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Stormarner Tageblatt

17. Oktober 2017 | 08:34 Uhr

Firmenjubiläum : Der Mensch im Mittelpunkt

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Mit einer Zukunftswerkstatt zur Unternehmenskultur und Wissensgesellschaft feierte die Basler AG Jubiläum

shz.de von
erstellt am 24.Aug.2013 | 00:33 Uhr

25 Jahre – da stößt man normalerweise an und feiert ausgelassen. Die Basler AG dachte sich zum Jubiläum eine Zukunftswerkstatt aus, zu der man Geschäftspartner, Wegbegleiter und Unternehmer aus dem norddeutschen Raum eingeladen hatte. „Das Format ist ein Experiment und Wagnis für uns alle“, sagte Gründer Norbert Basler.

Es ging gut. Weil Basler eine Firma ist, die schon immer ungewöhnlich war. Als Student, mit 2000 Mark und einer „unscharfen Geschäftsidee“ war Norbert Basler. 1988 an den Start gegangen: „Dass es trotzdem gelungen ist, lag an den Menschen.“ Und nur dank deren Solidarität und Motivation konnte die Firma die Krisen durchstehen, auch die Krise 2001, als das Unternehmen nach guten Jahren in seiner Existenz gefährdet war und sich von den konjunturabhängigen Geschäftsbereichen verabschiedete und als Kamerahersteller neu erfand.

„Wir glaubten an den Erfolg, und die Mitarbeiter haben das Vertrauen belohnt“, so Basler. Dazu gehörten nicht nur Vorschläge, wie man Personalkosten senkt, sondern auch Ideen für die zukünftige Strategie. „Wir haben uns neu erfunden“, sagt Norbert Basler, „das haben wir der Belegschaft zu verdanken, ihrer Kreativität und Leistungsbereitschaft“. Nach 18 Monaten war der Turnaround geschafft, und das zahlte sich auch für die Mitarbeiter aus. Heute stellt Basler jede Woche fünf bis zehn Leute ein, hat 320 Vollzeitstellen, knapp 30 Azubis und Wirtschaftsstudenten und ist von roten Zahlen weit entfernt.

„Wir haben auf organisches Wachstum gesetzt, und das hat sich ausgezahlt. Beim Umsatz sind wir die Nummer zwei im Markt, und wir sind auf dem Weg die Nummer 1 zu werden. Basler macht jetzt 60 Millionen Euro Umsatz. 2016/17 sollen es 100 Millionen Euro sein“, so Vorstandsvorsitzender Dietmar Ley. Um das zu erreichen, seien nicht die Finanzen oder die Technologie entscheidend, sondern die Leidenschaft der Mitarbeiter.

Der Schlüssel für Erfolg – nicht nur in Krisenzeiten – sei die Unternehmenskultur, so Norbert Basler. Und zudem ein Wettbewerbsvorteil, weil sie nicht verordnet werden könne, sondern geübt und über einen langen Zeitraum gelebt werden müsse: „Für uns steht der Mensch im Mittelpunkt, und das ist nicht nur ein Lippenbekenntnis.“

In der Zukunftswerkstatt wollte man über das Thema „Erfolgsfaktor Unternehmenskultur“ diskutieren. Dafür hatte man Erik Händeler gewonnen. Der Journalist, Volkswirt und Autor bezeichnet sich Zukunftsforscher „weil ich so genannt wurde.“ Er hat sich mit der Theorie der langen Konjunkturwellen befasst, den so genannten Kondratieff-Zyklen.

Der russische Wissenschaftler ging im Gegensatz zu den marxistischen Theoretikern nicht davon aus, dass der wirtschaftliche Abschwung nach dem Ersten Weltkrieg die „Periode des allgemeinen Verfalls und des Untergangs des Kapitalismus“ eingeleitet habe, sondern die Folge einer zu Ende gehenden langen Konjunkturwelle war (Wofür er mit seinem Leben bezahlen sollte, denn für Stalin war ein Konzept, nach dem im Kapitalismus auf eine Depression ein Aufschwung folgt, konterrevolutionär).

Um nach Kondratieffs Theorie die Zukunftsfrage zu beantworten, müsse man fragen, was die nächste Knappheit sein wird, so Händeler. Bei der Dampfmaschine war es mechanische Arbeit, bei der Lokomotive Transportleistungen, beim Strom die überall nutzbare Energie, beim Auto die Mobilität. Entscheidend sei immer Effizienz und Produktivität gewesen. Die hatten zuletzt Computer und Handy gebracht, die mittlerweile aber normale Arbeitsgeräte seien.

Die nächste Knappheit werde nicht Energie sein, glaubt Händeler, sondern die Zusammenarbeit in der Wissensgesellschaft. „Informationen sind der einzige Arbeitsmarkt, der wächst.“ In einer immer komplexeren Welt komme es darauf an, Arbeit anders zu organisieren. „Eine Wissensgesellschaft hat viel mehr Schnittstellen, weil viel mehr Bereiche beteiligt sind.“

Dafür müssten sich die Hierachie-Ströme in Unternehmen verändern, weil „nur noch die Facharbeiter sich auskennen.“ Die Chefetage müsse das organisieren, Leitende müssten bereit sein zu Projektarbeit, bei der sie ins zweite Glied treten. „Waren und Dienstleistungen sind heute weltweit verfügbar. Der einzige Unterschied wird der sein, wie man mit Wissen umgeht.“

Bei Basler war Händeler an der richtigen Adresse. 100 Vorträge hält er im Jahr. „Dass eine Firma so tief, mit sechs Workshops einsteigt, habe ich aber nicht erlebt.“

 

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