SHMF in Bargteheide : Der barfüßige Star-Tubist

Zwischen Büchern und Tuba: Andreas Martin Hofmeir.
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Zwischen Büchern und Tuba: Andreas Martin Hofmeir.

Andreas Martin Hofmeir überrascht die Zuhörerschar bei seinem Auftritt im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals.

shz.de von
31. Juli 2014, 16:42 Uhr

Viel Kulisse und Aufwand benötigte Andreas Martin Hofmeir nicht für seinen Auftritt: ein Stuhl, ein Tisch, ein Mikrofon, ein paar Bücher sowie ein kleiner Verstärker für seinen Mitmusiker Guto Brinholi. Hofmeir brachte naürlich seine Tuba mit, der Brasilianer Brinholi seine halbakustische Gitarre und fertig waren alle Zutaten für einen Abend des Schleswig-Holstein Musik Festivals im Kleinen Theater Bargteheide.

War es komplett gespielt oder doch tatsächlich auch ein wenig echtes Erstaunen, als Hofmeir gleich zu Beginn verwundert fragte, was genau die Besucher bitte motiviert habe, Karten für einen Solo-Tuba-Abend zu kaufen. Unter dem Gelächter der Anwesenden schraubte er die Erwartungen immer weiter runter. „Sie denken, dass es ganz lustig wird. Das versichere ich Ihnen: das wird es nicht“, sagte er mit bayerischem Dialekt. Denn seine Geschichten, die er nun vortragen werde, seien schließlich traumatische Erlebnisse.

Und auch um die musikalische Gestaltung sei es nicht sonderlich amüsant bestellt. „Vielleicht haben sie gehört, dass wir heute brasilianische Kompositionen spielen und da haben sie gedacht, dass das fröhlich wird. Auch da muss ich Sie enttäuschen. Wir spielen brasilianische Liebeslieder und die sind immer melodramatisch“, kündigte er an.

Und während einige Zuschauer sich nun tatsächlich schon etwas irritiert anschauten, legte er mit seinen Anekdoten aus dem Leben als Tubisten los. Und schnell war klar, dass es natürlich ein unterhaltsamer Abend werden würde. Der Oberbayer Hofmair, der vielen Musikfans als Tubist der Band La Brassa Banda bekannt ist, kokettiert geschickt mit seinem angeblich nicht vorhandenem Übungseifer und mit der angeblichen Langeweile, die eine Tuba musikalisch verbreite. „Kann bitte die Gitarre auf meinem Monitor etwas leiser, ich höre so viel Tuba – und wer will das bitte schon?“, lautete nur einer der zahlreichen selbstironischen Seitenhiebe in seinem Programm.

Ganz im Stil eines Helge Schneider – wenn auch viel weniger dadaistisch – versteckte Hofmair sein virtuoses musikalisches Können zwischen lustigen Lesungsbeiträgen und selbstgeschriebenen Gedichten, die auch beim Bargteheider Gastspiel einen Großteil des Abends füllten. In seinen Erzählungen rückte er auch das Orchesterleben in ein für manche Zuhörer neues Licht.

Da interessiert es den Tubisten eben viel mehr, wo der Biergarten ist oder allgemein sind die Musiker auf Reisen sehr an Pausen und den Gelüsten eines Trinkgelages interessiert. Und er selbst sei an die Klassik immer sehr „unbeleckt“ herangegangen. „Das erste Mal, dass ich ein Orchester hörte, war der Moment, in dem ich mitspielte“, sagt er. Das gelte auch für die Berliner Sinfoniker. „Als ich von denen das erste Mal hörte, spielte ich mit“, so Hofmeir. Ob das alles so stimmt, blieb offen. Der Protagonist selbst wurde nicht müde, immer wieder zu betonen, dass alles, aber auch alles, was er erzähle, ganz genau so passiert sei.

Der Großteil des Publikums hing an seinen Lippen, beklatschte jede geschickt gesetzte Pointe eifrig und kam bei seinen musikalisch-virtuosen Beiträgen ins Schwärmen. Hofmeir präsentierte sich als Wanderer zwischen den Welten. Ganz so halt, wie er es auch im Berufsalltag macht, zwischen der La Brassa Banda im Unterhaltungsmusiksektor und seinen Engagements im Klassikbereich der ernsten Musik. Im Kleinen Theater wandelte er leicht- und vor allem barfüßig zwischen Komik und anspruchsvoller Musikdarbietung.

Manchem Zuschauer war der Anteil der Komik zu groß. Es sei schließlich das Schleswig-Holstein Musik Festival und keine Comedyshow, war in der Pause als Kritik zu hören. Einige wenige Gäste traten in der Unterbrechung daher auch die Heimfahrt an.

Außerdem fühlten sich manche Besucher ernsthaft auf den buchstäblichen Schlips getreten, als Hofmeir sie fragte, ob sie schon mal in einem klassischen Konzert waren und ob sie wüssten, was Avantgarde bedeutet. Doch wer mit solchen kleinen Spitzen nicht klar kam, der war an diesem unterhaltsamen Abend tatsächlich sowieso fehl am Platz. Hofmeir kann gut über sich selbst lachen und erwartet das auch von seinem Publikum.

Für die Veranstalter war sein Auftritt ein voller Erfolg. Das Kleine Theater war ausverkauft, die deutliche Mehrheit der Zuhörer begeistert und auch dem Auftretenden selbst schien es Spaß gemacht zu haben.

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