Bad Oldesloe : Der alte und der neue Chef

Ein „guter Chef“ geht, Wolfgang Beckers Nachfolger Michael Wilksen war Wunschkandidat.
Ein „guter Chef“ geht, Wolfgang Beckers Nachfolger Michael Wilksen war Wunschkandidat.

Polizeidirektor Michael Wilksen löst Wolfgang Becker als Leiter der Direktion Ratzeburg ab.

von
30. Juli 2015, 18:31 Uhr

Die fast 600 Polizeibeamten in Stormarn und dem Herzogtum Lauenburg haben ab morgen einen neuen Chef. Polizeidirektor Wolfgang Becker, der die Direktion im Mai 2010 übernommen hatte, geht mit dem 1. August in den Ruhestand. Sein Nachfolger ist Polizeidirektor Michael Wilksen. Der kennt die Region: Von 2000 bis 2002 war Wilksen stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Bad Oldesloe – unter Wolfgang Becker, der die Inspektion acht Jahre führte, von 1995 bis 2008.

Mag sein, dass sich Wilksen in dieser Zeit einiges von seinem Chef abgeguckt hat, jedenfalls waren sich Ministerialdirigent Jörg Muhlack, Landespolizeidirektor Ralf Höhs und Personalratsvorsitzender Marco Hecht-Hinz, dass mit Wolfgang Becker ein gute Chef geht, mit Michael Wilksen aber auch ein guter Chef kommen dürfte.

Beide wurden nach ihrer Ausbildung in Eutin für Führungsaufgaben empfohlen und qualifizierten sich später durch ein Studium an der Verwaltungsfachhochschule für den höheren Dienst. Bad Oldesloe war danach die zweite Station für Wilksen, der anschließend im Innenministerium in der Reformkommission mitarbeitet, das Landespolizeiamt mit aufbaute, wo er Leiter der Stabsstelle war. Seit 2009 war Wilksen dann stellvertretender Leiter in Neumünster.

Als „herausragende Führungspersönlichkeit“, so Muhlack, war der 54-Jährige Wunschkandidat für den Posten des Direktionsleiters. „Er hatte sogar die Wahl zwischen zwei Posten und hat sich mit vollem Herzen für Ratzeburg entschieden“, so Muhlack.

Wolfgang Becker ist nur gut fünf Jahre älter als sein Nachfolger, aber seit fast 45 Jahren im Polizeidienst. Mit 15, direkt nach der Realschule in Mölln, begann er die Ausbildung als Polizeiwachtmeister. Er war schon damals eine Zeitlang in Bad Oldesloe, studierte Anfang der 80er Jahre an der Verwaltungs-FH und leitete von 1984 bis 1988 die Polizeistation in Scharbeutz, wo er „an der geliebten Ostseeküste“ wohnt.

Über Eutin, Plön und die Bereitschaftspolizei kam Becker 1988 als Inspektionsleiter nach Bad Oldesloe. Von 2006 bis 2010 war er stellvertretender Direktionsleiter in Bad Segeberg. Elfmal wurde Becker befördert, und erhielt immer beste Bewertungen von seinen Vorgesetzten. „Du gehörst zu den großen Persönlichkeiten in der Landespolizei“, sagte Muhlack, obwohl Becker für seiner Verabschiedung die „Anweisung“ hatte, „nicht Staatstragendes und nichts Beerdigendes.“ Dass die Charakterisierung trotzdem lobend ausfiel, hatte eben mit seinem „authentischen Führungsstil“, seiner Gelassenheit und Verlässlichkeit, seinem Sinn für Gerechtigkeit zu tun. „Du warst als Chef nicht nur akzeptiert, sondern beliebt“, so Muhlack.

Eine Einschätzung, die neben dem Personalrat auch der stellvertretende Direktionsleiter Holger Meincke teilte. „Erfolg ist etwas Gemeinsames. Du hast uns zu einer Mannschaft gemacht“, sagt Meincke. Und es stimme, dass ruhig Beckers Art sei, „aber Ruhe hatten wir nicht, sondern in den fünf Jahren viel bewegt.“ Bis zuletzt hatten beide an einer neuen Revierstruktur gearbeitet. Die wird wohl sein Nachfolger umsetzen.

Wolfgang Becker hat dann mehr Zeit für den automobilen Jugendtraum, den er sich erfüllt hat: Einen roten Jaguar  E-Type. „Der wird sicherlich noch viel Zeit und Geld kosten“, prophezeite Landespolizeidirektor Ralf Höhs. Es könne aber auch sein Gutes haben, wenn der Mann in der Garage werkele, sagte Jörg Muhlack an Annegret Becker gewandt: „Er hat diese Macke, dass er sich gern in gewohnte Abläufe einmischt.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen