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„Der Staat versteht in dieser Angelegenheit keinen Spaß“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

„Ich bin kein Rechter, habe viele ausländische Freunde“, beteuert der Angeklagte. Ihm sei im Streit mit einem Mitbewohner nur der Kragen geplatzt. Als die Polizei zum Schlichten eintraf, schrie der 47-jährige Trittauer allerdings „Heil Hitler“ und sagte, dass es Deutschland gut tun würde, wenn es heute die SS wieder geben würde. Deshalb, wegen Beleidigung und Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen musste er sich vor dem Amtsgericht Ahrensburg verantworten.

Der Streit im Mehrfamilienhaus schwelte schon lange. „Mein Nachbar hat mich ständig als Scheiß-Deutschen beleidigt“, sagt der Angeklagte. Beim Zusammentreffen habe der die Geste des Halsabschneidens gezeigt. „Kolumbianische Krawatte“ nennt der Trittauer das. „Er bedrohte mich, ich sollte ausziehen.“ Auch sei seine Wäsche im Keller immer wieder beschädigt worden.

Am 19. Mai 2014 eskalierte der Streit. Gegen 21.40 Uhr kam der Angeklagte ange-trunken ins Haus, beschimpfte seinen Nachbarn als Spacko, Sinti und Asylanten und spuckte gegen seine Wohnungstür. Dann drehte er seine Musikanlage auf volle Lautstärke, was den Polizeieinsatz auslöste.

„Die Polizisten haben mich in der Zelle verprügelt“, beschwert sich der Angeklagte. Die Beamten hätten sich auch geweigert, seine Anzeige aufzunehmen: „Was kann ich da tun?“ Der Richter rät ihm, sich deshalb an die Staatsanwaltschaft zu wenden.

Er fragt auch, was es mit dem Baseballschläger auf sich habe. Der steckte in einem Springerstiefel an der Tür, als die Polizei eintraf. Die Keule war mit den Zahlen 1 und 8 beschriftet, in der Naziszene Symbol für den ersten und achten Buchstaben im Alphabet. „Das war mein Selbstschutz gegen die drei Leute, die mich ständig bedrohen“, sagt der Angeklagte, der sich selbst verteidigt .

„Der Staat versteht in dieser Angelegenheit keinen Spaß“, sagt der Richter. Mit Zustimmung der Staatsanwältin schlägt er die Einstellung des Verfahrens gegen eine Arbeitsauflage von 40 Stunden vor. Der nicht vorbestrafte Angeklagte akzeptiert. „Sie sind gerade noch an einer Strafe vorbeigeschrammt“, gibt der Richter ihm mit auf den Weg.

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