Der Mann, der den Bürgern einheizt

Ulrich- E. Sievers sorgt dafür, dass die Häuser in Stapelfeld schön warm bleiben.
Ulrich- E. Sievers sorgt dafür, dass die Häuser in Stapelfeld schön warm bleiben.

Werkleiter der Fernwärmeversorgung sorgt für den reibungslosen Ablauf / Bis Ende 2016 laufen die Verträge mit der MVA

shz.de von
20. Januar 2015, 12:32 Uhr

Wenn die Heizung ausfällt oder sonst ein Defekt auftritt, rufen die Bürger Stapelfelds bei ihm an: Ulrich-E. Sievers ist der Werkleiter der Fernwärmeversorgung Stapelfeld und für den reibungslosen Ablauf verantwortlich.

Seit 1982 wird der Ort durch die Wärme der Müllverbrennungsanlage (MVA) beheizt. Seinerzeit wurde ein großes Rohrnetz durch den Ort gezogen. Das hat immer gut funktioniert, inzwischen ist die Anlage aber 30 Jahre alt und damit störanfälliger.

„Die technische Laufzeit beträgt etwa 40 Jahre“, erläutert Ulrich-E. Sievers. Immer mehr Rohrbrüche treten aber inzwischen auf. Anfang und Mitte 2014 waren viele Bürger betroffen von Riesenlecks, bei denen es aus der Erde dampfte. Je nachdem, wo ein Bruch der Leitungen auftritt, wird am Hauptverteiler oder in Nebenleitungen, abgesperrt, sodass manchmal auch das ganze Dorf überraschend keine Wärme bekommt.

Bis Ende 2016 laufen die Verträge mit der MVA noch, die inzwischen „EEW Stapelfeld“ heißt. Daher hat der Gemeinderat bereits über Alternativen diskutiert. Ein eigenes kleines Blockheizkraftwerk würde zwei bis drei Millionen Euro kosten. Nachdem jetzt „Hanse Werk Natur“ – ehemals Eon Hanse Wärme – ihr neues Blockheizkraftwerk (BHKW) fertig gestellt hat und auch die „MVA/EEW Stapelfeld“ über 2016 hinaus weiter Wärme durch Abfallverbrennung produzieren wird, wird es wohl bei der Versorgung mit Fernwärme durch die „MVA/EEW Stapelfeld“ bleiben. Im Gespräch ist man neuerdings auch mit einer Genossenschaft aus Hamburg über ein neues umweltfreundliches Wärmesystem-Konzept.

90 Prozent der Bürger Stapelfelds sind an die Fernwärme angeschlossen, der Rest ist Selbstversorger mit Öl, bei den Neubauten oft Erdwärme. Bis Ende der 90er Jahre herrschte Anschlusszwang, danach nicht mehr, das Netz ist fast vollständig ausgelastet. Es sind aber noch Reserven vorhanden, beispielsweise für das Neubaugebiet an der Schule. Bei Defekten ist nicht immer Zeit, zu informieren – so kommt auch mal Unmut auf.

Aufgrund der Umbauarbeiten bei der MVA/EEW Stapelfeld sind des Öfteren nachts Abschaltungen bis in die frühen Morgenstunden nötig. „Manchmal erwarten die Leute, dass man von Haus zu Haus geht und Bescheid sagt wie früher, aber dazu ist keine Zeit. Über die Internetseiten und die Aushängekästen wird informiert“, sagt Ulrich-E. Sievers, der viel mehr Stunden Arbeit investiert, als er es bei seinem Amtsantritt angenommen hatte. Die Leitung wurde ihm vom Gemeinderat, in dem er für die SPD sitzt, im Juni 2013 übertragen.

Sein Vorteil: Als früherer Verwaltungsbeamter und Rentenberater kennt er sich mit Verwaltungsvorgängen gut aus. Aktenführung, Besprechungen, Besuche und Schadensmanagement nehmen viel Zeit in Anspruch. „Ich gehe allerdings auch gerne vor Ort und schaue mir an, was los ist“, sagt Ulrich-E. Sievers. Die vielen Kontakte empfindet er als das Spannende seines Jobs.

In seiner Freizeit liest der pensionierte Beamte gerne Fantasyromane, Krimis und Agentengeschichten, macht mit seiner Frau Städte-Kurzreisen und gehört zur Decksmannschaft eines 113 Jahre alten Lotsenschoners in Wismar.

Mit der Rechnung Im Januar werden alle Fernwärmekunden auch über Preissteigerungen informiert. Der Gemeinderat beschloss in seiner Dezembersitzung 2014, den seit dem Jahr 2003 geltenden Anschlusspreis/KW wegen der vermehrten Reparaturen von 15 auf 17 Euro zu erhöhen.


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