Todendorf : Der letzte Glockenschlag

Todendorfer Kapelle: Einst als Autobahnkirche auf dem Gelände eines ehemaligem Teich erbaut, jetzt entwidmet, bald abgerissen.
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Todendorfer Kapelle: Einst als Autobahnkirche auf dem Gelände eines ehemaligem Teich erbaut, jetzt entwidmet, bald abgerissen.

Die Kirche ist nach einem feierlichen Gottesdienst entwidmet worden. An ihrer Stelle soll eine Feuerwehrgerätehaus errichtet werden.

shz.de von
20. Januar 2018, 08:00 Uhr

Es fällt n icht leicht, in einem Dorf den Verlust seiner Kirche zu erleben. Todendorf hat jetzt das letzte Kapitel seiner Kapelle besiegelt. Als ranghohe Repräsentanten des Kirchenkreises waren Bischöfin Kirsten Fehrs und Propst Hans-Jürgen Buhl gekomme,um Worte zu sprechen wie auch Pastorin Susanne Schumacher. Alle versuchten, der Wehmut Ausdruck zu verleihen und zugleich Trost und Zuversicht zu vermitteln.

„Es ist eine Entwidmung und keine Entweihung“, betonte der Propst einen grundlegenden Bedeutungsunterschied. Das irreführende Wort hatte er jüngst erst Bericht gelesen. Die guten Erinnerungen an das Gemeindeleben an diesem Ort würden bleiben. Etwa 80 Menschen hatten sich am Donnerstagsabend in dem vor 50 Jahren geweihten Gotteshaus versammelt. Die Glocken und die Orgel erklangen ein letztes Mal. „Am Ende treten wir bewusst über die Schwelle und orientieren uns nach vorn“, sagte Pastorin Susanne Schumacher. „Unser Glaube ist nicht an einen bestimmten Ort gebunden“, betonte Propst Hans-Jürgen Buhl. In der Kapelle hätten die Gläubigen Vertrautheit, Geborgenheit und Gemeinschaft gefunden. Jetzt gehe es ums Loslassen. „Ich bitte alle, sich zukünftig auf den Weg zur Kirche in Eichede zu machen“, appellierte Buhl. Dort werde auch Pastorin Schumacher in Zukunft amtieren.

„Unser Glaube ist voll Dynamik und nicht statisch“, sagte die Bischöfin, „die Zusage Gottes ist nicht an einen Ort gebunden.“ Mit diesem Abschied beginne ein neuer Anfang. In diesem kostbaren Gebäude sei in den vergangenen 50 Jahren viel Gutes und Spirituelles geschehen. Zwar gebe es viel Wehmut, es sei aber richtig jetzt weiterzuziehen. Die Entscheidung sei nach vielen Jahren des Abwägens und Nachdenkens gefallen, sagte Bischöfin Kirsten Fehrs. Es gebe Wasserschäden, das Dach weise Mängel auf, der Untergrund sei unsicher.

Es sei angesichts der Bodenverhältnisse 1967 eine architektonische Leistung gewesen, die Kapelle als Pfahlbau zu errichten, so Propst Buhl: „Wir hinterlassen eine Baulast, die nicht einfach zu bewältigen ist.“ Auf dem Gelände befand sich einst ein Teich. Jetzt möchte die Gemeinde Todendorf hier eine neue Feuerwache errichten. „Es ist eine glückliche Fügung, dass dieses Grundstück weiter für das Gemeinwesen genutzt wird“, so Bischöfin Fehrs. Das diene auch den Menschen im Dorf.

„Das finde ich nicht so berauschend“, sagte Bürgermeister Hans-Joachim Dwenger, „aber ich habe mich damit abgefunden.“ Man könne nichts ändern, was nicht zu ändern sei. Die kirchlichen Amtshandlungen finden jetzt in der Kirche zu Eichede statt. „Sie erhält eine neue Heizung, anschließend wird die Orgel restauriert“, so Propst Buhl. Er werde Pastorin Schumacher dort in ihr neues Amt einführen.




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