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Der alte Pastoratsgarten - Eine Naturoase mitten in der Innenstadt

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Das Refugium zwischen Beste und Kirchberg wurde vom Nabu gepachtet und soll naturnah umgestaltet werden

Bad Oldesloe | Der alte Pastoratsgarten, etwas versteckt zwischen Beste und Kirchberg gelegen, ist eine kleine Naturoase inmitten der Innenstadt. Früher gehörte das grüne Kleinod, das im Besitz der Evangelischen Kirche ist, zum ehemaligen Hauptpastorat, das seinen Sitz im alten Gebäude am Kirchberg 9 hinter der Peter-Paul-Kirche hatte. Damals diente es dem Pastor als Wohnhaus. Der verpachtete Garten verwilderte in den vergangenen Jahren zunehmend und fiel auch dem Vandalismus anheim. Doch das soll sich jetzt endlich grundlegend ändern.

Seit ein paar Wochen hat der Naturschutzbund (Nabu) Bad Oldesloe das 1700 Quadratmeter große Gelände gepachtet. "Wir waren zufällig die ersten, die nachgefragt haben, was mit diesem Garten ist und ob wir ihn pachten könnten", erzählt Klaus Graeber. Als erste "Amtshandlung" entsorgten die Mitglieder des Nabu säckeweise Müll, der hier jahrelang illegalerweise abgelagert wurde. Nun geht es daran, das Grundstück ein wenig zu durchforsten. "Der alte Baumbestand ist beeindruckend und sollte möglichst erhalten bleiben", sagt Klaus Graeber, Vorsitzender des Oldesloer Nabu.

Schmuckstück ist ein prächtiger alter Tulpenbaum gleich am Eingang des Gartens. Er ist stark eingewachsen und mit Efeu überwuchert. Deshalb soll er demnächst frei geschnitten werden. Daneben steht ein riesiger, morscher Kirschbaum, der kürzlich bei einem Sturm einen großen Ast verlor. Der auffälligste Baum aber ist eine riesige Platane, weit mehr als 100 Jahre alt und mit mehr als 30 Metern Höhe der größte Baum weit und breit, wie Klaus Graeber vermutet.

Der Pastoratsgarten hat schon einiges erlebt und überstanden. Als am 24. April 1945 kurz vor Kriegende der Oldesloer Bahnhof massiv bombardiert wurde, fielen auch drei Bomben in den Garten. Drei Soldaten, die hier Zuflucht gesucht hatten, starben. Sie wollten nicht in den Luftschutzkeller des Pastorats flüchten, das war ihr Todesurteil. Außerdem rissen die Bomben hier tiefe Krater auf. "Wir vermuten, dass durch die Bomben auch eine Salzquelle am Besteufer freigelegt wurde", erzählt Klaus Graeber.

Noch dominieren dichtes Gestrüpp und jede Menge Sträucher sowie Efeu und Gierschpflanzen das abfallende Gelände. "Hier finden wir auch immer wieder Altlasten", erzählt Klaus Graeber. Peter Parlowski, Betriebsmeister der Kirchengemeinde, hatte schon länger ein wachsames Auge auf den Garten geworfen und dabei allerlei Dinge gefunden. Darunter auch mehrere leere Geldkassetten und sogar eine Orgelpfeife aus der Kirche - allesamt Diebesgut.

Die Mitte des Gartens ist - außer Grasbüscheln - fast frei von Bewuchs. Hier stehen eine alte rostige Schaukel, die einen neuen Anstrich bekommen soll, und eine alte Metallpumpe, die früher in der Beste lag. Peter Parlowski hat sie herausgezogen und aufgestellt. "Vielleicht kann man sie wieder in Betrieb nehmen. Es wäre toll, wenn wir eines Tages hier am Ufer der Beste salzhaltiges Wasser hochpumpen könnten", hofft Klaus Graeber.

Einige Strukturen des alten Pastoratsgartens sind noch gut zu erkennen, wie etwa die Terrassen zum Kirchberg hin, auf denen früher Obst und Gemüse angepflanzt wurden. Einige Beete sind noch da und sollen von den Kindern der Juna-Gruppe (Jugend für Umwelt und Naturschutz) wieder bepflanzt werden. So könnten hier Walderdbeeren, Blumen und Stauden gepflanzt werden. Die Kinder wollen außerdem Nistkästen und ein Insektenhotel bauen, vielleicht auch eine Efeu-Höhle anlegen.

Vor einer Art "Grotte" aus alten Steinen befand sich früher wohl eine kleine Sitzecke. "Wir überlegen, hier ein kleines Gartenhaus für Material aufzustellen", so Graeber. Der Pastoratsgarten ist Lebensraum für allerlei Singvögel, die hier auch brüten. Meisen, Mönchsgrasmücke, Kleiber, Hausrotschwanz, Bachstelze, Fitis und Buchfink hat Klaus Graeber bereits entdeckt. "Früher soll hier auch die Nachtigall gesungen haben, vielleicht kommt sie ja wieder zurück", hofft der Biologe.

Die alten Apfel- und Nussbäume sollen ebenfalls beschnitten werden, so dass die Anemonen und Maiglöckchen zu ihren Füßen wieder mehr Licht bekommen. "Früher müssen hier auch viele Rosen geblüht haben", mutmaßt Klaus Graeber. Einige Türkenbundlilien führen ein geheimes Schattendasein im Dickicht großer, verwilderter Buchsbäume. "Wir vermuten, dass noch jede Menge Müll unter der Vegetation schlummert", sagt Graeber. Dem Unrat soll es nun nach und nach an den Kragen gehen. Zu tun gibt es im geheimnisvollen Pastoratsgarten für die engagierten Naturschützer des Nabu jedenfalls noch eine ganze Menge!

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erstellt am 05.Aug.2013 | 03:59 Uhr

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