Krätze in Stormarn : Der Feind unter der Haut

Krankheitsfälle mit Krätzemilben nehmen in den letzten zwei Jahren deutlich zu.

Krankheitsfälle mit Krätzemilben nehmen in den letzten zwei Jahren deutlich zu.

Gesundheitsamt der Kreisverwaltung Stormarn gibt bekannt: Vermehrte Krätze-Ausbrüche im Kreisgebiet

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16. November 2017, 06:00 Uhr

Bad Oldesloe | Sie kommt schleichend, bleibt oft wochenlang symptomlos und unbemerkt: Die Krätze oder auch „Skabies“ in der medizinischen Fachsprache. Mit unerträglichem, sehr hartnäckigem Juckreiz und Ausschlag plagt die durch die Krätzmilbe verursachte Hautkrankheit die Betroffenen. Das Gesundheitsamt der Kreisverwaltung Stormarn schlägt nun Alarm: Seit einigen Monaten treten im Kreisgebiet gehäuft Krätze-Ausbrüche auf. „Gerade in den vergangenen 24 Monaten haben die Meldungen deutlich zugenommen“, sagt Dr. Jörg Günther, Facharzt für öffentliches Gesundheitswesen. Eine derartige Häufung der Fälle habe man in den Jahren zuvor so noch nicht feststellen können.

Besonders tückisch: Bis zu den ersten Zeichen einer Ansteckung können zwei bis fünf Wochen vergehen, in denen die Milben bereits weiter übertragen werden können. Beim Befall gräbt sich die Skabiesmilbe in die oberste Hautschicht und vermehrt sich dort. Eine allergische Reaktion des Körpers auf Bestandteile der Milbe löst schließlich den Juckreiz aus, der sich nachts bei Wärme und in der Heizungsluft deutlich verstärkt. Betroffen sind vor allem weiche Hautteile, zum Beispiel Fingerzwischenräume, die Achseln und der Genitalbereich.

Maßnahmen beim Krätzebefall

 Bei Symptomen Aufsuchen eines fachkundigen Arztes

 Behandlung mit einer geeigneten Salbe oder Tabletten

 Nach Bestätigung des Befalls ergänzende Umgebungsmaßnahmen zur Beseitigung der Milben: Zum Beispiel Wäsche waschen, Gegenstände reinigen

 Mitbehandlung enger Kontaktpersonen (zum Beispiel Familienangehörige)

 Vorsichtsmaßnahmen zur Vorbeugung in offenen Einrichtungen

Trotz der problematischen Verbreitung der Milben gibt es keinen Grund zur Panik: Es ist ein Hautkontakt von mindestens fünf bis zehn Minuten nötig, um sich bei einer betroffenen Person anzustecken. „Der Begrüßungskontakt ist bei weitem nicht ausreichend, für den normalen Alltag bestehen keine Einschränkungen“, erklärt Dr. Günther. Auch kann die Skabies relativ einfach behandelt werden: Zumeist kommt eine geeignete Creme zum Einsatz, in alternativen Fällen Tabletten. Hier kommt es derzeit jedoch nach Angaben des Herstellers und des Bundesamtes für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) wegen einer genehmigungspflichtigen Umstellung des Herstellungsverfahrens zu einem Lieferengpass für dieses Medikament.

Wacker hält sich auch das Gerücht über mangelnde Hygiene als Ursache für die Krätze. Die Ermittlungen des Gesundheitsamtes vor Ort haben jedoch ergeben, dass eine Ausbreitung nicht generell auf einen Hygienemangel zurückzuführen ist. Ganz im Gegenteil gibt es eine Form der Krätze, bei der die Betroffenen eine intensive Körperpflege betreiben. Begünstigend für den Ausbruch von Krätze ist das „viel und eng Zusammenleben“, so Dr. Günther.

Besonders betroffen sind daher Einrichtungen, in denen sich eine große Anzahl von Menschen aufhält, wie etwa Kindergärten, Schulen und Pflegeheime. Bei Bestätigung des Milbenbefalls durch eine fachkundige Ärztin oder Arzt müssen ergänzend Umgebungsmaßnahmen zur Beseitigung der Milben in der Wäsche und den sonstigen Gegenständen durchgeführt werden, mit denen eine betroffene Person in Kontakt gekommen ist. Personen, die im gleichen Haushalt leben oder die häufig einen engen körperlichen Kontakt zur betroffenen Person haben, sollten sich unbedingt vorbeugend behandeln lassen, um eine Weiterverbreitung der Milbe zu verhindern.

In den betroffenen Einrichtungen kann es vorübergehend notwendig sein, den Besuch durch geeignete Vorsichtsmaßnahmen zu regeln. Diese sollen auf jeden Fall beachtet und eingehalten werden, denn hierdurch wird ein zusätzlicher Schutz für die Bewohner, aber auch für die Besucher und Mitarbeiter in den Einrichtungen angestrebt. Für weitere vorbeugende Maßnahmen sei es zusätzlich wichtig, sich Wissen für die Krankheit anzueignen, so Dr. Günther: Weitergehende Infos können auf der Webseite www.infektionsschutz.de abgerufen werden. Bei Fragen stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Infektionsschutz des Gesundheitsamtes Oldesloe zur Verfügung.ank/st

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