Die älteste Orgel geht auf Reisen

Möllns Bürgermeister Jan Wiegels und Orgelbauer Erik Winkel mit der ersten ausgebauten Orgelpfeife.
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Möllns Bürgermeister Jan Wiegels und Orgelbauer Erik Winkel mit der ersten ausgebauten Orgelpfeife.

Möllner Orgelpfeifen gehören zu den ältesten in Deutschland und werden in den Niederlanden bis 2021 restauriert

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26. September 2018, 14:29 Uhr

Der Ausbau der berühmten Scherer-Bünting-Orgel der Möllner St. Nicolai-Kirche hat begonnen. Das Instrument mit Pfeifen, die zu den ältesten in Deutschland gehören, soll in den Niederlanden aufwändig restauriert werden, so dass es im Frühjahr 2021 wieder in St. Nicolai erklingen kann. Die Pfeifen und weitere Teile der Orgel werden in die Werkstatt des renommierten Unternehmens „Flentrop Orgelbouw B.V.“ in Zaandam transportiert. Der Ausbau dauert etwa vier Wochen.

Rund zweieinhalb Jahre muss die Kirchengemeinde nun ohne ihre Orgel auskommen. „In dieser Zeit werden wir unsere Gottesdienste so gut es geht mit anderen Instrumenten, so der Truhenorgel oder dem E-Piano begleiten. Die Lücke auf der Empore wird uns daran erinnern, dass nicht nur baulich noch einiges vor ihrer Rückkehr zu tun ist, sondern wir auch noch Hilfe von weiteren privaten Stiftungen und Personen benötigen, um die Finanzlücke von 250 000 Euro zu schließen“, sagt Pastor Matthias Lage. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 1,7 Millionen Euro.

Bei der Möllner Scherer-Bünting-Orgel handelt es sich um eine der wertvollsten Orgeln mit Pfeifen, die sogar zu den ältesten weltweit gehören. Manche der 2731 Pfeifen stammen aus dem frühen 15. Jahrhundert, der älteste Beleg ist ein Schriftstück aus dem Jahr 1436. Seitdem wurden diverse Erweiterungen, Umbauten und Restaurierungen vorgenommen, die wichtigsten im Zeitraum 1555 bis 1558 durch Jacob Scherer und von 1754 bis 1766 durch Christoph Julius Bünting. Von Jacob Scherer, dem Stammvater der gleichnamigen Orgelbauerdynastie, verfügt Mölln über mehrere fast komplette Register – das ist weltweit einzigartig. „Mich persönlich begeistert die enorme Klangvielfalt dieser Orgel, in der so viele musikalische Epochen harmonisch zusammenklingen.“, sagt Hartmut Ledeboer, Vorsitzender des Möllner-Orgelbauvereins.

In der Scherer-Bünting-Orgel findet sich eine enorme Vielfalt an Orgel-Epochen. Denn mit Hans Köster (1568) und Friedrich Stellwagen (1637–1641) haben weitere berühmte Orgelbauer in Mölln gewirkt und Pfeifen hinterlassen. Von C.J. Bünting stammt der prachtvolle Prospekt. Die Vielfalt der Epochen, die dieses Instrument vereint, ist herausragend und steht somit beispielhaft für die lange Tradition des Orgelbaus in Deutschland, der 2017 in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes der Unesco aufgenommen worden ist.

Ziel der Restaurierung ist eine handwerklich meisterhafte Ausführung in Anlehnung an das historische Konzept C. J. Büntings. Mit der Firma Flentrop konnte eine traditionsreiche Orgelbaufirma verpflichtet werden, die weltweit Orgeln baut und Erfahrung in der Restaurierung norddeutscher Barockorgeln mitbringt – so die Überarbeitung der großen Orgel an St. Jakobi in Lübeck (2013) und der Neubau der „Orgel für Bach“ in der Katharinenkirche in Hamburg (2009-2013).

Für Kirchengemeinde und Orgelbauverein ist die Finanzierung des Projekts, für das 1,7 Millionen veranschlagt werden, eine große Herausforderung. Zu der bereits mit rund 85 Prozent aus privaten, kirchlichen und öffentlichen Mitteln gesicherten Finanzierung werden noch weitere private Stiftungen und Personen gebeten, beizutragen.

Das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein bereits mit 300 000 Euro tätigt, die Stadt Mölln hat 100000 Euro in Aussicht gestellt. Der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg beteiligt sich mit mehr als 150 000 Euro. Zurzeit laufen Anträge auf Förderung durch denkmalfördernde Stiftungen, um die Finanzziwerungslücke hzu schließen.

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