Der Sängerkrieg von Oldesloe

Freiheit für Oldesloe: Die Oldesloer Bürger schmettern enthusiastisch das Schleswig-Holstein-Lied.
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Freiheit für Oldesloe: Die Oldesloer Bürger schmettern enthusiastisch das Schleswig-Holstein-Lied.

Die Theaterproben der Vereins „Badomat“ für das Historienstück „1848 - Freiheit für Oldesloe“ laufen auf Hochtouren

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29. Dezember 2014, 11:51 Uhr

Im neuen Open-Air-Stück „1848 – Freiheit für Oldesloe“ des Vereins „Bad Oldesloe macht Theater“ (Badomat) wird viel und inbrünstig gesungen – vor allem Hymnen. Und das hat seinen Grund, denn vor 150 Jahren, als in Schleswig-Holstein die Dänen das Sagen hatten, gab es freiheitliche und demokratische Bestrebungen, die auch im Gesang der Bürger ihren Ausdruck fanden. Auch Julius Schythe, Oldesloes erster Zeitungsgründer, der im Mittelpunkt des Stückes steht, hatte dänische Wurzeln. Ob er auch dänisch sprach, ist allerdings nicht überliefert.

Die dänische Königshymne „Kong Christian stod i højen mast“ konnte er aber bestimmt singen, zumindest wurde sie damals bei offiziellen Anlässen angestimmt. Und genau diese Hymne führt im Theaterstück bei den Oldesloer Bürgern zu einer offenen Rebellion, als der dänische König Frederik VII. nebst liebreizender Gattin, Louise Gräfin Danner, dem Provinzstädtchen einen Besuch abstattet. Die Oldesloer Bürger weigern sich strikt, dem König durch das Singen der Königshymne ihre Reverenz zu erweisen und stimmen stattdessen das Schleswig-Holstein-Lied an. Schließlich kommt es zu einem regelrechten Sängerkrieg, den die 30 Theaterspieler jetzt intensiv proben.

Die turbulente Szene spielt auf dem Oldesloer Marktplatz: Der dänische König hält Einzug, Fahnen werden geschwungen und Soldaten ermuntern das Volk zum Jubeln. Doch das dreifache Hurra für den König von Dänemark und Herzog von Schleswig und Holstein fällt sehr mau aus. Oldesloes Bürgermeister von Colditz, den Manfred Thomsen mit viel Pathos und Inbrunst spielt, ist irritiert bis entsetzt und versucht seine Schäfchen zu motivieren, die Königshymne zu singen. Doch die zischen den König aus und stimmen lieber „Schleswig-Holstein meerumschlungen an“, das Kampflied für Freiheit und Unabhängigkeit. Die nach Unabhängigkeit strebenden Bürger werden immer lauter und rücken dem König und seinen Getreuen bedrohlich auf den Pelz. Es kommt gar zu einem Handgemenge, bei dem das Volk als jubelnder Sieger zurückbleibt.

„Mit unserem Sängerkrieg befinden wir uns auf historischem Boden, denn für diese Szenen gibt es auch historische Vorbilder“, sagt Heiko Vosgerau. Der promovierte Historiker beschäftigte sich intensiv mit den historischen Hintergründen der Erhebung gegen Dänemark, die 1848 ihren Anfang nahm und schließlich zum Krieg führte.

„In den Kneipen wurde früher oft gegeneinander angesungen“, erzählt der Oldesloer, der im Theaterstück den Advokat Schmidt von Leda spielt, der später Justizrat in Flensburg und geheimer Regierungsrat in Schleswig wurde. „Wir spielen nach, was sich damals in den Landesteilen Schleswig und Angeln ereignet haben könnte. Da gab es wohl Auseinandersetzungen zwischen dänisch und holsteinisch Gesinnten. Und die Lieder haben dabei eine ganz wichtige Funktion gehabt, denn sie standen symbolisch für den nationalen Kampf.“ Nachdem die Schleswig-Holsteinische Erhebung gegen Dänemark (1848 bis 1851) jedoch gescheitert war, wurde auch das Schleswig-Holstein-Lied verboten, und sogar die deutsche Sprache wollten die Dänen verbieten, was ihnen aber nicht gelang. „Oldesloe lag in Holstein, was Teil des Deutschen Bundes war. Hier gab es wohl kaum Dänentreue und auch keine nationalen Auseinandersetzungen, höchstens eine schmale Beamtenelite, die königstreu war“, meint Heiko Vosgerau.

Und die hat es mit Bürgermeister von Colditz an der Spitze ziemlich schwer, sich gegen die freiheitsliebenden Oldesloer durchzusetzen. Und auch Zeitungsverleger Julius Schythe, der von Harry Mähl gespielt wird, steht zwischen den Fronten, denn er darf in seiner noch jungen Zeitung, dem „Königlich privilegierten Oldesloer Wochenblatt für Stadt und Land“ nichts Politisches veröffentlichen. Dennoch möchte sich der unerschrockene Zeitungsverleger, der von seiner Frau Jakobine (gespielt von Ines Lachs) nach Kräften unterstützt wird, für Freiheit und Bürgerrechte einsetzen. Zudem wird er noch vom überwachungswütigen königlichen Kommissar Jonasson (Ulf Schwinum) gehörig unter Druck gesetzt. Doch Gott-sei-Dank gibt es in diesen politisch unruhigen Zeiten entschlossene und unerschrockene Frauen, wie Julius' Schwester Susanna (Sabrina Ward) und die mutige Pastorentochter Edwine Schneeden (Vanessa Sacharow), die auch vehement für die Rechte der Frauen eintreten.

Sven Lenz ist hochzufrieden mit den Leistungen der 30 Laienspieler, die unter seiner professionellen Leitung zur Höchstform auflaufen. „Wir entwickeln gerade ein Bewusstsein dafür, was später auf der Bühne auf uns zukommen wird. Bisher hatten wir eine schöne und erfolgreiche erste Probenzeit, in der wir die Figuren gefunden und skizziert sowie musikalische Meilensteine gesetzt haben“, erzählt der Hamburger Regisseur und Autor, der bei seiner Arbeit von Andreas Ahne als Regieassistent unterstützt wird. „Wir feilen an jeder Kleinigkeit“, betont der 42-jährige Laienspieler.

Von morgen an, 7. Januar, werden die intensiven Proben zwei Mal in der Woche fortgesetzt. Premiere von „1848 – Freiheit für Oldesloe“ ist am Freitag, 15. Mai 2015 im Kulturhof des Bürgerhauses. Insgesamt werden bis zum 24. Mai neun Vorstellungen gezeigt.

Eintrittskarten gibt es im Vorverkauf beim Stormarner Tageblatt, Mühlenstraße 21. Weitere Infos gibt es auch im Internet unter: www.bad-oldesloe-macht-theater.de.

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