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16 Monate auf Bewährung : Der Sex-Kontakt war erst 13

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Ein 27-jähriger Fliesenleger hatte im Internet eine Freundin gesucht. Die „19-Jährige“, die sich meldete, war aber erst 13. Und auf der Suche nach sexuellen Erfahrungen.

So kann eine Internet-Bekanntschaft gefährlich sein: Ein 27-jähriger Fliesenleger antwortet auf eine Kontaktanzeige in einem Portal. Eine angeblich 19-Jährige sucht dort einen Partner. André J. (Name geändert) lässt sich im Frühsommer vergangenen Jahres darauf ein. Weil es zu sexuellen Handlungen kommt und seine Bekanntschaft erst 13 Jahre alt ist, muss er sich vor dem Jugendschöffengericht Reinbek verantworten. Das Urteil: Ein Jahr und vier Monate Haft auf Bewährung.

„Ich habe sie angeschrieben und um ein Foto gebeten“, sagt André J. aus, der angespannt wirkt. Das Foto gefiel ihm, es zeigte eine etwa 19-Jährige, aber eben nicht die Geschädigte. Das bemerkte er aber erst beim ersten Treffen in der Nähe ihrer Schule. Ihr Alter habe sie mit 16 Jahren angegeben, später mit 15. Das Mädchen habe Beschützer-Instinkte in ihm geweckt, sagt er.

Bei zwei Treffen kam es dann zu sexuellen Handlungen, mit ihrem Einverständnis. „Sie war leicht aufdringlich und rief immer wieder an, wollte mich treffen“, so der Fliesenleger. Das Mädchen habe auch vor seiner Haustür gestanden und um Einlass gebeten.

Entscheidend für das Gericht: Beim letzten sexuellen Kontakt wusste der Angeklagte, dass das Mädchen erst 13 war. Das hatte André J. auf beharrliche Nachfragen zugegeben. „Die Sache war außer Kontrolle geraten“, sagte er. Das Mädchen sei neugierig gewesen und habe sexuelle Erfahrungen sammeln wollen.

Dazu gab er ihr sogar schriftlich Tipps. Chat-Protokolle aus dem belegten das und auch, dass er schließlich ihr wahres Alter kannte. Von „Kack-Gesetz“ war darin die Rede. „Ich habe mich auch über die rechtlichen Folgen informiert“, gab er zu, „da wurde mir schlecht.“ Denn die Mindeststrafe für schweren sexuellen Missbrauch von Kindern liegt bei zwei Jahren Freiheitsstrafe. Und bis zum Alter von 14 Jahren gilt man juristisch als Kind.

Ins Rollen kam der Fall, weil das Mädchen mit ihren Erlebnissen auf dem Bauspielplatz geprahlt hatte. Ein Betreuer informierte daraufhin die Mutter. Die las daraufhin die freizügigen Chat-Protokolle ihrer Tochter mit André J. und ging dann schnurstracks zur Polizei. „Sie hat mich als pädophilen Vergewaltiger beschimpft“, so der Angeklagte.

„Ich hatte mich gerade von meiner Freundin getrennt. Mir fehlte etwas“, so seine Begründung. Das Interesse des Mädchens sei Balsam für seine Seele gewesen. Nach dem entscheidenden Treffen habe er aber den Kontakt zu ihr abgebrochen.

„Doch dieses Treffen wurde zum Dickschiff in der Anklage“, so Staatsanwalt Sönke Voß. Durch sein umfängliches Geständnis habe der Angeklagte der heute 15-Jährigen eine Aussage vor Gericht erspart. Der Staatsanwalt ging deshalb von einem minderschweren Fall aus und forderte ein Jahr und sechs Monate Haft, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden sollten. Dazu 1000 Euro Geldstrafe.

„Wäre es zwei Monate später geschehen, gäbe es keine Anklage“, plädierte Rechtsanwalt Eric Wasmuth für seinen Mandanten. Denn dann wäre das Mädchen 14 Jahre alt gewesen. Er forderte die Mindeststrafe von einem Jahr. „Ich habe daraus gelernt“, sagte Andre J. in seinem Schlusswort, „es wird nie wieder vorkommen.“

Das Gericht sieht keine pädophilen Neigungen und blieb zwei Monate unter der Forderung des Staatsanwalts und verhängte eine Geldstrafe von 500 Euro. „Die Tat geschah auch auf Drängen der Geschädigten“, sagte Richterin Ute Schulze Hillert. So sei Andre J. immer weiter in diese Verstrickung gerutscht.

 

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erstellt am 31.Okt.2013 | 15:48 Uhr

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