Bargteheide : Der Unfall, der ein junges Leben auslöschte

Das Auto, das die 16-Jährige vor einer Bushaltestelle in Bargteheide erfasste und tötete. Gestern musste sich der Unfallfahrer vor Gericht verantworten. Foto: st
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Das Auto, das die 16-Jährige vor einer Bushaltestelle in Bargteheide erfasste und tötete. Gestern musste sich der Unfallfahrer vor Gericht verantworten. Foto: st

Er war betrunken, raste mit dem Auto in eine Bushaltestelle in Bargteheide. Der Wagen erfasste Kim (16). Sie starb. Jetzt ist das Urteil gegen Marcel J. gefallen.

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18. November 2011, 12:42 Uhr

Bargteheide/Reinbek | Kaum ein Verkehrsunfall hat in Bargteheide mehr bewegt. Noch immer sind die Zeichen der Trauer über den Tod der 16-jährigen Kim F. am Straßenrand zu sehen.
Am 31. Oktober 2010 - es war ein Sonntag - hatte ein 20-Jähriger nachts mit seinem 3er BMW auf der B75 die junge Elmenhorsterin an der Bushaltestelle vor einem Autohaus überfahren. Die 16-Jährige war sofort tot. Am Mittwoch musste sich der Unfallfahrer Marcel J. vor dem Jugendschöffengericht Reinbek verantworten. Das Urteil: Ein Jahr und elf Monate auf Bewährung, eine Geldstrafe in Höhe von 3000 Euro und der Führerscheinentzug für drei Jahre.
"Ich wusste nicht, wie ich damit leben soll. Ich habe keinen Ausweg gesehen", sagte Marcel J. über seinen seelischen Zustand in den Wochen nach dem Unglück. Von November vergangenen Jahres bis Januar war er in Behandlung in einer psychiatrischen Klinik. Seitdem arbeite er wieder als Einzelhandelskaufmann und habe den Alltag wieder aufgenommen. Vergessen würde er die Tat natürlich nie. Während der Verhandlung wirkte er sehr gefasst und zeigte keine Emotionen.
Drei Jahre Haft gefordert
Im Gegensatz zu einigen Besuchern im Gerichtssaal. "Frag mal, wie es Kimmis Eltern geht", rief ein Bekannter der Familie dem heute 21-Jährigen entgegen. Die Eltern des Opfers waren beim Prozess nicht anwesend. Sie wurden durch Ulf-Diehl Dreßler als Nebenkläger vertreten. "Sie haben einer Familie das Kind genommen", so der Anwalt in Richtung Marcel J. Als er in seinem Plädoyer drei Jahre Haft für ihn fordert, erntet er Beifall aus dem Publikum. Neben Bekannten der Eltern waren auch viele Freunde von Kim F. bei der Verhandlung dabei. Der Saal war so voll, dass nicht alle Einlass fanden.
Rückblick: Marcel J. erfasst das 16-jährige Mädchen um etwa 2 Uhr früh am 31. Oktober 2010. Er ist betrunken, der anschließende Bluttest wird einen Wert von 1,8 Promille ergeben. Der Barsbütteler verliert die Kontrolle über seinen Wagen und kommt von der Fahrbahn ab. Mit einer Geschwindigkeit von 95 bis 120 km/h trifft er Kim F. in der Ortschaft so stark, dass sie mehr als 20 Meter durch die Luft schleudert und zwischen den Wagen eines Autohauses tot liegen bleibt. Mit Freunden hatte sie sich zuvor an der Bushaltestelle in Bargteheide getroffen. Um zu telefonieren, hält sie sich vor dem Unfall etwas abseits von der Gruppe auf. Die anderen Jugendlichen, die sich nur durch einen Sprung zur Seite vor dem auf sie zurasenden BMW retten können, finden ihre Freundin erst einige Minuten später. Marcel J. bleibt mit seinem zerstörten Auto auf der Fahrbahn stehen. Er trägt eine geprellte Schulter davon.
Filmriss nach einer Party
Beim Prozess gab der 21-Jährige an, sich an die Alkoholfahrt nicht erinnern zu können. Auch warum er sich überhaupt ins Auto gesetzt hatte, wisse er nicht mehr. Auf einer Party von Freunden hatte er sich nach Angaben von Zeugen betrunken. Der Filmriss des Barsbüttelers setzte ein, als ihn der Gastgeber zur Schlafcouch begleitete. Abgemacht war, dass er dort übernachtet. Was dann genau geschah, konnte nicht geklärt werden. Niemand weiß, was ihn dazu bewog, alkoholisiert noch nachts nach Hause fahren zu wollen.
Zur Zeit der Tat war Marcel J. 20 Jahre alt und galt somit als Heranwachsender. Das Gericht verurteilte ihn nach dem Jugendstrafrecht. Vor allem die Fahrt unter Alkoholeinfluss anzutreten und mit solch hoher Geschwindigkeit durch einen Ort zu fahren, lastete ihm das Gericht an.
Die Tatsache, dass dabei ein junges Mädchen zu Tode kam, ist unbeschreiblich tragisch. Vor allem für die Eltern.

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