Der Herr der Bäume

Hans Andresen leitete viele Jahre eine Gartenbaumschule und ist ausgewiesener Baumexperte.
Hans Andresen leitete viele Jahre eine Gartenbaumschule und ist ausgewiesener Baumexperte.

Hans Andresen leitete viele Jahre eine Gartenbaumschule und ist ausgewiesener Baumexperte. Nun hat er eine Kartierung der öffentlich zugänglichen Bäume in Bargteheide vorgenommen und gut 3600 Laub- oder Nadelträger im Stadtgebiet dokumentiert. Eine neue Baumschutzsatzung, die derzeit im Gespräch ist, lehnt er indes ab.

shz.de von
15. März 2017, 16:10 Uhr

Es sieht fast so aus, als ob es eine neue Baumschutzsatzung für Bargteheide geben wird. Eine erkennbare Mehrheit im Ausschuss für Umwelt, Klima und Energie befürwortete jedenfalls einen entsprechenden Antrag der Grünen – prinzipiell. Einen Beschluss dazu gibt es jedenfalls noch nicht, auch die Details für einen entsprechenden Beschlussvorschlag müsste die Verwaltung noch erarbeiten. Letztendlich entscheidet die Stadtvertretung darüber.

SPD, Grüne und WfB und offenbar auch die FDP stehen dem Antrag positiv gegenüber. Es gab bereits eine Baumschutzsatzung in Bargteheide, die mit den Stimmen der CDU abgeschafft wurde. Deren Vertreter sehen sie auch heute skeptisch. „Eine Gängelung der Bürger und noch mehr Bürokratie“, befürchtet Friedrich Westerworth. Manch Gartenbesitzer messe jedes Jahr den Baumumfang, um noch rechtzeitig zur Säge zu greifen. „Es geht um den Baumschutz, nicht den Schutz der Wälder“, begründete Horst Loebus den Antrag der Grünen. Der Waldschutz sei ohnehin gesetzlich verankert. Den Grünen gehe es um große Bäume in der Stadt, ab welchem Stammumfang oder Durchmesser die Satzung gelten soll, könne ja noch diskutiert werden. Eine Fällung bleibe durch eine Ausnahmeregelung weiterhin möglich. „Wir haben schon vor Jahren für eine solche Satzung gekämpft, um die Artenvielfalt zu erhalten“, sagte Marion Luig-Wölffel (WfB).

So waldarm sei die Stadt nicht, findet Umweltbeauftragter Thomas Degenhardt: „Wir haben immerhin fünf Hektar im Bargteheider Moor angepflanzt.“ Etwa 20 Anträge auf eine Baumfällung würden jährlich gestellt. Schützenswert seien schon jetzt ortsbildprägende Bäume oder solche mit über 50 Zentimeter Durchmesser.

„Auf den Satellitenbildern von Google Earth sieht die Stadt doch sehr grün aus“, so Westerworth. „Da müssten sie aber näher an die Bilder herangehen, dann sehen sie die vielen Thuja- und Kirschlorbeerhecken im Stadtgebiet“, sagte Manfred Adam (FDP) dazu. Walter Laskowski (SPD) verwies auf den Rückgang durch die Generationswechsel der Eigentümer in den vergangenen Jahrzehnten: „Viele einst grüne Flächen sind heute gepflastert.“

Die CDU meldet noch Beratungsbedarf in der Fraktion an und so wurde eine Vertagung beschlossen. Zehn Ausschussmitglieder stimmten dafür, bei einer Enthaltung und einer Gegenstimme „Wir haben eine Stunde lang darüber diskutiert, warum noch länger warten?“, so Horst Loebus. „Vielleicht bilden wir uns ja noch eine andere Meinung, wenn uns das Baumkataster von Hans An  dresen vorliegt“, sagt Daniela Rein (CDU).

Hans Andresen hat in einer Fleißarbeit alle Straßen- und andere öffentlich zugängliche Bäume in Bargteheide kartiert. Über 3600 Laub- oder Nadelträger im Stadtgebiet sind damit dokumentiert. Erstmals kann der Gartenbauexperte seine Arbeit jetzt in die Kommunalpolitik einbringen. Am Straßenrand, auf Kirch- und Friedhof sowie in Parks hat Hans Andresen 3182 Laubbäume gezählt. Private Gärten, das Gebiet Malepartus und Nadelbäume sind dabei nicht eingeschlossen. Damit habe sich die Anzahl im Vergleich zur letzten Zählung 2002 erhöht.

Bargteheide ist noch immer eine Linden-Kommune. 1190 Exemplare hat Andresen gezählt. An zweiter Stelle folgen 510 Eichen danach 398 Baumahorne, 204 Birken und 175 Rotbuchen. Besonderheiten seien die Platanen an der Bahnhofstraße und eine Marone auf dem Markt. Auch die Trauerrotbuche und ein Walnussbaum auf dem umstrittenen Gelände des so genannten „Krähenwalds“ hebt er hervor. Drei Wochen lang war der Baumfachmann dafür im vergangenen Jahr unterwegs – meist zu Fuß.

Andresen selbst lehnt eine Baumschutzsatzung für Privatgrundstücke ab: „Gartenbesitzer sollten eigenständig darüber verfügen können.“ Etwa wenn die Wurzeln in die Kanalisation oder in die Fundamente eines Gebäudes eindringen.

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