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Der „Apfel-Willi“ hat seinen Wochenmarkt fest im Griff

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Seit drei Jahren ist Willi Nagel Marktmeister auf dem Oldesloer Wochenmarkt, wo er auch mal Streit schlichtet

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2014 | 10:42 Uhr

Viele Oldesloer kennen und schätzen ihn, ihren „Apfel-Willi“. Wer mittwochs oder sonnabends auf den Wochenmarkt geht, kommt an seinem Obststand nicht vorbei, denn kein anderer hat so viele Apfelsorten und ein so lautes und herzhaftes Lachen wie Willi Nagel. Was nur wenige wissen: Seit drei Jahren ist der Obstbauer auch Marktmeister und das gibt ihm das Recht, auf „seinem“ Wochenmarkt für Recht und Ordnung zu sorgen und, falls nötig, hart durchzugreifen.

„Er darf sogar Leute des Platzes verweisen, wenn sie unangenehm oder aggressiv auffallen, aber das kommt nur sehr selten vor“, sagt Birgit Winzler, 1. Vorsitzende der Marktgemeinschaft Bad Oldesloe. „Iss frisch“ heißt das Motto der Marktgemeinschaft und dafür sorgen zur Zeit 27 Marktbeschicker, zumeist Familienbetriebe aus der näheren Umgebung.

War früher ein städtischer Angestellter, nämlich Ehrenfried Rautenberg, als Marktmeister für alles Organisatorische zuständig, so liegt dies jetzt in den Händen der Marktbeschicker selbst, die deshalb einen vierköpfigen Vorstand wählten, um die Aufgaben zu verteilen. Birgit Winzler kümmert sich um alle Kontakte zu öffentlichen Stellen, die Stelle des 2. Vorsitzenden, in dessen Händen das Vereinsmarketing und die Werbung nach außen liegt, ist zur Zeit vakant. Das Amt des Kassenwartes übernahm Thomas Burmester, der viel Vertrauen genießt. Zunächst wollte niemand das Amt des Marktmeisters übernehmen, bis die Wahl auf Willi Nagel fiel, weil er auch in der Vergangenheit bei Meinungsverschiedenheiten als souveräner Schlichter auftrat, wenn sich die Händler mal nicht einigen konnten.

„Er ist sehr ausgeglichen, immer gut gelaunt und kennt hier jeden“, lobt Birgit Winzler den Marktmeister. Und wenn es mal Stress gebe, dann darf er dazwischen gehen. „Bei den Metzgern muss ich vorsichtig sein, die haben scharfe Messer“, lacht Willi Nagel, der seit 34 Jahren auf dem Oldesloer Wochenmarkt steht und damit hier fast der Dienstälteste ist. Man duzt sich und für jeden Kunden hat er einen netten Spruch parat. Der 58-Jährige wohnt in Hollern-Wöhrden im Alten Land, wo er zwei Obstbaubetriebe hat, die er gemeinsam mit seiner Frau Andrea und Sohn Jan als Familienbetrieb in 5. Generation bewirtschaftet. Er produziert Obst, zumeist Äpfel, aus integriertem Anbau.

Früh morgens um 2 Uhr ist bei Willi Nagel die Nacht schon zu Ende, dann heißt es Kisten packen und Autos beladen. 24 Apfelsorten hat der Obstbauer im Angebot, dazu Pflaumen und Beerenobst aus eigenem Anbau. Einen großen Teil fährt er nach Hamburg für den Großhandel. Auf den Oldesloer Wochenmarkt kommt er morgens um halb fünf Uhr, um als einer der ersten vor Ort seinen Stand aufzubauen und die Stromanschlüsse zuzuweisen. Außerdem ist er für das Einhalten von Standgrößen und Wegen zuständig und er teilt den wenigen Wechselbeschickern, die nicht regelmäßig kommen, einen Platz zu. Willi Nagel führt als Marktmeister auch das Kassenbuch und sorgt für das Aufziehen der Fahnen mit dem Logo der Marktgemeinschaft.

Probleme gibt es nur ganz selten. Hunde allerdings sieht Birgit Winzler nicht so gerne auf dem Wochenmarkt, denn manchmal kommt es vor, dass sie gegen die Stände pinkeln. „Vernünftige lassen ihren Hund außen vor“, so Winzler. Früher seien sogar lebende Küken auf dem Oldesloer Wochenmarkt verkauft worden, weiß die Gurkenhändlerin. Ein bisschen trauert auch Willi Nagel den alten Zeiten nach. „Früher ging es auf dem Wochenmarkt viel lebhafter zu. Aber seitdem die Supermärkte bis spät abends geöffnet haben, ist unser Geschäft hier immer mehr zurückgegangen. “ Doch die Marktbeschicker bieten viele Vorteile: Eigene Erzeugnisse frisch vom Feld, gute Beratung und eine breite Palette, die kaum Wünsche übrig lässt. „Unsere Kunden schätzen die frischen Produkte aus der Region“, weiß Nagel, der noch möglichst lange mit seinen Äpfeln auf dem Markt stehen möchte.

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