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"Stormarner Wochenschau" : Der eine darf, der andere nicht

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erstellt am 04.Mai.2013 | 09:13 Uhr

So viel du brauchst Da kann man mal sehen, was es für Unterschiede gibt: In der Oldesloer Kirche, also der evangelischen, wird der direkte Kontakt von Mensch zu Mensch gepredigt. Bloß keine Musik von Konserve, das muss alles Auge in Auge, ganz individuell ablaufen. Ja, kann man so sehen, muss man aber nicht - deshalb will der Kirchenvorstand darüber ja auch mal ein Jahr lang gründlich nachdenken. Nur in paar Kilometer von Oldesloe entfernt, ist man mental auf einem anderen Pfad. In der Ahrensburger Schlosskirche hat man kein Problem damit, sich Erleuchtung und Heiligen Geist auch über Satellit oder andere Leitungen ins Haus zu holen. "Public Viewing", bei der Ersatzreligion Fußball längst gang und gäbe, auf Großbildleinwand wird dort angeboten: Die Schlosskirche zeigt am Sonntag die Übertragung des Abschlussgottesdienstes vom Kirchentag. Immerhin, gesungen wird dann doch noch live und damit das auch wirklich klappt, lädt die Gemeinde eine halbe Stunde vorher zum gemeinsamen Üben ein.

Aber mal ganz ehrlich: Der Kirchentag wird vor unserer Haustür gefeiert. Wer sich dafür auch nur im Ansatz interessiert und nicht nach Hamburg fährt, dem ist nicht zu helfen. Denn es gibt Sachen, die muss man einfach live erleben - Kirchentag gehört mit Sicherheit dazu. Da mischt auch die Oldesloer Gemeinde aktiv mit: Heute Nachmittag, von 14.30 bis 16 Uhr wird am Mittelweg die aktuelle Musical-Inszenierung aufgeführt. Natürlich live.

Zweite Klasse Deutscher mit oder ohne Migrationshintergrund, EU-Bürger, Asylbewerber, voll integriert oder eigenbrötlerisch, mit guten oder nur rudimentären Deutschkenntnissen - für mehr oder weniger aktive Beteiligung an der Kommunalpolitik gibt es viele Hürden. Eine davon will die SPD jetzt abbauen, sie hat ihr Wahlprogramm erstmals in verschiedene Sprachen übersetzen lassen. Interessiert das jemanden? Nun, das dürfte schwer davon abhängen, welchen Pass man hat. Das muss schon bitter sein, hier zu leben, hier zu arbeiten, hier seine Steuern zu zahlen und trotzdem zu hören zu bekommen: Deine Meinung interessiert uns nicht! So deutlich wird es natürlich niemand sagen, aber wenn es um die Frage des Wahlrechts für Ausländer geht, tun sich eben doch sehr schnell deutliche Unterschiede auf - leider immer noch.

Wo er Recht hat Sch...! Da hat uns Karl-Reinhold Wurch von der FDP ja eiskalt erwischt. In die Stormarner Wochenschau der vergangenen Woche hat ein Kollege eifrig einen Satz hineinredigiert, der da nicht hingehörte. Im Zusammenhang mit dem theatralischen Auszug einiger Fraktionen während der Stadtverordnetenversammlung aus der Festhalle hatte dort gestanden: "Und das alles unter den Augen des elften Jahrgangs der TMS." Der alte Politfuchs der FDP hatte natürlich mitbekommen, was sich da hinter seinem Rücken abspielte. Leidensfähigkeit und Sitzfleisch der Jugend von heute sind gering, die Schüler waren zu dem Zeitpunkt fast alle längst weg. Tja, Pech gehabt, sie haben das Beste verpasst. Und wir hatten einen Fehler im Blatt. Sorry.

In der Sache, so Wurchs Argumentation, habe Rot-Grün versucht, seine Abwesenheit zu nutzen, um etwas durchzudrücken, was aber nicht zulässig war. Schließlich sei über den Antrag zum Ankauf des Landwirtschaftsschul-Grundstücks bereits abgestimmt worden. Da hat er Recht. Die Verwaltung hatte es ja auch irgendwann gemerkt - aber da waren eben schon viele draußen. Was allerdings die Frage aufwirft, warum das, was im Oldelsoer Bauausschuss noch ein Tagesordnungspunkt war, nämlich Sozialer Wohnungsbau im Allgemeinen und der Ankauf des Grundstücks neben der Oase als konkrete Maßnahme, plötzlich getrennt wurde. Und dann auch noch im nichtöffentlichen Teil landete. Dabei weiß inzwischen doch eh jeder, dass die Stadt die Fläche kaufen will und was der Verkäufer sich als Preis vorstellt. Lediglich die Befangenheit von Notar Wurch war neu. Bei einigen dürften daraufhin die Alarmglocken geklingelt haben.

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