Bad Oldesloe : Der harte Job der Männer in Orange

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Es ist eine wichtige Arbeit – aber auch eine gefährliche und mitunter undankbar. Ein Besuch bei den Männern der Straßenmeisterei – auf der Autobahn.

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11. Januar 2018, 15:23 Uhr

„Insbesondere im Winter bekommen wir Nackenschläge“, sagt Jörg Becker, Leiter der Autobahnmeisterei Bad Oldesloe, und meint die Autofahrer. Die überholen schon mal ein Streufahrzeug und beschweren sich, wenn sie anschließend ins Schleudern kommen, dass ja nicht gestreut war. Sehr beliebt sei es auch, sich zwischen die Fahrzeuge der Meisterei zu drängeln oder die Rettungsgasse wieder dicht zu machen, nachdem die Polizei durch ist. Und manche kommen auch schon mal ins Büro gestürmt, um sich lautstark zu beschweren, weil die Autobahnmeisterei ihrer Ansicht nach einen Stau verursacht.

Dabei haben die Männer in orangefarbenen Warnwesten nicht nur einen harten, sondern zudem einen gefährlichen Job, wenn sie auf der Autobahn arbeiten. Vor allem bei der Mittelleitplanke. Auch wenn nur ein Element repariert werden muss, ist dafür ein „Wahnsinnsaufwand für die Sicherung“ notwendig, so Becker. Und etwa einmal im Jahr übersieht ein Pkw- oder Lkw-Fahrer auch mal eine Absicherungstafel oder einen Anhänger, auch wenn der mit Warnblitzern und Schild ausgestattet ist. Wobei natürlich auch nachts gearbeitet wird. Nicht nur bei Unfällen oder Schnee, sondern auch, wenn die Fugen zwischen den Betonplatten erneuert werden müssen. Der Asphalt hält nur rund zehn Jahre, die A1 zwischen Hamburg und Lübeck stammt auf den ältesten Abschnitten aus dem Ende der 1970er Jahre.

„Wir haben die A1 in den letzten Jahren größtenteils saniert. Nur im Abschnitt im Bereich Sylsbek ist die Fahrbahn älter als 40 Jahre“, sagt Jens Sommerburg, Leiter des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr in Lübeck. Er war jüngst mit dem Staatssekretär Thilo Rohlfs aus dem Verkehrministerium in Oldesloe, der sich über den Ablauf und den Alltag in der Autobahnmeisterei informieren wollte.

27 Mitarbeiter sind für Unterhaltung und Instandsetzung im Einsatz, „24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche“, so Becker. Neben ihm gibt es nur noch einen Techniker und die Sekretärin. An zwei Stellen wurde an diesem Tag gearbeitet: Bei Bad Schwartau und auf dem ältesten Abschnitt der A1 zwischen Oldesloe und Bargteheide.

Um zu verhindern, dass aus kleineren Rissen und Schlaglöchern großflächige Schäden werden (wie es vor wenigen Jahren mal der Fall war), müssen die Stellen ausgesägt, aufgefräst und wieder verfüllt werden. Das funktioniert mit über 200 Grad heißen Guss-Asphalt auch bei kalten Wetter, solange es trocken ist. Auch wenn dafür viele Fahrzeuge der Meisterei im Einsatz sind, geschieht das meiste immer noch in Handarbeit – unter erschwerten Bedingungen nur rund 50 Zentimeter von den vorbeirauschenden Lkw und Autos entfernt.

„Hier muss jeder immer für den anderen mitdenken“, sagt Becker. Auch wenn die Mitarbeiter regelmäßig geschult werden, wird tägliche Arbeit schnell zur Routine, bei der man die Vorschriften auch vergessen kann. „Ich bin immer heilfroh, wenn die Mannschaft abends wieder heil drin ist“, sagt Becker.

„Ich möchte gerne deutlich machen, wie wichtig und gefährlich der Job ist“, sagt Staatssekretär Rohlfs nach dem Besuch der Baustellen. Bei Heide kam kürzlich ein Mitarbeiter auf der Autobahn ums Leben. In Stormarn hatte Anfang Dezember ein Lkw ein Streufahrzeug überholt und wollte direkt danach auf die Raststätte Trave fahren. Das ging schief: Der 25-Tonner landete in den Schutzplanken und kippte schließlich um. Der Fahrer kam ins Krankenhaus, aus dem Lkw-Tank liefen bis zu 400 Liter Diesel aus.

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