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Stormarner Tageblatt

21. Oktober 2017 | 07:50 Uhr

Kommentar : Der Kirchentag

vom

Zum Abschluss: "Unter Feigenbaum und Weinstock"

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2013 | 09:15 Uhr

Morgen geht er zu Ende, der 34. Deutsche Evangelische Kirchentag, der am 1. Mai mit den Eröffnungsgottesdiensten in der Hamburger Innenstadt und mit dem Abend der Begegnung begonnen hatte. "Soviel du brauchst" - das ist das Motto dieser kirchlichen Großveranstaltung. Es suggeriert, das jede und jeder das bekommen wird, was sie / er braucht, zum Leben braucht.

Aber sehen das wirklich alle Menschen so, dass sie das zum Leben bekommen, was sie brauchen? Sehen das wirklich alle Hartz IV-Empfangenden so, gerade auch die, die nach jahrzehntelanger Berufstätigkeit, wenige Jahre vor ihrem Ruhestand, auf "Hartz IV" angewiesen sind, weil sie von ihrem Arbeitgeber aus Kostengründen entlassen worden sind? Nein, natürlich sehen es nicht alle Menschen so!

Aber das ist ja auch das Anliegen des Kirchentages, dass Menschen in unterschiedlichen persönlichen und sozialen Situationen, mit unterschiedlichen Meinungen, mit einander ins Gespräch kommen, sich austauschen, durchaus auch kontrovers, miteinander um das ringen, was unserer Gemeinschaft insgesamt dient, eben auf Augenhöhe, damit wir miteinander im Gespräch bleiben, um unsere gesellschaftliche Wirklichkeit gemeinschaftlich gerecht und in Frieden gestalten können.

Es ist gut, dass der Kirchentag mit gemeinsamen Gottesdiensten eröffnet und mit einem gemeinsamen Gottes-dienst beschlossen wird. Denn bei allen gesellschaftlichen Fragen, die uns bewegen, geht es doch letztlich um Gott, um den, der das Ganze unserer Wirklichkeit in seinen lebensbewahrenden Händen hält, um den Gott, an den wir uns im Gebet wenden, auf den wir Menschen unsere Wünsche und Hoffnungen richten. Eben auf den uns nicht verfügbaren Gott, der letztlich Herr unseres individuellen und gemeinschaftlichen Lebens ist und bleibt.

"Soviel du brauchst" - ein gewagtes Motto in einer Zeit, in der auch in unserem Land sich die Schere zwischen "arm" und "reich" immer weiter öffnet, in einer Zeit, in der immer mehr Menschen meinen wahr zu nehmen, dass es ein zunehmend hierarchisches Gefälle zwischen "oben" und "unten" gibt, ja, gar eine Umver-teilung der materiellen Güter von "unten" nach "oben".

Wir werden - um Gottes Willen! - über die zukünftige Gestaltung unserer zunehmend globalisierten Welt miteinander im Gespräch bleiben müssen. Wir werden auf die Menschen Acht geben müssen, die sich ihrer persönlich-materiell schlechten Situation schämen und sich eben deshalb nicht hilferufend öffentlich äußern, und wir werden auf die stummen, so leicht überhörbaren Hilferufe derjenigen hören müssen, die in den großen Veränderungen unter die Räder zu kommen drohen, damit wirklich alle bekommen, was sie brauchen. Dieses gesellschaftliche, gerade auch innerkirchliche Gespräch wird weitergehen müssen, auch nach dem Ende dieses Kirchentages.

"Unter Feigenbaum und Weinstock" - unter diesem Motto wird morgen der Abschlussgottesdienst des 34. Deutschen Evangelischen Kirchentages im Hamburger Stadtpark gefeiert werden, und auch in der Schlosskirche Ahrensburg. Der Gottesdienst wird in der Schlosskirche "live" auf einer Großbildleinwand übertragen werden, so dass wir gemeinsam mit den Christen im Stadtpark feiern, hören und sehen, beten und singen können. Und wenn im Stadtpark das Abendmahl gefeiert wird, dann werden wir das auch in der Schlosskirche tun.

Eine herzliche Einladung an die, die zwar nicht persönlich an dem Gottesdienst im Stadtpark teilnehmen können, ihn aber trotzdem in gottesdienstlicher Gemeinschaft mit anderen feiern möchten. Beginn ist um 10 Uhr, das Einüben der Lieder beginnt um 9.30 Uhr.

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