Der lange Weg der Langtunes aus Teheran zum Poggensee

Iranische Musiker mit einem Traum: Behrooz Moosavi (l.) und Kamyar Keramati    am Poggensee.  Foto: Nie
Iranische Musiker mit einem Traum: Behrooz Moosavi (l.) und Kamyar Keramati am Poggensee. Foto: Nie

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19. Juli 2013, 03:59 Uhr

Bad Oldesloe/Tehran | Er lachte über das ganze Gesicht, schüttelte die Haare kräftig zu dem pumpenden Bässen und war sichtlich bewegt - Behrooz Moosavi ist Musiker und Frontmann der iranischen Band Langtunes. Vor einigen Monaten hatten er und seine Bandkollegen Kontakt zu den Organisatoren des Oldesloer Klangstadt Open Airs aufgenommen.

"Wir haben einfach bei Facebook gesucht, wo wir spielen könnten und so kam der Kontakt zustande", erklärt Moosavi. Nach der Zusage durch den ProKlangstadt e.V. begann dann erst die echte Herausforderung. "Es hat uns ungefähr fünf Monate gekostet, alles so hinzubekommen, das wir nach Deutschland kommen dürfen", sagt der Frontmann. ProKlangstadt half mit der schriftlichen Bestätigung des Auftritts für die iranische Botschaft und das auswärtige Amt. "Es hat sich gelohnt. Wir sind so begeistert von dem Open Air hier. Wir hatten vorher schon einen Gig in Deutschland, aber dort waren die Leute nicht so offen und so bereit für unsere Musik", berichtet der iranische Sänger. "Hier auf dem Klangstadt Open Air gibt es eine tolle Mischung. Jeder kann er selbst sein, die Musik machen, die er machen möchte. So etwas fehlt im Iran. Wir bräuchten sehr viele dieser Festivals".

Er wolle nicht falsch verstanden werden. Der Alternative-Rock den seine Band mache, sei nicht direkt verboten in seiner Heimat. Es gebe aber keine Orte, wo man ihn spielen könnte - keine Jugendclubs oder Festivals wie hier. "Wir hatten einen Gig in Tehran, der nächste wurde dann abgesagt. Und Geld für Auftritt gibt es sowieso nicht", so Moosavi. "Ich möchte in einem Land leben, in dem ich sein kann, wer ich bin und die Musik machen, die ich machen möchte."

Kamyar Keramati, Gitarrist der Band, musste 5000 Dollar im Iran hinterlegen, um ausreisen zu dürfen. "Das ist ein Pfand, weil ich zum Militär muss", sagt er. Sein größter Traum sei es, den ehemaligen Gitarristen der amerikanischen Band Red Hot Chilli Peppers zu treffen. "Ich weiß, dass das irgendwann klappt", so Keramati. Nächstes Jahr wollen sie wieder am Poggensee dabei sein.

Bis Oktober werden die Langtunes auf Eurpa-Tournee bleiben. Dafür benötigt sie noch einige Gigs. Wer die hörenswerte Band unterstützen möchte oder Ideen für einen Gig hat, kann über www.facebook.com/langtunes Kontakt mit ihnen aufnehmen.

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