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Ahrensburg: Totschlag im Affekt? : Der Tod wird zur Nebensache

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Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

46-jähriger angeklagter US-Staatsbürger will vor dem Landgericht in Lübeck seine Dolmetscherin nicht mehr sprechen.

Hat der 46-jährige Amerikaner Robert B. seine Ehefrau im Affekt erwürgt? Seit Monaten sitzt der US-Bürger aus der Nähe von Detroit in Untersuchungshaft. Die Anklage lautet auf Totschlag. Er selbst hatte in Ahrensburg in der Nacht zum 2. April die Polizei verständigt – mit seinem kleinen Sohn im Arm. Die Beamten fanden Ehefrau Iris L. (38) tot im Keller eines Einfamilienhauses in der Otto-Schumann-Straße. Die Obduktion ergab Tod durch Erwürgen.

Der Angeklagte hatte Iris L. 2010 in den USA geheiratet. Die Probleme des Paares begannen mit der Rückkehr nach Deutschland, wo es quasi Tür an Tür mit den Großeltern ihres vierjährigen Sohnes wohnte. Robert B. fand keine Arbeit, brach einen Deutschkurs ab. Seine Frau fühlte sich in der Rolle als Mutter und Ernährerin – sie arbeitete in der DRK-Kita in Hoisbüttel – überfordert. Es kam häufiger zu Streitig- und wohl auch zu Handgreiflichkeiten, wie die Mutter des Opfers in einer zweistündigen Aussage berichtete, während der Der Vater des Opfers von seinem Recht der Aussageverweigerung Gebrauch macht.

Am gestrigen Prozesstag im Lübecker Landgericht nimmt die Mutter des Opfers und Nebenklägerin als Zuschauerin im Gerichtssaal Platz. Der Angeklagte – graue, volle Locken, schmale Erscheinung, lockeres Auftreten – würdigt sie keines Blickes, ist vielmehr damit beschäftigt, sich über den Prozesshergang und seine Behandlung zu beschweren. Seine Augen rollen, er wirkt ungeduldig, unterbricht den Richter, schüttelt mit dem Kopf. Seine Dolmetscherin hatte sich im Vorfeld mehr als vier Stunden auf die Übersetzung von Dokumenten vorbereitet, die sie ihm vorlesen wollte, fuhr sogar in die JVA Neumünster, wo der Angeklagte jedoch nicht mit ihr sprechen wollte. Richter Christian Singelmann fragt den Angeklagten nach dem Grund. Antwort: Er habe nicht telefonieren dürfen und wolle einen anderen Rechtsanwalt. Er habe kein Vertrauen in den ihm zugewiesenen Pflichtverteidiger. Es stehe ihm frei – so der Richter – sich einen anderen Anwalt zu nehmen, den er jedoch aus eigener Tasche bezahlen müsse.

Mehrmals wiederholt Richter Singelmann diese Worte, der Angeklagte zeigt sich jedoch nicht einsichtig, so dass er sich gezwungen sieht, ihn mit den Worten „Jetzt rede ich!“ zurechtzuweisen. Daraufhin mokiert sich der Amerikaner über die ihm zugeteilte Dolmetscherin: „Ich kann ihre abgebrochenen Sätze nicht verstehen.“ Klar und deutlich und durchaus verständlich seien die Simultan-Übersetzungen, hält der Richter entgegen. Doch der Angeklagte besteht auf einer anderen Dolmetscherin aus Ahrensburg, die ihm schon einmal geholfen und besser übersetzt habe, so der Angeklagte.

Dolmetscherin Margot Manger, die direkt neben dem Angeklagten sitzt, bleibt ruhig, die Anspannung ist ihr dennoch deutlich anzumerken. „Wissen Sie, langsam reicht es mir!“, sagt Richter Christian Singelmann. Robert B. aber bleibt auch nach mehrmaligem Nachragen dabei, die anwesende Dolmetscherin nicht weiter empfangen zu wollen.

„Sie bestimmen nicht die Dolmetscherin“, sagt der Richter und beendet die Gerichtsverhandlung für diesem Tag. Weitere 15 Zeugen sind geladen, mindestens sieben weitere Verhandlungstage sind angesetzt.

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erstellt am 03.Nov.2015 | 06:00 Uhr

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