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Der Oldesloer Friedhof – Auf Spuren prominenter Bürger

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Stätte am Lindenkamp ist ein kleines Naturparadies, in dem auch viele bekannte Menschen ihre letzte Ruhe fanden

shz.de von
erstellt am 18.Okt.2017 | 09:50 Uhr

Ein Spaziergang über den Oldesloer Friedhof ist nicht nur erholsam, sondern auch spannend. Rund 5000 belegte Grabstellen beherbergt das parkartige Gelände an der Hamburger Straße zur Zeit. Mit seinem alten Baumbestand, einer Vielzahl von Azaleen und Rhododendren sowie Teichen, einem natürlichen Bachlauf und kleinen Hügeln und Senken ist der Friedhof nicht nur ein kleines Naturparadies, sondern auch die letzte Ruhestätte für die meisten Oldesloer. Der Friedhof wurde am 13. März 1881 eingeweiht – und damals lag er noch weit außerhalb der Stadt. Nach einigen Erweiterungen ist der Friedhof rund 16 Hektar groß und im Laufe der 136 Jahre seines Bestehens wurden rund 11000 Grabstellen angelegt.

  Mit seiner teilweise geschwungenen Wegeführung weist der Friedhof heute noch wichtige Elemente des im späten 19. Jahrhundert beliebten Parkfriedhofs auf und entwickelte sich zu einem Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen, auch seltene Bäume gedeihen hier.

  Der Friedhof ist beliebt bei Spaziergängern, bietet mit mehr als 50 Bänken viele Sitzgelegenheiten und ist damit auch eine besondere Begegnungsstätte. Jörg Lembke (42) ist auf dem Friedhof quasi zu Hause. Seit zwölf Jahren arbeitet er hier als Friedhofsverwalter, kennt jeden Winkel, jeden Baum und fast jedes Grab. „Die Bedeutung des Friedhofs hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. Friedhof kommt ja von einfrieden durch Mauern oder Zäune, um Ruhe reinzubringen“, weiß der Gartenbauingenieur. Ein Spaziergang lohnt hier immer. Läuft man über den Friedhof und studiert die Grabsteine und Kreuze, wird auch Zeitgeschichte erlebbar. Denn Friedhöfe unterlagen schon immer auch gewissen Trends, so dass die Gräber bestimmte Botschaften wiedergeben.

  Einige Gräber weisen Infotafeln auf, hier liegen Verstorbene, die entweder zu Lebzeiten oder posthum zu größerer Bekanntheit gelangten und mehr oder weniger Prominente waren.


„Der Seewolf“ im Familiengrab
Der bekannteste hier bestattete Prominente dürfte Raimund Harmstorf sein, der in den 1970er Jahren in dem Fernsehmehrteiler „Der Seewolf“ als Schauspieler zu großer Berühmtheit gelangte. Der 1939 in Hamburg geborene Schauspieler lebte auch einige Jahre in Bad Oldesloe, ging hier zur Schule und inzwischen ist auch eine Straße im Steinfelder Redder nach ihm benannt. Nach seinem Tod im Jahr 1998 wurde er auf dem Oldesloer Friedhof in einem Familiengrab beigesetzt. Raimund Harmstorf scheint auch 19 Jahre nach seinem Tod bei vielen Fans unvergessen zu sein. Jedenfalls deutet ein gerahmtes Foto des Schauspielers am Grab, das ihn in jungen Jahren zeigt, darauf hin. „Von deinen treuen Fans“ ist da zu lesen. Das Grab der Familie Harmstorf liegt abseits des Hauptweges, etwas versteckt hinter einer Hecke.

