Der Tenor aus Lütjensee

'Ich wurde schon mal als Rampensau bezeichnet', sagt Gesang-Student Julian Rohde. Als solche sieht er sich zwar nicht, eine Karriere als Opern-Star kann er sich allerdings vorstellen.  Foto: Mulert
"Ich wurde schon mal als Rampensau bezeichnet", sagt Gesang-Student Julian Rohde. Als solche sieht er sich zwar nicht, eine Karriere als Opern-Star kann er sich allerdings vorstellen. Foto: Mulert

Julian Rohde hat sich für die Finalrunden des "Bundeswettbewerb Gesang" in Berlin qualifiziert

shz.de von
04. Oktober 2012, 07:55 Uhr

Lütjensee/Hamburg | Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm - woher Julian Rohde sein Talent hat, lässt sich mit einem Blick auf die Berufe seiner Eltern schnell erklären: Sein Vater ist Oboist an der Hamburger Staatsoper, seine Mutter Sängerin im Chor des Lübecker Theaters. Aber eigentlich wollte der 22-Jährige gar nicht in deren Fußstapfen treten. "Ich habe mich erst dagegen gewehrt", sagt er mit einem leichten Augenzwinkern. Seine Freude am klassischen Gesang - und seine Begabung - kehrten alle Zweifel allerdings zur Seite. Seit zwei Jahren studiert der in Lütjensee aufgewachsene Julian an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg - klassischen Gesang. Nur acht Bewerber bekamen einen Platz, 200 junge Menschen zeigten Interesse. Seine Qualität hat der Tenor nun erneut unter Beweis gestellt. Beim "Bundeswettbewerb Gesang" überzeugte er eine Fach-Jury in Hamburg. Ende Oktober darf er nun nach Berlin reisen - zu den Finalrunden.

"Ich war nervös. Das ist die schlimmste Aufregung, die man haben kann", erinnert sich Julian an das 30-minütige Vorsingen bei den Vorauswahlen des Oper-Wettbewerbs. Die Anforderungen waren hoch. Der mittlerweile in Hamburg lebende Student trug Stücke aus fünf Epochen vor, sang in deutsch, italienisch und französisch. Mit Erfolg. Auch in Berlin wird der Tenor sein Repertoire zum Besten geben. Die Jury achtet in der Deutschen Oper erneut auf Stimme, Gefühl, Technik, Sprache und Entwicklungspotenzial.

Letzteres wurde schon früh bei ihm entdeckt. Als Siebenjähriger begann Julians Laufbahn im Kinderchor in Lütjensee. Dort war er aber schnell unterfordert, wechselte nur zwei Jahre später in den Erwachsenen-Chor, war dort Knaben-Sopran. Mit 14 kam der Stimmbruch, das Talent wurde Tenor. Im Alter von 16 Jahren rief dann die Hansestadt. Der Hamburger Michel wurde seine musikalische Heimat. Chormusik prägte seine Jugend - zwischenzeitlich sang er in sechs Formationen gleichzeitig, unter anderem in der Ahrensburger Stormarnschule.

Bis zum Zivildienst habe er "frei Schnauze" gesungen, wenig Ahnung von Technik gehabt. Die lernte er im Gesang-Unterricht. Für die Aufnahmeprüfung an der Uni erlernte er außerdem das Klavierspielen und eignete sich Theorie-Wissen an.

Julian liebt die Oper - die Kombination aus klassischem Gesang und schauspiel. Der Reiz liege darin, ohne Mikrofon zu singen und in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen. Langfristig hofft er auf ein Engagement in einem Chor oder als Solist. Sein Vorteil: "Ich bin in einer der seltensten Stimmlagen", sagt Julian über seine Chancen in der Branche. Er ist lyrischer Tenor. Der 22-Jährige träumt davon, einmal die Rolle des Rodolfo in Puccinis Oper "La Bohème" spielen zu dürfen - diese wird allerdings von dramatischen Tenören besetzt. Zu denen könne er aber irgendwann noch gehören. Denn: "Die Stimme entwickelt sich ein Leben lang."

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