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Stormarner Tageblatt

25. September 2017 | 18:47 Uhr

Bad Oldesloe : Des Teufels fette Beute

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Zwei Schwestern aus Wolkenwehe packen’s an: Von der Schnapsidee zur rollenden Küche mit Qualitätsanspruch. Beim Stadtfest haben sie Heimspiel.

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erstellt am 18.Mai.2016 | 06:00 Uhr

Der Nachbar kommt rüber und fragt: „Braucht ihr Hack? Ich könnte eine Kuh schlachten“ – so mögen es Steffi und Jacqueline Dietz. Die beiden jungen Oldesloerinnen betreiben einen „Foodtruck“ – die neumodische Bezeichnung für einen Imbisswagen. Wobei es beides nicht sonderlich trifft, denn der liebevoll gestaltete Wagen mit dem Namen „Des Teufels fette Beute“ hat nichts von einem Truck und fettiges Imbiss-Essen wird dort schon gar nicht serviert. Das Ganze ist aus einer Schnaps-Idee heraus entstanden. Aber warum soll man damit keinen Erfolg haben? Die beiden saßen im Urlaub zusammen und haben bei einer Flasche Wein rumgeflachst, wie schön es wäre, ein Bistro zu betreiben – gemeinsam. Ob es überhaupt zusammen gehen würde, schließlich haben sie sich, wie andere Geschwister, die nur wenige Jahre trennen, immer mal wieder „übelst in die Haare bekommen“. Aber inzwischen sind sie beste Freundinnen und die Zusammenarbeit klappt hervorragend.

Dass aus dem Bistro letztlich ein Foodtruck wurde, hängt mit dem Kommunikationsdesign-Studium von Jacqueline Dietz zusammen. Für ihre Abschlussarbeit hatte sie sich vorgenommen, ein Konzept zu erstellen, wie Menschen dazu gebracht werden können, sich besser zu ernähren. Statt es nur bei einer theoretischen Abhandlung zu belassen, wurde das Konzept und der Designentwurf von den beiden Schwestern tatsächlich umgesetzt.

Über eine Crowd-Funding-Kampagne kamen 4000 Euro zusammen. Im Januar 2015 wurde mit dem Ausbau des Wagens begonnen. Der Anhänger hat schon eine bewegte Geschichte hinter sich, war mal als Bäckerei-Verkaufswagen gebaut worden, beherbergte einen Döner-Bräter und sollte jetzt zur mobilen Küche werden. Das Startkapital war schnell aufgezehrt. „Wir haben mit Sicherheit das Dreifache hineingesteckt“, erzählt Stefanie Dietz. Jacqueline ergänzt: „Wir hatten viel Unterstützung von der Familie . Unsere Eltern sind einfach der Hammer.“ Im Mai 2015 ging es los, erste Veranstaltungen an der Uni in Berlin konnten bekocht werden. Fertig ist der Wagen aber immer noch nicht. „Wir sind noch im Aufbau, noch in der Findungsphase. Wir wollen ja nicht nur Burger und Burritos machen“, erklären beide. Mit neuen Gerichten kommen unter Umständen auch neue Anforderungen an die rollende Küche hinzu. Dann wird wieder geschraubt.

Gute Ernährung, das heißt für die beiden Food-Truck-Schwestern nicht nur, dass das Essen gesund sein soll, es soll auch fair produziert und nachhaltig, möglichst saisonal aus der Region sein. Ein Anspruch, der die Geschäftsfrauen vor große Herausforderungen stellt. „Damit halsen wir uns viel Arbeit auf“, musste Jacqueline Dietz feststellen. Das Angebot kann dann logischerweise im Winter nicht das gleiche wie im Sommer sein. Ein Netzwerk regionaler Lieferanten muss aufgebaut werden. Zu eng wollen die beiden es aber auch nicht nehmen. „Es gäbe sonst eine sehr lange Zeit nur mit Kohl, Kartoffeln und Roter Bete“, so die 26-Jährige.

Wichtiger als irgendwelche Siegel ist beiden der direkte Kontakt zu Lieferanten. So zum Beispiel die Seefelder Landmilch. Steffi und Jacqueline Dietz konnten sich vor Ort von den Bedingungen überzeugen. Die Highlandrinder, die hinter dem elterlichen Gartenzaun grasen, kennen sie ohnehin.

Zur nachhaltigen Produktion gehört auch die Lagerhaltung und der Umgang mit Resten. Im Herbst wurden 120 Kilo Äpfel aus dem Garten eingeweckt. Das ist zwar aufwändiger als beispielsweise Tiefkühlung, verschlingt aber anschließend keine Energie mehr. Bei einer Veranstaltung waren reichlich Zwiebeln übrig geblieben. Zum Wegwerfen viel zu schade, also wurde spontan Zwiebelsuppe eingekocht. Fleisch kommt nur selten auf den Teller, denn der Qualitätsanspruch macht es gleich deutlich teurer. „Das versteht der Kunde nur selten“, bedauert Jacqueline Dietz.

Ihre „Home-Base“ haben beide im elterlichen Haus in Wolkenwehe. Dort wurde jetzt auch eine stationäre Küche eingerichtet, um dort die Speisen für den Wagen vorzubereiten oder Catering zu organisieren.

Die 31-jährige Stefanie Dietz kommt aus der Gastronomie. Sie hat Veranstaltungsmanagement gelernt und hauptberuflich gekellnert. „Da nimmt man eine Menge mit, das lässt einen nicht mehr los“, erzählt sie. Aktuell arbeitet sie in der it-Branche. Ihre Schwester ist weiter als Designerin tätig. Beide haben aber ihre Stundenzahl reduziert, um sich mehr dem Foodtruck widmen zu können. Wenn man mal von ihrer Mutter absehe, erzählen die Schwestern, sei es so etwas wie Familientradition, gut und gerne zu kochen. Ziel ist es mittelfristig, den Wagen zum Hauptberuf zu machen. Langfristig soll er aber auch nur eine Übergangsstation zu einem „eigenen Laden“ sein. Beim Stadtfest werden die beiden Food-Truckerinnen ihren nächsten Auftritt in Oldesloe haben. Vermutlich werden dann live und vor Ort Falafel aus dem Püree einer alten Linsensorte angeboten.

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