Ahrensburg : Der Süden wehrt sich

Volles Haus in der Reithalle:  Rund 150 Bürger, vorwiegend aus dem Waldgut Hagen, kamen zur Stadtverordnetenversammlung, um gegen die Neubauflächen im Süden der Stadt zu protestieren.
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Volles Haus in der Reithalle: Rund 150 Bürger, vorwiegend aus dem Waldgut Hagen, kamen zur Stadtverordnetenversammlung, um gegen die Neubauflächen im Süden der Stadt zu protestieren.

Aus dem Hagen kommt kräftiger Protest gegen Neubauflächen. Rund 150 Betroffene kamen deshalb zur Stadtverordnetenversammlung. Die Stelle der Gleichstellungsbeauftragten wird auf Beschluss halbiert.

shz.de von
29. März 2017, 06:00 Uhr

Der Süden „muckt auf“: Rund 150 Bürger aus dem Waldgut Hagen kamen zur Sitzung der Stadtverordneten in den Marstall, um gegen die geplanten Neubauflächen an Ginsterweg, Starweg, Spechtweg und anderen Straßen zu protestieren. Noch nie war der Andrang bei einer Stadtverordnetenversammlung so groß wie am Montagabend. Viele Besucher bekamen nur Stehplätze in der völlig überfüllten Reithalle. Allerdings währte das Interesse nur für die Dauer der Einwohnerfragestunde. Danach leerte sich der Saal, wofür die Sitzung unterbrochen werden musste. Kommentar aus den Reihen von FDP und WAB: „Das Desinteresse an Kommunalpolitik ist ein Trauerspiel.“

Unter dem Motto „Bewahrung des Hagens“ wehren sich die Bewohner gegen eine ihrer Meinung nach überproportionale Bebauung in diesem Gebiet. Die Kritiker gehen von rund 1000 zusätzlichen Wohneinheiten aus. Befürchtet wird, dass die drei Zufahrten in das Siedlungsgebiet einer Verdoppelung des Individualverkehrs nicht gewachsen sind. Zudem seien die vorhandenen Straßen für den Schwerlast- und Bauverkehr nicht geeignet.

„Schon jetzt gibt es keine Radwege und keine Nahversorgungsmöglichkeiten“, sagte der Vorsitzende des Bürgervereins Waldgut Hagen, Jürgen Siemers, der einen Katalog mit elf Fragen an Bürgervorsteher Roland Wilde überreichte. „Geschossbauten mit vier Etagen werden den Blick in die Landschaft wie eine Stadtmauer versperren und erlebbare Siedlungsgrenzen mit freien Sichtachsen zerstören“, befürchtet Siemers, der um eine Beantwortung der Fragen vor der nächsten Stadtverordnetenversammlung am 24. April bat – „sonst kommen wir wieder.“ Damit spielte Siemers auf das Schweigen von Bürgermeister Michael Sarach an, der auf die Bedenken zum Flächennutzungs- und Landschaftsplan seit Mitte Dezember nicht reagiert hatte: „Wir haben weder eine Rückmeldung, noch einen Gesprächstermin bekommen.“

Im Fragenkalatog wollen die Anwohner wissen, wie ein Verkehrskonzept unter Einbeziehung des Brückenschlags über den Braunen Hirsch aussieht, wo aus Sicht der Stadtplaner das Bevölkerungslimit in 20 Jahren liegt, wie viele Einwohner Ahrensburg bei gleichbleibender Wohn- und Lebensqualität verträgt und auf welchen Flächen die Nahversorgung und sozialen Einrichtungen entstehen sollen.

Erwartungsgemäß mit den Stimmen von CDU und FDP wurde eine Halbierung der Stelle der Gleichstellungsbeauftragten beschlossen. Ein Antrag der Grünen, die Stelle in Vollzeit zu belassen, wurde mit 15 Nein- gegen 13 Ja-Stimmen abgelehnt. Gabriele Fricke, die am 31. März nach 25 Jahren in den Ruhestand geht, hatte noch versucht, die Stimmung herumzureißen – ohne Erfolg. Ein Vorschlag von Bürgermeister Michael Sarach (SPD) sieht vor, die Stelle jeweils zur Hälfte für die Gleichstellungsbeauftragte und eine Halbtagsstelle für Inklusion zu besetzen.






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