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Olof-Palme-Preis 2016 : Der Verein, der Völker verbindet

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Olof-Palme-Friedenspreis der Stormarner SPD geht in diesem Jahr an „Pryvit“. Insgesamt sieben Initiativen nominiert.

Im Zeichen der Flüchtlingssituation stand die Verleihung des Olof-Palme-Friedenspreises der Stormarner SPD in diesem Jahr. Sieben Initiativen waren dafür nominiert und wurden jetzt im Festsaal des Reinbeker Schlosses gewürdigt. Sechs von ihnen setzen sich für Integration und ein friedliches Zusammenleben ein oder arbeiten an der Beseitigung der Fluchtgründe in armen Ländern.

Den Friedenspreis erhielt aber ein Verein, der sich um die heute fast schon vergessenen Opfer der Atomkatastrophe von Tschernobyl kümmert, die bis heute auf einem radioaktiv verseuchten Terrain leben müssen. „Pryvit“ heißt er, was so viel wie „hallo“ bedeutet. Der Verein lädt in jedem Jahr bis zu 20 Kinder aus armen ukrainischen Familien zu einem dreiwöchigen Ferienaufenthalt im Großhansdorfer Schullandheim ein. Sie erhalten dabei auch medizinische Versorgung und können sich erholen. Nach der Katastrophe vor 30 Jahren sind fast alle Erwerbsquellen in der Region zusammengebrochen. Das Immunsystem wird durch die radioaktive Strahlung geschwächt, die Folgen sind oft Krebserkrankungen.

„Die Strahlung im Gebiet von Tschernobyl klingt nicht ab und wird noch über Generationen anhalten“, so Cord Denker. Der Pastor im Ruhestand hielt die Laudatio und stellte die Nominierten vor. Der Vorsitzende von „Pryvit“, Wulf Garde, nahm den Preis entgegen. Der Ahrensburger ist pensionierter Physiklehrer und hat den Verein vor fünf Jahren gegründet.

„Wir haben inzwischen etwa 90 Mitstreiter und gute Kontakte zu vielen Schulen und Ärzten“, sagte er. Namentlich die Park Klinik und die Kinderzahnklinik unterstützten das Projekt. „Wir haben über 80 Behandlungstermine, wenn die Kinder hier sind.“ Die Ukraine sei heute praktisch bankrott, keine öffentlichen Verkehrsmittel versorgten das verstrahlte Gebiet. Das Völkerverbindende dieser Initiative ist auch, dass Ukrainer, Russen und Deutsche hier einträchtig zusammenarbeiten. Angesichts der gegenwärtigen Situation in der Ukraine ist das nicht selbstverständlich.

Für Frieden, Völkerverständigung und Toleranz plädierte die Staatsministerin und stellvertretende SPD-Vorsitzende, Aydan Özuguz, in ihrer Rede. „Wer vor Krieg und Verfolgung flieht, muss bei uns Schutz finden.“ Die Straftaten gegen Asylbewerberheime hätten sich im vergangenen Jahr vervierfacht. Alle Demokraten müssten Stellung beziehen gegen Gewalt, Hass und Menschenverachtung. Pegida und AfD versuchten, dieses Gedankengut in die Mitte der Gesellschaft zu tragen: „Das ist ein Stück geistige Brandstiftung.“ Die große Mehrheit mache ihr aber Mut. „Solidarität und Menschlichkeit machen die Wärme in diesem Land aus.“ Europa aber zerfalle zurzeit in nationale Egoismen.

Özuguz forderte schnellere Entscheidungen über ein Bleiberecht: „Wir können Familien nicht erst nach sechs Jahren abschieben, wenn die Kinder bereits die sechste oder siebte Schulklasse besuchen.“ Diese Familien sollten bleiben dürfen. Zur Ehrlichkeit gehöre aber auch zu sagen, dass allein ein Arbeitswunsch kein Asylgrund sei. „Diesen Menschen müssen wir sagen, dass sie nicht bleiben dürfen.“

An die Friedenpolitiker Olof Palme und Egon Bahr erinnerte die Stormarner SPD-Vorsitzende, Susanne Danhier. Palme war vor 30 Jahren unter bis heute nicht geklärten Umständen ermordet worden: „Der Preis soll an sein Lebenswerk erinnern.“ Bahr verstarb im vergangenen Jahr. Er war viele Jahre Vorsitzender des Preis-Kuratoriums. „Ihm lag besonders das Verhältnis mit Russland am Herzen“, so Birgit Kassovic, die heutige Vorsitzende des Kuratoriums: „Stabilität kann es nur mit Moskau geben.“ Heute gebe es wieder Bedarf an Menschen, die Kriege auf jeden Fall verhindern wollten.

Zu den weiteren Nominierten gehörten die Freundeskreise für Flüchtlinge in Großhansdorf und Reinbek und die Sönke Nissen Park-Stiftung in Glinde. Auch der Runde Tisch Zivilcourage und Menschenrechte aus Ahrensburg war vorgeschlagen, der sich für ein friedliches Miteinander engagiert.

Für eine musikalische Völkerverständigung und Begegnungen setzt sich das Chorprojekt German Folk & Gospel Project Choir ein. Die Ahrensburger Initiative Cotranga leistet Entwicklungsarbeit in Westafrika und verringert so den Druck zur Flucht in die Fremde. Mit Mikrokrediten fördert sie die wirtschaftliche Entwicklung und unterstützt junge Leute, die dort ein Freiwilliges Soziales Jahr leisten möchten.





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