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Stormarner Tageblatt

13. Dezember 2017 | 21:50 Uhr

Müllverbrennung : Der Preis wird wieder heiß

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Kosten für die Müllverbrennung sind nach dem Tief wieder auf dem Weg nach oben. Die Betreiber der Anlage in Stapelfeld setzen auf Gewerbemüll.

Die Tiefstpreis-Zeiten in der Müllverbrennung sind vorbei. Weil es zu viele Anlagen und immer weniger Müll gab, hatten sich die Betreiber gegenseitig unterboten, um an zusätzliche Mengen für ihre Öfen zu kommen. Zeitweise waren die Preise auf dem Spotmarkt auf 40 Euro je Tonne gefallen. Mittlerweile sind sie wieder doppelt so hoch.

Auch bei der MVA Stapelfeld ging man vor zwei Jahren davon aus, dass die Öfen Ende 2016 abgeschaltet werden müssten. Stormarn und das Herzogtum Lauenburg hatten die gut dotierten Lieferverträge über 125  000 Tonnen jährlich, Hamburg über die doppelte Menge gekündigt. Da es in der Hansestadt noch drei weitere Verbrennungsanlagen gab und man die Müllmenge von einer Million auf 600  000 Jahrestonnen verringern wollte, entschied man sich, den Markt „neu zu ordnen“.

Von Vattenfall kaufte die Stadtreinigung Hamburg (SRH) vor einem Jahr die Anlage Borsigstraße und bei der MVA Rugenberger Damm wurde die Beteiligung auf 45 Prozent aufgestockt. Weil das bereits für 600  000 Jahrestonnen reicht, wurden die 40 Jahre alte Anlage Stellinger Moor geschlossen und die Verträge mit der ebenso alten MVA Stapelfeld gekündigt.

Für die Stormarner „Mülle“ mit einer Jahreskapazität von 350  000 Tonnen war die Ausschreibung der Abfallwirtschaft Südholstein deshalb so etwas wie der rettende Strohhalm. Die aus Stormarn und dem Herzogtum Lauenburg gelieferten Jahresmengen sind mit 70  000 bis 80  000 Tonnen zwar längst nicht mehr so groß, mit einer Laufzeit von acht bis zehn Jahren bot sich der MVA aber eine Kalkulationsgrundlage für die Zukunft.

Dass die Ausschreibung der AWSH genau in die Tiefpreisphase der Müllverbrennung fiel, war „nicht nur Glück“, sagt Geschäftsführer Dennis Kissel, „wir haben lange rumgeknobelt, wie und wann wir es machen.“ So sehr sich Kissel über günstige Konditionen für die AWSH freut, so sehr begrüßt er, dass die Preise „fast wieder im Normalzustand“ sind. Weil Verbrennen so günstig war, wurde nämlich weniger sortiert und verwertet. Kissel: „Insofern finde ich es gar nicht schlecht, dass jetzt die Geschäftsmodelle kaputtgehen, die nur auf billig gesetzt haben.“

Auch wenn die Hansestadt ab 2017 nicht mehr nach Stapelfeld liefert, sieht er durch die Schließung von Stellinger Moor durchaus Chancen für die MVA Stapelfeld: „Der Gewerbemüll, der in Hamburg verbrannt wurde, ist ja nicht verschwunden.“ „Wir sind durchaus optimistisch“, sagt EEW-Sprecher Peter Werz. Neben der AWSH liefert auch der Kreis Segeberg seinen Müll nach Stapelfeld, „und wir wollen mehr Gewerbemüll akquirieren“, so Werz. Auch importierter Müll aus England wird in der MVA verbrannt. Dort sind zwar Müllverbrennungsanlagen im Bau, nach Experten-Einschätzung wird die Abfallpolitik der EU aber für steigende Müllimporte sorgen, weil viele Länder die Abfallrahmenrichtlinie noch umsetzen müssen und 2020 ein EU-weites Deponieverbot in Kraft treten soll.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Abfallwirtschaft (DGAW) beurteilt die wirtschaftliche Situation der Verbrennungsanlagen als gut. Zurzeit seien die 80 deutschen Anlagen voll ausgelastet, und das soll tendenziell auch mindestens mittelfristig so bleiben. Als Gründe nannte DGAW-Präsident Thomas Obermeier auf einer Tagung unter anderem Deponierungs-Verbote in der EU, eine zunehmende Müllmenge durch erhöhten Konsum, Verstädterung und Flüchtlingsansturm, das geplante Verbot der landwirtschaftlichen Verwertung von Klärschlamm, und die Stilllegung von Kohlekraftwerken. Dort wird wie auch in Zementwerken Ersatzbrennstoff – sortierter Hausmüll – verbrannt. Angesichts des Ölpreistiefstands rechnet sich das aber kaum noch.

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