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Bad Oldesloe : Deutsch lernen mit Herz und Hand

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

DaZ-Unterricht an den Beruflichen Schulen in Bad Oldesloe funktioniert über Bilder und das Arbeiten in der Werkstatt.

Mortezza Nadjceti, Mahdi Karimi und Jan Yousef Hashem kamen im Januar 2012 an die Berufliche Schule. Sie waren vor dem Bürgerkrieg in Afghanistan geflohen, allein oder mit der Familie, und landeten mehr oder weniger zufällig in Stormarn. Durch den DaZ-Unterricht bekamen sie die Chance, Deutsch zu lernen. Und sie lernten schnell. Als sie in die Berufsschulklasse kamen, konnten die anderen sie kaum verstehen, „jetzt ist ihr Deutsch der Hammer“, sagt Marvin Schulz. „Und in Grammatik sind sie besser als wir“, wundert sich Celina Forteschi.

Gelernt wird die deutsche Sprache an der Berufsschule mit Herz und Hand. Christina Gütte hat für den Unterricht selbst Kärtchen angefertigt, auf denen Hammer, Feile, Bügelsäge, Messschieber zu sehen sind. Die Schüler müssen Bild und Wörter zuordnen und das geschriebene Wort. Im zweiten Schritt werden Sätze gebildet und Tätigkeiten beschrieben. Nicht nur mit den Memorykarten, sondern auch ganz praktisch in der Werkstatt, weil man so besser lernt. Der Pädagoge spricht von Hand-Kopf-Koordination, taktiler und kinästhetischer Wahrnehmung, wobei der Lernerfolg bei zusätzlicher Versprachlichung besonders groß sei.

Fachlehrer Michael Hartig kann es auch anders auf den Punkt bringen: „Wenn sie 50 mal den Hammer geholt haben, sitzt das.“ Anas und Adnan aus Syrien sind Schüler, wie sie sich alle Pädagogen wünschen. „Sie sind fleißig , konzentriert und wollen was lernen.“ Von den zwölf in ihrer DaZ-Klasse wollen acht weitermachen.

Mortezza Nadjceti, Mahdi Karimi und Jan Yousef Hashem sind über diese Phase schon hinaus. Alle drei haben den Hauptschulabschluss, werden im Sommer die Mittlere Reife ablegen und wollen dann das Abitur machen. Jan Yousef Hashem ist Klassenbester, sogar in Deutsch. „Ich mag es, Freunde zu haben. Dafür muss man sich unterhalten können“, hat der 19-Jährige eine einfache Erklärung für seinen Fleiß. In dem ihm die anderen beiden kaum nachstehen. „Alle drei sind sehr fleißig“, sagt ihre Deutsch-Lehrerin Birgit Kähler, „es ist eine unglaubliche Leistung, eine fremde Sprache in so kurzer Zeit zu lernen.“

„Man weiß es vielleicht zu schätzen, dass man hier etwas lernen kann“, sagt ihre Mitschülerin Melanie Lehmann. Nicht nur die Neuen haben sich gut integriert, „das ist auch eine sehr gute Klasse. Da ist immer einer für den anderen da“, sind sich die drei einig.

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