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Stormarner Tageblatt

16. Dezember 2017 | 11:46 Uhr

Bad Oldesloe : Der Streit um Hindenburg

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Bestrebungen, die Hindenburgstraße in Langestraße umzubenennen, stoßen auf geteiltes Echo. Die Initiatoren der Rückbenennung haben eine Ausstellung über Hindenburg eröffnet.

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erstellt am 10.Feb.2015 | 06:00 Uhr

Die Initiative von Maria Herrmann (SPD), Hendrik Holtz (Die Linke) und Hartmut Jokisch (Grüne) zur Umbenennung der Hindenburgstraße in den alten Straßennamen Langestraße schlägt hohe Wellen. Die drei Kommunalpolitiker luden gestern zu einer Ausstellungseröffnung ins Atelier 25 in der Hindenburgstraße ein, und rund 20 interessierte Bürger und Politiker kamen zu dieser besonderen Vernissage, um über die geplante Rückbenennung zu informieren und zu diskutieren.

Die beiden Poster im Schaufenster des ehemaligen Ladens mit Abbildungen von Hitler und Hindenburg lassen Passanten ungläubig stehen bleiben und erschauern. Sie sollen bewusst provozieren, so dass sich die Oldesloer mit dem Thema auseinandersetzen. Wer will, kann sich in der Ausstellung gründlich über das Thema informieren. Auf sieben Stellwänden gibt es ausführliche Texte und Dokumente über die Machtergreifung in Kiel und Stormarn, Auszüge aus dem Buch „Hindenburg“ von Dr. Wolfram Pyta sowie der Broschüre von Dr. Klaus Klingner über Hitlers Machtergreifung in Stormarn. Außerdem fanden die Initiatoren im Archiv alte Akten, die die Umbenennung in Hindenburgstraße vom Mai 1933 dokumentieren. Sogar das Testament Hindenburgs kann nachgelesen werden.

„Diese Diskussion war schon lange fällig“, betont Ex-Justizminister Dr. Klaus Klingner (SPD), der zu den Befürwortern der Rückbenennung gehört. „Hindenburg wird in der Bevölkerung außerordentlich positiv bewertet“, hat Dr. Hartmut Jokisch festgestellt, der zusammen mit Maria Herrmann von Haus zu Haus lief, um die Anwohner in der Hindenburgstraße über das Vorhaben zu informieren. „Die Reaktionen waren verhalten, die Anwohner eher dagegen. Die Hindenburgstraße ist bei vielen Oldesloern auch emotional verankert. Sie haben das Gefühl, man will ihnen ein Stück eigene Geschichte wegnehmen“, so Dr. Jokisch. Wichtig sei es, vor allem den Geschäftsleuten größtmöglich entgegenzukommen.

„Wir wollen niemandem etwas oktroyieren und es nicht gegen, sondern mit den Bürgern machen“, betont Hendrik Holtz von den Linken. Am kommenden Montag, 16. Februar, lädt Bürgerworthalter Rainer Fehrmann (CDU) ab 19.30 Uhr zu einer Einwohnerversammlung in die Festhalle ein. Die Ausstellung im Atelier 25 kann noch bis zum 23. Februar, dem Tag der Stadtverordnetenversammlung, besichtigt werden.

Auf Facebook wird zu dem Thema zwar munter, aber von einer überschaubaren Gruppe, gepostet. Die Kommentare haben durchweg den Tenor: „Was soll der Blödsinn?“, „unnötige Kosten“ und „Gibt es keine anderen Probleme?“ Als Beispiele werden dann zumeist Kitaplätze, Armut und die Belebung der Innenstadt angeführt. Auf der Seite des Stormarner Tageblatts tauchte die Frage auf, warum die Hindenburgstraße nicht in einem Abwasch mit dem Adolf-Hitler-Platz, der Schlageter-, Horst-Wessel- und der Herman-Göring-Straße rückbenannt wurde? „Es gibt dazu keine Akten“, sagt Stadtarchivarin Dr. Sylvina Zander. Sie vermutet: „Das waren so eindeutige Nationalsozialisten … Bei Hindenburg war der Druck vielleicht nicht so da.“

Die Online-Abstimmung unter dem Artikel auf www.stormarner-tageblatt.de gibt ein eindeutiges Bild ab: Zwei Drittel der fast 500 Teilnehmer sprechen sich für die Rückbenennung aus.

Soll die Hindenburgstraße wieder ihren früheren Namen Langestraße bekommen?

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