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Stormarner Tageblatt

24. Oktober 2017 | 04:20 Uhr

Deutsch – ihre Zweitsprache

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Erfolgreiches Projekt an Schloss-Grundschule und Gemeinschaftsschule am Heimgarten in Ahrensburg

Die Welle von Flüchtlingen stellt auch die Schulen vor große Probleme. Darüber informierten sich Marlis Tepe, Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), und Landesvorsitzender Matthias Heidn. Ihr Interesse gilt den Projekten „Deutsch als Zweitsprache“ (DAZ) an der Schloss-Grundschule und der Gemeinschaftsschule am Heimgarten.

Vor welchen Herausforderungen die Schulen damit stehen, erklärt Heike Werner von der Gemeinschaftsschule: „Zu Schuljahresbeginn hatten wir 30 Kinder, jetzt sind es 55.“ Einige seien gerade drei Wochen hier und könnten gerade einmal ihren Namen schreiben. Neun Muttersprachen seien vertreten. Nach einem halben Jahr aber würden die Fortschritte der Kinder deutlich.

Beide Schulen leisten den DAZ-Unterricht für die Region. Hierher kommen auch Flüchtlingskinder von Schulen in Bargteheide und Großhansdorf. Die Gemeinschaftsschule unterrichtet ab Klasse fünf, die Grundschule für den Elementarbereich. Je vier DAZ-Zentren dieser Art gibt es in Stormarn.

Wie aufgeweckt und wissbegierig sie lernen, wird im Unterricht von Adelheid Mügge deutlich. Auch Heike Werner lobt den Lernwillen: „Andere Kinder sind froh, wenn die Schule vorbei ist. Die Flüchtlingskinder sind traurig, wenn sie endet.“ Die Gemeinschaftsschule sei inzwischen relativ gut ausgestattet: „Wir haben im neuen Schulhalbjahr drei neue und qualifizierte Kollegen bekommen.“ Im DAZ-Zentrum Heimgarten arbeiteten jetzt sechs Pädagogen, zwei ausschließlich und vier zum großen Teil.

An der Schlossschule wollen die Lehrer die Qualität der Nachmittagsbetreuung erhalten. „Es fehlen besonders Erzieher oder Sozialpädagogen für die traumatisierten Kinder“, so eine Pädagogin. Viele Eltern seien auch Analphabeten und könnten ihre Kinder zu Hause nicht unterstützen. Im Arabischen gebe es ein ganz anderes Laute-System ohne den Buchstaben „h“. „Auch deshalb fällt den Kindern das Lesen lernen schwer.“ Die Kinder würden wesentlich schneller lernen, wenn sie mehr deutsche Sprache hörten.

In der Hortbetreuung sei die Kapazitätsgrenze erreicht, so Bürgermeister Michael Sarach: „Die Nachfrage ist rasant gestiegen.“ Auch pädagogische Fachkräfte dafür seien kaum noch zu finden. Ein sehr aktiver Verein fange vieles auf, „aber das ist nur die Spitze des Eisbergs“. Die Städte könnten sich die Schul-Sozialarbeit kaum noch leisten.

Hinzu kämen noch die Kinder besonderem Förderbedarf, so Schulleiter Jens Lehmann. „Auch im Ausbildungsbereich für Lehrer muss stark nachgebessert werden. DAZ muss ein reguläres Ausbildungsfach werden.“ Bisher müsse ein Lehrer erst eine entsprechende Stelle nachweisen, bevor eine Fortbildung genehmigt werde. „Niemand hat vor zehn Jahren mit dieser Entwicklung gerechnet“, sagt Adelheid Mügge: „Wir müssen auf den gestiegenen Bedarf reagieren.“

Auf der Entscheidungsebene aber tue sich bisher nichts, so Corinna Opitz. „Der Leitfaden für DAZ ist uralt.“ Es gebe auch noch keine Richtlinie, welche Kinder ein Recht auf Aufbaukurse hätten. Auch ein tragfähiges Konzept des Bildungsministeriums fehle noch, kritisiert Matthias Heidn von der GEW. Land und Kommunen müssten es gemeinsam entwickeln. Zudem müsse auch in Bargteheide ein weiteres DAZ-Zentrum aufgebaut werden: „Denn die Nachfrage hat sich verdreifacht.“





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