Erst Sozialgrab, dann Gedenktafel
Nicht weit entfernt davon macht eine Hinweistafel auf das Grab einen anderen prominenten Verstorbenen aufmerksam. Heino Jäger, der in der Kreisstadt am 7. Juli 1997 verstarb und zunächst in einem Sozialgrab anonym und ohne Grabstein bestattet wurde, wurde kürzlich an seinem 20. Todestag mit einer Gedenkfeier in der Friedhofskapelle geehrt. Der gebürtige Hamburger war ein genialer Satiriker, Kabarettist und Graphiker, der nach einem fast zehnjährigen Aufenthalt in einem Oldesloer Pflegeheim geistig verwirrt an den Folgen eines Schlaganfalls starb. Bekannt wurde er in den 1960er und 70er Jahren vor allem durch seine Hörfunk-Serien „Fragen Sie Dr. Jaeger“. Heino Jäger liegt in einem Ehrengrab, ein kleiner unscheinbarer Grabstein ziert es – vor einem Jahr wurde dann die Gedenktafel aufgestellt.
Mehrere 100 Bilder als Nachlass
Ebenfalls auf seine Weise genial, aber zu Lebzeiten ein unbekannter und kaum geschätzter Künstler war Carl-Christian Thegen. Der Hausierer und Pferdeknecht wurde in Bad Oldesloe geboren und auch begraben und er malte jede Menge Bilder, die nach seinem Tod in die „Naive Malerei“ eingingen und inzwischen hoch gehandelt werden. Thegen hatte keinerlei Ausbildung und malte einfach drauf los, manchmal wie besessen. In der Nacht vom 7. auf den 8. September 1955 starb Krischan Thegen nach einem Sturz von einem Heuboden, auf dem er übernachten wollte. Er hinterließ mehrere hundert Bilder. Beerdigt wurde Thegen zunächst anonym in einem Armengrab, doch Hugo Erdmann, der damalige Friedhofsgärtner, pflanzte eine Birke an sein Grab, so dass man es wieder finden konnte. Inzwischen wurden auch eine Gedenktafel und ein Grabstein aufgestellt.

Gedenkstein aus Muschelkalk
Und auch Else Wex-Cleemann war Künstlerin durch und durch. Sie wurde 1890 in Venezuela geboren, wuchs in Hamburg auf und studierte anschließend in Paris und Berlin Malerei, unter anderem bei Lovis Corinth. Nach ihrer Heirat mit Jan Cleemann, Studienrat am Oldesloer Gymnasium, lebte und arbeitete sie ab 1914 in der Travestadt. Sie malte Zeit ihres Lebens und starb 1978 in Bad Oldesloe. Zwischenzeitlich war die Grabstelle der Künstlerin abgelaufen, das Grab wurde abgeräumt und keiner kümmerte sich mehr darum. Aber Jörg Lembke und die Kirchengemeinde sorgten dafür, dass wenigstens der imposante Gedenkstein aus Muschelkalk erhalten blieb.

  Tyll Necker war als deutscher Unternehmer und Geschäftsführer der Oldesloer Hako-Werke sowie als Präsident des Bundes der Deutschen Industrie bundesweit bekannt, vor 16 Jahren starb der gebürtige Berliner und ist auf dem Oldesloer Friedhof in einem Familiengrab bestattet worden. Tyll Necker heiratete 1955 Karin Koch, die Tochter des Hako-Gründers Hans Koch. Maria Weber (geborene Proebsting), die Mutter von Tyll Necker, ist hier ebenfalls begraben.

Gustav Stoltenberg ist vielen alteingesessenen Oldesloern noch gut bekannt. Die Stoltenbergs stammen zwar aus Holstein, doch Gustav Stoltenberg wurde in den 1930er Jahren als Pastor nach Bad Oldesloe versetzt und arbeitete bis 1965 an der Peter-Paul-Kirche. Die Familie wohnte in der Salinenstraße. Berühmt und bekannt wurde der Sohn Gerhard Stoltenberg, der in Bad Oldesloe zur Schule ging und hier auch Abitur machte. Der spätere Ministerpräsident von Schleswig-Holstein wurde 1982 Bundesfinanzminister und 1989 Bundesminister der Verteidigung. Während seine Eltern Gustav und Christine auf dem Oldesloer Friedhof ihre letzte Ruhe fanden, wurde Gerhard Stoltenberg in Bad Godesberg beerdigt.

  Die Wege zu den Prominenten-Gräbern sind nicht ausgewiesen, der Besucher muss sich auf dem Friedhof auf die Suche begeben. Auf einige Grabstätten machen aber Gedenktafeln aufmerksam. Und natürlich gibt es noch viel mehr prominente und bekannte Oldesloer, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, wie etwa der Oldesloer Ehrenbürger Georg Axt (geb. 1850 in Oldesloe, gest. 1936) oder Theodor Burckhardt. Der Pastor der „Bekennenden Kirche“ leistete aktiven Widerstand gegen die Nazis und versteckte zeitweise jüdische Mitbürger in seiner Wohnung. 1945 floh er mit seiner Familie nach Bad Oldesloe und musste hier die meisten der 700 Opfer des Bombenangriffs im April 1945 in Massengräbern beerdigen. Auch die Bombenopfer haben inzwischen eine eigene Gedenkstätte auf dem Friedhof bekommen.












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