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Stormarner Tageblatt

16. Dezember 2017 | 00:49 Uhr

Der Jäger – ein Naturfan

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Jäger im Kreis Stormarn stellen ihre Arbeit in einer Serie vom Stormarner Tageblatt vor. Im ersten Teil geht es rund um den Kreisjagdverband.

shz.de von
erstellt am 02.Dez.2015 | 00:32 Uhr

Der Jäger von heute lasse Wild wild sein, sagt Jan Fritzen, Vorsitzender des Kreisjagdverbands Stormarn. Was alles dazu gehört, soll eine Serie im Stormarner Tageblatt und im Markt zeigen. Teil 1: Der Kreisjagdverband und seine Aufgaben.

Steht im Wald, ist grün und hat einen Dackel dabei? Könnte ein Jäger sein oder auch ein Vorurteil. Nicht das Schlimmste, so nehmen sich die Jäger in ihren Foren selbst aufs Korn. Steht im Wald, ist orange und hat einen Jagdhund dabei. Ein moderner Jäger und immer noch mit etlichen Vorurteilen behaftet.

Der Kreisjagdverband (KJV) Stormarn kennt sie alle und will damit gründlich aufräumen. Der Verein organisiert nicht nur sieben Hegeringe „im Stormarner Revier“ – Ahrensburg, Bad Oldesloe, Bargteheide, Reinbek, Reinfeld, Tangstedt und Trittau – mit knapp 800 Jägerinnen und Jägern, die im Verband Mitglied sind. Der KJV arbeitet eng mit der unteren Jagdbehörde im Kreis und dem Kreisjägermeister, ein gewählter Vertreter der Jägerschaft, Klaus Klemm, zusammen, wenn es um Arten- und Naturschutz geht. KJV-Vorstand und Landrat sitzen mehrmals in Jahr an einem Tisch, um über Wildbestände oder Wildschäden und Verkehrssicherheit zu sprechen. Am selben Tisch sitzen auch Vertreter des Bauernverbands, der Forstwirtschaft und des Grundeigentümerverbands.

Da ging es zum Beispiel jüngst um Wildschäden an der A 21, konkret Rapsverbiss bei Leezen. Dort wurden daraufhin Abschüsse während der Schonzeit genehmigt. „Die Jagd ist ein gesetzlicher Auftrag“, erklärt Hendrik F. Löffler, Sprecher der Stormarner Kreisjägerschaft. Ziel der Hege und der Jagd sei der Artenreichtum. Der Jäger greife bei Überpopulationen ein.

Etwa 200  000 Rehe verenden in Deutschland im Straßengraben. 1,1 Millionen Rehe werden von Jägern erlegt. Damit wird quasi auch ihre „Verkehrsdichte“ verringert und mancher Unfall mit Wild verhindert.

Eine wesentliche Aufgabe der Jagdpächter ist es, verunfalltes Wild zu finden, um es nicht leiden zu lassen. In der Verkehrsleitstelle in Lübeck liegen jeweils Daten von drei kompetenten Kontaktpersonen pro Revier vor, die informiert werden können.

Die Jäger gehen dann in der Regel bei Tageslicht mit ihren Hunde auf die Suche nach verletzten Tieren. Nur an den drei Autobahnen durch Stormarn geht das aus Sicherheitsgründen nicht und auch an der B  404 wird kein Jäger und kein Hund mehr zu sehen sein. Zu gefährlich.

Die viel befahrene Bundesstraße ist ein großes Thema. Seit Jahrzehnten kämpfen die Stormarner Jäger um Wildquerungen. 2008 gab es sogar eine Zusage vom Land für eine Wildbrücke, die jedoch in ein Haushaltsloch fiel. „Für die B  404 gibt es noch viel Diskussionsbedarf“, sagt Jan Fritzen. Schon Wildzäune könnten helfen.

Der Vorsitzende des Stormarner Kreisjagdverbands, selbst seit zwölf Jahren passionierter Jäger mit eigener Pacht, sehe die Aufgaben eines Jägers zu zehn Prozent in der Jagd und zu 90 Prozent in Arbeiten wie dem Anlegen und Bewahren von Biotopen, in der Ausbildung, auch ihrer wichtigsten Helfer, der Hunde, in der Nachsuche, der Kitzrettung vor der Mahd. Der Verband hat in Stormarn etwa 80  000 Euro zur Verfügung, zum Beispiel für Zwischensaaten auf Landwirtschaftsflächen und Reflektoren an Straßenrändern.

Geduldige Tierbeobachtung kommt vor dem Schuss, denn der Bestand soll gesund und gut durchmischt von Tieren jedes Alters sein. Danach werde der Abschuss ausgewählt. Der Kreisjagdverband führt ein Wildkataster, im Fokus stehen derzeit „Neulinge“ wie Marderhund und Waschbär. Erfreulich sei die wachsende Hasenpopulation, nachdem sie Jahre lang wenig bejagt wurden, dafür Füchse und andere Jäger.

„Jeder Jäger ergreift in seinem Revier ganz persönlich Maßnahmen zur Biotophege und zum Naturschutz und weiß durch seine hohe Präsenz genau Bescheid über das Verhalten und das Befinden der Wildtiere. Hiervon nimmt die Öffentlichkeit aber weniger Notiz als von den Aktionen anderer Naturschutzverbände.“

„Das wollen wir ändern und mehr über unsere Arbeit im praktischen Naturschutz wie der Anlage von Hecken, Teichen oder Feldgehölzen berichten, da nicht nur das jagdbare Wild von diesen Maßnahmen partizipiert, sondern alle wilden Tiere“, sagt Jan Fritzen.

Der Kreisjagdverband bietet seinen Mitgliedern Informationsveranstaltungen, Schulungen und Schießübungen an. Ab 2016 wird es eine Nachweispflicht für regelmäßiges Schießen geben, darauf ist der Stormarner Verein vorbereitet. Bei der Trophäenschau, deren Name nahelegt, dass dort gezeigt wird, wer den größten Bock geschossen hat, gehe es vor allem um den pflichtgemäßen Streckennachweis und um Transparenz. Da müsse sich ein Jäger auch Kritik gefallen lassen, so Fritzen.

Um mehr Transparenz bemüht sich die Kreisjägerschaft nicht nur durch ihre neuen weithin sichtbaren Westen. Stormarner Tageblatt und Markt werden die Jäger im Kreis begleiten und beim Zählen der Hasen, bei der Ausbildung der Welpen, auf dem Hochsitz und bei der Suche nach Rehkitzen im Getreide dabei sein.

>Mehr zum Kreisjagdverband Stormarn auf www.kjs-stormarn.com

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