Bad Oldesloe : DGB: Alleinerziehende sollen qualifiziert werden

Zuständig für die Arbeitsmarktpolitik: Andreas Guhr.
Zuständig für die Arbeitsmarktpolitik: Andreas Guhr.

Andreas Guhr: „Ein Schul- bzw. Berufsabschluss ist das A und O am Arbeitsmarkt“.

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30. November 2018, 14:04 Uhr

Über 40 Prozent der Alleinerziehenden in Schleswig-Holstein sind auf Hartz IV angewiesen. Das ist deutlich mehr, als in jeder anderen Familienform. Alleinerziehende im Kreis Stormarn verfügen im Schnitt seltener über eine berufliche Ausbildung als andere Hartz-IV-Bezieher. Zirka 49 Alleinerziehende in Hartz IV hatten im März 2018 keinen Schulabschluss (10 Prozent), etwa 180 keinen Berufsabschluss (knapp 12 Prozent).

Der stellvertretene Stormarner DGB-Kreisverbandschef und Zuständige für Arbeitsmarktpolitik, Andreas Guhr, fordert deshalb einen verstärkten Einsatz für die Qualifizierung von Alleinerziehenden durch die Jobcenter: „Ein Schul- bzw. Berufsabschluss ist das A und O am Arbeitsmarkt. Wenn Kinder während der schulischen Ausbildung oder auch kurz vor der Berufsausbildung geboren werden, führt diese Situation – erst recht wenn keine familiäre Unterstützung vorhanden ist – dazu, dass die Ausbildung abgebrochen wird, schließlich hat das Neugeborene Priorität. Das kennen wir alle selbst. Deshalb brauchen arbeitslose Alleinerziehende mehr Unterstützung – egal, ob sie ihren Schulabschluss nachholen, eine Ausbildung machen oder sich beruflich weiterbilden wollen“, so Guhr.

Vor allem müssten die finanziellen Rahmenbedingungen während der Weiterbildung verbessert werden. „Wir brauchen einen Zuschlag auf Arbeitslosengeld oder Hartz IV, wenn eine Weiterbildung gemacht wird, damit sich der Abschluss der Weiterbildung mehr lohnt als ein kurzfristiger Job im Niedriglohnbereich. Das könnte politisch auch sehr schnell beschlossen werden, wenn der Zuschlag noch ins laufende Gesetzgebungsverfahren zum Qualifizierungschancengesetz aufgenommen wird. Auch die Anrechnungsbefreiung des Kindergeldes auf ALG II Leistungen sollte in dem Zusammenhang gefordert werden“, meint Guhr. Die Praxis zeige auch, dass Teilzeit-Ausbildungen am besten geeignet sind, um berufliche Fortschritte und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bekommen. Arbeitsagenturen und Jobcenter hätten das erkannt.

Der Ausbau der Kinderbetreuung müsse im Kreis Stormarn weiter vorangebracht werden. Derzeit liege die Betreuungsquote für unter Dreijährige in Stormarn mit gut 33 Prozent knapp über dem schleswig-holsteinischen und vier Prozent über dem westdeutschen Durchschnitt. Die Bundesländer Brandenburg und Sachsen-Anhalt haben eine Betreuungsquote von je knapp 57 Prozent (Stand März 2017). „Gerade für Alleinerziehende ist eine bedarfsdeckende Kinderbetreuung wichtig, damit sie Berufstätigkeit und Familie tatsächlich vereinbaren können“, so Guhr.

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