuzkraut, dessen Giftigkeit im Gegensatz zum Glyphosat bereits bewiesen ist: Man werde eine Lösung finden zwischen wachsen lassen und bekämpfen.

Das wäre durch das Mähen vor der Blüte bereits heute kein Problem, „alles andere sind Ausreden“, sagte Heiner Rickers. Der agrarpolitische Sprecher der CDU-Fraktion hatte deutlich mehr Berührungspunkte mit der FDP, auch wenn er deren reine Marktorientierung nicht teilt: „Wir müssen Rahmenbedingungen setzen. Wenn andere es tun, wird es deutlich schmerzhafter für uns.“

Im Raum stehen da neben einem Gylphosat-Verbot eine verschärfte Düngeverordnung oder eine Pflanzenschutzsteuer. Alles Ideen, die Rickers und Oliver Kumbartzky (FDP) komplett ablehnen. Politik sollte sich nicht als Erziehungsberechtigter verstehen, sondern als Problemlöser, so Oliver Kumbartzky.

Eher mehr als weniger Staat möchten Kirsten Eickhoff-Weber und Bernd Voß. Flemming Meyer von der SSW nahm nicht nur in diesem Punkt am liebsten eine Sowohl-als-auch–Haltung ein: Verordnungen solle man nur erlassen, wenn es anders nicht funktioniert. Dass er eine regionale Produktion und Vermarktung bevorzugt, aber eine klare Aussage zur dänischen Schweineexport-Quote von 600 Prozent verweigerte, wollte Schwarz ihm nicht durchgehen lassen.

Parteiübergreifende Gemeinsamkeiten gab es in der Diskussionsrunde allerdings auch. Alle betonten, dass Ausbildung und Forschung wichtig seien. Das nahm ihnen das Publikum ab. Dass sich auch (fast) alle für eine Entbürokratisierung einsetzten wollten, nahm ihnen der Saal aber nicht mehr ab.

„Wir erleben das Gegenteil“, so Friedrich Klose, stellv. Kreisvorsitzender des Bauernverbands. Durch immer mehr Gesetze, Verordnungen und Bestimmungen hätten Landwirte mittlerweile Angst, wenn der Storch brütet oder der Kranich zu nahe kommt: „Jede Reaktion erzeugt eine Gegenreaktion, und das Ergebnis ist nicht immer gut für die Natur.“

Kreisvorsitzender Hans-Joachim Wendt hatte zu Beginn ebenfalls das Thema Bürokratie sowie die Flächenkonkurrenz angesprochen. Der wichtigste Produktionsfaktor der Stormarner Bauern, der Boden, werde durch Ausgleichsflächen, Wohn- und Gewerbegebiete immer knapper.

Landrat Henning Görtz kennt das Thema bereits als Landwirtssohn sowie als Bargteheider Bürgermeister. So hatte er bei seiner Antrittsrede bei 70. Stormarner Kreisbauerntag auch kein Problem, die Erwartungen zu erfüllen. „Der neue Landrat hat genauso wie sein Vorgänger ein offenes Ohr für Landwirte“, stellte Wendt fest. Vorgänger Klaus Plöger hatte die Landwirte im vergangenen Jahr zum Dauer-Ehrengast des Kreisbauerntags gemacht. Reden durfte er aber nicht mehr.

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erstellt am 15.Feb.2017 | 06:00 Uhr

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