Reinbek : Der Lehrer mit der kalten Schnauze

Hier ist der Hund „Hahn im Korb“: Grundschüler mit Vierbeiner Bartók.
Hier ist der Hund „Hahn im Korb“: Grundschüler mit Vierbeiner Bartók.

An der Grundschule Klosterbergen gestaltet sich das Schulleben tierisch: mit dem Australian Shepherd Bartók.

shz.de von
04. Juli 2015, 15:57 Uhr

Die Grundschule Klosterbergen in Reinbek ist auf den Hund gekommen – genauer auf den Australian Shepherd Bartók. Bereits seit Februar gehört der Vierbeiner zum Schulleben dazu. Die Mädchen und Jungen sind begeistert.

Mit dem Schulhund sieht der Unterricht der Klasse 1a folgendermaßen aus: Der Vierbeiner kommt einmal pro Woche mit in die „Penne“. Schon vor dem Schulgebäude wird Bartók von vielen Kindern freudig begrüßt. Im Klassenraum darf der Rüde alle Kinder vor Beginn der Arbeit noch im Sitzkreis begrüßen. Auch wenn der Besuchshund anwesend ist, findet ganz „normaler“ Unterricht statt! Damit das klappt und sich alle Beteiligten sich wohl fühlen, gibt es einige Regeln, die die Kinder im Rahmen der Unterrichtseinheit zum Thema „Hund“ gelernt haben.

Wenn der Hund da ist, muss es z.B. im Unterricht noch leiser sein als sonst. Wenn die Kinder ganz still sind und fleißig arbeiten, fühlt er sich besonders wohl und oft wälzt er sich dann geräuschvoll auf dem Boden. Die Kinder bilden außerdem einen Hundedienst, der z.B. dafür verantwortlich ist, dass der Hund Wasser hat. Er soll in Zukunft auch dafür sorgen, dass Bartók nicht von zu vielen Schülern „belagert“ wird.

Während des Unterrichts liegt Bartók bereitwillig bei den Kindern, wenn sie schreiben. Einige arbeiten an den Tagen, an denen der Rüde in der Schule ist, besonders fleißig. Gern legt er sich auch zu den Kindern, die ihre ersten Geschichten lesen. Das ist sehr gemütlich. Natürlich bleibt immer auch etwas Zeit dafür, dass Bartók Kunststückchen vorführt. Dabei gibt er sich alle Mühe die Kommandos der Kinder zu verstehen. Das ist für ihn natürlich manchmal schwierig. Wenn ein Kind dabei noch nicht überzeugend genug auftritt, macht Bartók eben etwas anderes. So lernen die Kinder ihr Verhalten zu reflektieren und üben selbstbewusst und deutlich Anweisungen zu geben. Besonders schön ist, dass Kinder, die Angst vor Hunden haben, im Umgang mit dem Australian Shepherd viel über das richtige Verhalten gegenüber Hunden lernen. Jede Woche überwinden sie mehr von ihren Ängsten und sie entwickeln dabei Selbstbewusstsein und Freude. Nach der Schule ist der Rüde immer sehr müde. Jeden Tag könnte das Tier nicht zur Schule gehen.


Warum überhaupt ein Schulhund?
Es lassen sich viele positive Aspekte zum Einsatz von „Klassenhunden“ nennen:
>Die Nervosität der Schüler reduziert sich. Unruhige Kinder werden ruhiger

>Tiere im Klassenzimmer regen das Verantwortungsgefühl und Einfühlungsvermögen an. Die Kinder lernen, Rücksicht zu nehmen– nicht nur auf den Hund, sondern auch aufeinander.
>Durch die emotionale Hinwendung zum Tier entstehen positive Gefühle, die sich auf andere schulische Bereiche auswirken. Das Klassenklima wird positiv beeinflusst.
>Kinder können Erfahrungen im Umgang mit dem Hund sammeln und gegebenenfalls Ängste abzubauen.
>Die Kommunikation mit dem Hund oder über den Hund erhöht die Gesprächsbereitschaft auch der Kinder, die sich im Mündlichen stark zurückhalten.


Schulhund Bartók
Der speziell ausgebildete Bartók ist ein fröhlicher und gehorsamer Australian-Shepherd- Rüde. Er beherrscht eine ganze Reihe kleiner Tricks, an denen die Kinder viel Freude haben, ist sensibel und spürt, wenn Menschen Angst haben oder traurig sind und reagiert darauf freundlich und zurückhaltend.
Bartóks Frauchen ist Klassenlehrerin Silke Fischbeck. Sie hatte auch die Idee, ihren Vierbeiner mit an die Schule zu bringen. Kollegium, Schulamt, Schulträger und Eltern stimmten dem Projekt mit Bartók als Lehrkraft zu.






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