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Vogelschießen : Der Tambourmajor von Bad Oldesloe

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Seit rund 30 Jahren schwingt Hans-Helmut Rohde den Taktstab und ist seit 60 Jahren bei – fast – jedem Vogelschießen dabei.

Kaum zu glauben, aber in den vergangenen 60 Jahren hat Hans-Helmut Rohde nur ein einziges Mal beim Oldesloer Vogelschießen gefehlt, ansonsten hat er sich dieses Großereignis nie entgehen lassen. Der gebürtige Oldesloer trat bereits im zarten Alter von neun Jahren in den Städtischen Spielmannszug ein, wo er zunächst Querflöte spielte und trommelte. Das war 1957 und Helmut Rohde erinnert sich noch ganz genau an diese Zeit, als das Vogelschießen für alle Oldesloer nach Weihnachten das größte Ereignis im Jahr war.

„Ich bin damals in den Spielmannszug eingetreten, weil wir schon eine Woche vor dem Vogelschießen schulfrei bekamen. Andere mussten singen, ich wollte lieber trommeln und flöten“, erzählt der 69-Jährige, der außerdem noch das Lyra-Spielen erlernte. Eine ganze Woche lang zogen die Jungen des Spielmannszugs – Mädchen wurden nicht aufgenommen – Tag für Tag durch die Stadt, spielten vor fast jedem Haus ein Ständchen und sammelten Geld für das Großereignis. „Deshalb hatte ich damals immer die Taschen voller Geld, das ich als Tambourmajor einsammeln durfte“, erzählt Rohde, der im Alter von 17 Jahren schließlich den langen Tambourstab übernehmen durfte. Der Spielmannszug bestand aus Schülern der Stadt- und Realschule. Alle waren in eine Uniform mit weißen Hosen und Hemden gekleidet, etwas „Schmiss“ gaben das flotte Cappy, eine Schärpe und die rot-weißen Schulterklappen, die Schwalbennester genannt wurden.

Sicherheitsmaßnahmen verstärkt

Beim Vogelschießen in Bad Oldesloe  rückt in diesem Jahr die Sicherheit deutlich stärker in den Fokus als in den Vorjahren. „Es gibt überhaupt keinen Anlass, sich unsicher zu fühlen“, beteuert Bürgermeister Jörg Lembke. Es gebe nicht die geringsten Anzeichen oder Erkenntnisse, dass Fanatiker einen Anschlag auf das große Kinderfest planen könnten.  Trotzdem seien in Abstimmung mit der Polizei verstärkte Maßnahmen beschlossen worden. Lembke will keine Details verraten, spricht lediglich von „wehrhaften Absperrungen“.  Dem Vernehmen nach sollen am Donnerstag auf Kreuzungen Laster zum Einsatz kommen. „Das Konzept werde ich nicht bekanntgeben“, so Lembke: „Letztlich sind es Alibimaßnahmen. Dessen muss sich jeder bewusst sein. So eine Veranstaltung kann man nicht schützen. Ich hoffe, dass wir nächstes Jahr wieder darauf verzichten können.“ ol

„Vogelschießen war früher immer dienstags vor den Ferien und am Montag ging es um sechs Uhr früh mit einem Pferdewagen in den Kneeden zum Eichenlaub sammeln. Das wurde dann an die Schulen geliefert, wo es die Mütter der Schüler für das Binden der Kränze und Blumenbügel brauchten“, so Helmut Rohde. Da er als Knirps zum Vogelschießen immer seine Spielmannsuniform trug, bekam er nie neue Sachen geschenkt wie die anderen Kinder, die zum Vogelschießen immer neu und schick eingekleidet wurden. „Montag war außerdem der Tag der großen Standkonzerte vor der Kreisverwaltung, dem Rathaus und vor dem Kreiskrankenhaus. Es gab Brause bei Harms, dem Bierverleger in der Schützenstraße. Der hatte eine Abfüllanlage von Sinalco. Und im Café Arnold in der Bahnhofstraße gab es ein kräftiges Frühstück für den Spielmannszug, abends beim Schlachter Kneese Kartoffelsalat und Würstchen satt“, erinnert sich Helmut Rohde.

Die weißen Hosen des jungen Helmut waren für seine Mutter immer eine besondere Herausforderung, sollten sie doch am Tag des Vogelschießens strahlend weiß sein. Am Abend vorher wurden sie gründlich gewaschen und dann schnell zum Bäcker Höfer im Wolkenweher Weg gebracht, wo sie im heißen Backofen rasch trockneten. Der eigentliche Vogelschuss im Naturtheater (heute steht dort das Hallenbad) zog sich vom Vormittag bis in den Nachmittag hinein, denn der hölzerne Vogel wurde nicht so in dem Maße angesägt, wie heute – eine echte Herausforderung also für die Jungen. Vogelschießerkönig wurde Helmut Rohde zwar nie, aber das Schießen hat ihm immer Spaß gemacht, so dass er später auch Mitglied in der Oldesloer Bürgerschützengilde wurde. Nach längerer Pause schwingt er inzwischen als Tambourmajor auch wieder den Taktstab und läuft bei jedem Vogelschießen-Umzug vorneweg mit seinem Spielmannszug „Alte Kameraden“. „Als Tambourmajor gebe ich den Takt vor und bestimme, was wann gespielt wird und wo wir eine Pause machen“, erzählt Rohde. Die Alten Kameraden bestehen ausschließlich aus ehemaligen Kollegen des alten Spielmannszugs, inzwischen spielen aber auch einige Frauen mit.

Der Zeitplan des  Vogelschießens

7.30 Uhr Abmarsch der Umzugsspitze mit dem alten Königspaar vom Schulhof der Stadtschule

7.45 Uhr Ankunft am Marktplatz, Abholen des Bürgermeisters und der Stadtverordneten sowie des Bürgerschützenkönigspaares

8 Uhr Eintreffen der Schüler aller Oldesloer Schulen an der Theodor-Mommsen-Schule und in der Olivet-Allee

8.30 Uhr Beginn des Umzuges

10 Uhr Spiele und Beginn des Vogelschusses auf dem Exer

ca. 12 Uhr Königsproklamation des großen Königspaares

14.30–18.00 Uhr Live-Musik im Festzelt, Schülerbands

18 Uhr Aufstellung Abendumzug an der Stormarnhalle

18 Uhr Bands spielen im Festzelt auf dem Exer

18.30 Uhr Abmarsch des Umzugs Richtung Marktplatz

18.45 Uhr Abendkundgebung mit Vorstellung des neuen Königspaares

Ab 21 Uhr Tanz, Festzelt auf  dem Exer, mit der Cover-Band

„Boerney & die Tri Top's” srp

Und warum fehlte Hans-Helmut Rohde eigentlich ein Mal beim Vogelschießen? „Da war ich als Marinetaucher in den USA und konnte nicht mal eben nach Bad Oldesloe jetten“, sagt Hans-Helmut Rohde. Aber am kommenden Donnerstag wird er ganz sicher wieder in vorderster Front beim Umzug mit dabei sein.

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erstellt am 18.Jul.2017 | 06:00 Uhr

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