Reinbek/Kuddewörde : Der Kampf gegen die Fluten

Wie bestellt und nicht abgeholt: Ein schottisches Hochland-Rind in den „Stormarner Highlands“ zwischen Hoisdorf und Siek. Nicht mehr lange und der zottelige Vierbeiner holt sich auf der kleinen Insel kalte Hufe. Da möchte man am liebsten sagen: „Komm in die Hufe ...!“ Aber am Sonntag soll das Wetter endlich besser werden.
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Wie bestellt und nicht abgeholt: Ein schottisches Hochland-Rind in den „Stormarner Highlands“ zwischen Hoisdorf und Siek. Nicht mehr lange und der zottelige Vierbeiner holt sich auf der kleinen Insel kalte Hufe. Da möchte man am liebsten sagen: „Komm in die Hufe ...!“ Aber am Sonntag soll das Wetter endlich besser werden.

In der Stadt Reinbek bleibt die Hochwasserlage angespannt. Freiwillige Helfer sicherten mit einer Nachtwache die Grander Mühle in Kuddewörde.

shz.de von
06. Januar 2018, 08:00 Uhr

Dorfteiche sind übergelaufen. Straßen stehen unter Wasser. Keller und Garagen sind geflutet: Nach dem Sturmtief „Burglind“ setzt der Dauerregen auch Stormarn weiter zu. Von Sonntag an soll das Wetter aber besser werden.

In Reinbek bleibt die Hochwasserlage angespannt. Zwar habe der Pegel der Bille mit mehr als 2,20 Meter einen historischen Höchststand erreicht. Dieser steige aber derzeit nicht an, da seit dem Nachmittag kein kräftiger Regen mehr vom Himmel kommt, sagt Joachim Stanisch, Sprecher der Reinbeker Feuerwehr: „Oberstes Ziel für uns bleibt, die Bille muss im Bereich Reinbek fließen. Deshalb sind Boote des THW mit unseren Feuerwehrleuten im Bereich vor dem Schloss auf dem Wasser unterwegs, sammeln Treibgut, das den Wasserabfluss behindern könnte, aus der Bille und bringen dieses an Land.“ Eine Baufachberaterin des THW berät die Einsatzleitung vor Ort.

Aus den überfluteten Lagen im Süden Schleswig-Holsteins drückten zeitweise seit Donnerstag bis zu 70 000 Liter Wasser pro Minute in die Bille. Der Nebenfluss der Elbe drohte in Reinbek überzulaufen. Seit der Nacht haben Feuerwehrleute dort rund um die gefährdeten Gebäude im Uferbereich Sandsäcke verbaut.

Freiwillige Feuerwehrleute und ehrenamtliche Helfer des THW sind in Reinbek seit Donnerstagvormittag im Großeinsatz und ein Ende ist derzeit noch nicht in Sicht.

Gestern Morgen berichtete Ortswehrführer Hans-Jörg Haase: „Bislang können wir die Wassermassen abwehren. Unsere größte Sorge ist, dass am Wehr ein Pfropfen aus Treibholz entstehen könnte, der das Wasser staut. Dann herrscht in der unteren Bahnhofstraße Land unter.“

Mehrere Gebäude in Reinbek und in der direkt angrenzenden Gemeinde Wentorf im Kreis Herzogtum Lauenburg wären bei einem Überlauf bedroht. Einigen Häusern direkt am Bille-Ufer kam das Wasser bis gestern Vormittag schon gefährlich nah. Auch das Museum Rade direkt am Wehr ist bedroht, konnte bislang aber trocken gehalten werden. Haase: „Vier Mann sind regelmäßig im Einsatz und überwachen alles, außerdem klappt die Zusammenarbeit mit dem THW hervorragend.“

In Kuddewörde transportierten THW-Kräfte rund 60 Paletten mit Sandsäcken und unterstützten die eingesetzten Kräfte der Feuerwehr anschließend beim Bau eines Sandsackwalls zum Schutz der historischen Grander Mühle. Auch gestern wurden Pumparbeiten fortgeführt. Freiwillige Feuerwehrleute und ehrenamtliche Helfer des THW hatten an der Grander Mühle, die als älteste Korn-Wassermühle Norddeutschlands gilt, die Nacht zuvor bereits Wache gehalten. In dem historischen Gebäude ist heute ein italienisches Restaurant beheimatet, dessen Besitzer Leonardo Santoiemma aus Italien, sich noch mit Schrecken an die Hochwasser vergangener Jahre erinnert. Heiligabend 2014 drangen die Wassermassen in seinen Gastraum ein, richteten dabei immensen Schaden an und verhagelten dem Gastronomen obendrein das Weihnachtsgeschäft.

Das THW beobachtet die Lageentwicklung und steht in ständigem Kontakt mit den Einsatzleitungen der Feuerwehren und den THW-Fachberatern vor Ort. Bei Bedarf können weitere THW-Kräfte mit Pumpen und schwerem Gerät alarmiert und in den Einsatz gebracht werden.

Inzwischen konnten mehrere Einsätze beendet werden. In Lütjensee beispielsweise halfen THW-Spezialisten bei der Sicherung von zwei Reihenhäusern und leisteten umfangreiche Pumparbeiten.






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