zur Navigation springen
Stormarner Tageblatt

17. Dezember 2017 | 11:24 Uhr

Der Kinderbeauftragte zieht Bilanz

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Am wohlsten fühlen sich die Kinder in Großhansdorf und am anderen der Skala rangiert Bad Oldesloe

von
erstellt am 03.Jan.2014 | 00:31 Uhr

„Man darf sich nicht verzetteln“, hatte Carsten Stock schon gesagt, nachdem ihn der Jugendhilfeausschuss als neuen Kinderbeauftragten für Stormarn vorgeschlagen hatte. Ein bisschen hatte er es trotzdem getan. Kurz bevor der Kreistag ihn im Juni 2012 nominierte, hatte er sich zum Ortsvorsitzenden der Oldesloer SPD wählen lassen. Was bei einigen Kreispolitikern für Irritationen sorgte und ihn fast das Amt kostet: Mit nur einer Stimme Mehrheit wurde der Oldesloer zum Kinderbeauftragten gewählt. Was er nach einem Jahr im Amt auch bleiben möchte.

„Ich habe versucht, beide Aufgaben vernünftig auszufüllen, aber darunter hat die Familie gelitten. Als meine Frau kam und sagte, dass ich mir was überlegen soll, musste ich nicht lange nachdenken. Ich habe mich für die Kinder entschieden“, sagt der 43-Jährige. Den Vorsitz im SPD-Ortsverein will er im Frühjahr abgeben.

Als Kinderbeauftragter hat er sich viel mit Einzelfällen befasst, meistens Eltern, denen Hilfen nicht bewilligt wurden. „Ich habe mich förmlich aufgerieben und 20 bis 30 Stunden in der Woche damit beschäftigt“, sagt Stock, das sei eigentlich nicht die Aufgabe des Kinderbeauftragten, „aber ich möchte die Eltern oder Kinder auch nicht einfach so stehen lassen.“

Stock hat erstmals eine Bestandsaufnahme auf die Beine gestellt, wie sich die Stormarner Kinder fühlen, wie sie selbst ihre Familie und ihr Umfeld sehen. „Lebenswertes Stormarn“ heißt seine Befragung. Den Fragebogen („Er sollte möglichst einfach sein.“) hat Stock selbst entwickelt und mit der Schulrätin abgesprochen, bevor er an die 53 Schulen im Kreis ging.

Von den fast 26 600 Stormarner Kinder und Jugendliche haben 2501 die Fragen beantwortet. Fast drei Viertel der Bögen wurden von Elf- bis 16-Jährigen ausgefüllt. Am besten war die Beteiligung in Bargteheide und Bargteheide-Land, am schlechtesten im Süden des Kreises sowie in Nordstormarn. Gerade mal ein Prozent der Rückmeldungen kam von dort, und zwar nur aus Barnitz, Wesenberg und Westerau.

Am wohlsten fühlen sich die Kinder in Großhansdorf. 67 von 71 leben dort gern oder sehr gern. Auch Siek und Stapelfeld haben um 90 Prozent positive Antworten. Am anderen der Skala steht Bad Oldesloe. In der Kreisstadt lebt nicht mal jedes zweite Kind (47,7 Prozent) gern oder sehr gern.

Generell ist die Zufriedenheit umso größer je kleine die Kommune ist. Es gibt aber auch Ausnahmen. Grabau und Rümpel stehen ähnlich schlecht wie Oldesloe da, wobei die Zahl der abgegebenen Bögen natürlich gering war. Woher die eklatanten Unterschiede kommen, weiß Stock nicht, auch wenn „in Großhansdorf natürlich eine ganz andere Klientel lebt als in Oldesloe.“ Am Geld allein will er es aber nicht festmachen. Und als Oldesloer weiß er, dass die Kreisstadt „eine sehr engagierte Jugendarbeit macht. Aber wenn das nicht ankommt, müssen wir nacharbeiten. Wir können alle Ergebnisse auf Gemeindeebene auswerten“, so Carsten Stock.

„Was gefällt dir in der Gemeinde?“ wurden die Kinder und Jugendlichen gefragt. 23 Prozent nannten das Sportangebot, je 17 Prozent gefiel der respektvolle und freundliche Umgang miteinander und in der Gemeinde sowie das Angebot an Kitas, Schulen, Spielplätzen und Festen. Das Freizeitangebot wurde nicht ganz so gut bewertet (15,8 Prozent). Und beim Ferienangebot gab es mehr Kreuze bei „Gefällt nicht“ (15,2 Prozent) als bei „Gefällt“ (10,7 Prozent). Das Sportangebot bewerteten 9,2 Prozent als unzureichend, schlechten Umgang untereinander beklagten 10,5 Prozent. 9,9 Prozent beschwerten sich über den Umgang innerhalb der Gemeinde, unfreundliche Ältere, zu wenig Spielplätze etc.

Unter „Sonstiges“ wurden vor allem schlechte Bus- und Bahnverbindungen genannt, unfreundliche Busfahrer, zu viel Verkehr sowie fehlende Geschäfte und Restaurants genannt. Gezielt gefragt wurde nach einem Jugendtreff in der Gemeinde. 58 Prozent kannten ihn, was aber nicht hieß, dass er allen gefällt. 30 Prozent der Kinder wussten nicht, ob es einen Treff gibt, oder antworteten gar nicht,

Eklatanter sind für Stock die Antworten auf die Frage nach einem Kinder- und Jugendbeirat. Fast dreiviertel der Kinder (72,4 Prozent) wussten nicht, ob es so ein Gremium in ihrer Gemeinde gibt, Und von denen glaubten nur 33,7 Prozent, dass er bei Entscheidungen auch mit einbezogen wird. Mehr als die Hälfte gab es, es nicht zu wissen.

Entsprechen schlecht fiel das Ergebnis bei der Frage aus, ob sich die Kinder in ernst mit ihren Wünschen ernst genommen fühlen. Während das in der Familie fast immer (87,6 Prozent) und in der Schule häufig (44,7 Prozent) der Fall ist, sind es in den Gemeinden nur 27,8 Prozent. Für Carsten Stock ein „erschreckendes Ergebnis. Es sind so viele mit der Wahrung von Bedürfnissen der Kinder beschäftigt, dass ich davon ausging, dass es auch bei ihnen ankommen würden. Viele Aktionen scheinen aber einfach ins Leere zu laufen. Es ist nun unsere Aufgabe, herauszufinden, warum das so ist und ob man nicht andere Schwerpunkte setzen muss.“

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen